das Kirchenjahr

Tag der Erscheinung des Herrn

Epiphanias (6. Januar)

Die Herrlichkeit Christi

Predigtanregung

Epiphanias hat vielleicht die vielfältigste Bedeutung von allen Festen: an Epiphanias findet das Gedenken an die Weisen aus dem Morgenland genauso statt wie die Erinnerung an die Taufe Jesu. Es ist das Fest, das die Bedeutung des Christfestes weiter vertieft.
Darum wird zu Epiphanias zunächst die Geburtsgeschichte Jesu nach Matthäus als Evangelium gelesen, und andere Perikopen zeugen von Jesus als dem Licht, das in die Welt kam, um endlich das Dunkel zu erleuchten, das die Menschheit umfing.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

III - Jes 60, 1-6

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! 2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir. 3 Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.
4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arme hergetragen werden. 5 Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. 6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des HERRN Lob verkündigen.

Mache dich auf, werde licht... Mir fällt bei diesem Beginn zunächst ein mögliches Missverständnis auf. Man könnte meinen, dass man aufgefordert wird, ein Licht zu werden, so wie Jesus es später tut. Aber das ist damit wohl nicht gemeint, sondern vielmehr die Aufforderung, sich wieder zu freuen, nachdem man in Trauer fast vergangen ist. Es ist das Aufstrahlen des Angesichts, das hier gemeint ist, wenn jemand Grund hat, sich zu freuen. Das "Mache dich auf" verleitet zum Missverständnis. Eine wohl richtige, aber längst nicht so schön klingende Übersetzung würde etwa lauten: "Komm, freue dich, denn jetzt kommt dein Licht!"
Dieses Licht wird dann zunächst in Gegensatz gestellt zum Dunkel, das die Völker überdeckt, ja, die ganze Erde. Nur über Israel, dem Volk Gottes, erstrahlt nun die Herrlichkeit Gottes! Es ist also durchaus ein elitäres Bewusstsein zu erkennen, wozu Israel ja auch alles Recht hat, ist es doch das auserwählte Gottesvolk.
Nun bleibt es aber nicht dabei. Das Licht (wohlgemerkt, das Licht Gottes) lädt natürlich ein, es zieht an. So kommen auch die Heiden, die Völker, die im Dunkeln wohnen, um dieses Licht zu bestaunen. Sie können aber nur das Volk Gottes sehen, dem sie entsprechend huldigen und Opfer (Reichtümer) darbringen.
Wie immer bei alttestamentlichen Texten stehen wir vor dem Problem der Anwendung: es ist ganz deutlich das Volk Israel gemeint, das den Mittelpunkt aller Völker darstellt, weil von ihm das Licht ausgeht. Es wäre nicht angemessen, nun die christliche Kirche unversehens zum Lichtträger zu machen, auch wenn wir uns im Sinne der Worte Jesu (Mt 5,14ff) als Licht der Welt verstehen, denn hier geht es ja gar nicht darum, dass wir das Licht seien, sondern darum, dass Gott sein Volk besucht und dauerhaft bei ihm Wohnung nimmt. Darum strahlt es dort so hell.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang bestätigt diesen Schwerpunkt der Perikope. Darum sollte die Predigt auch auf diesen Schwerpunkt hinweisen. Vielleicht darf man die Frage stellen: stellen wir uns dem Licht Gottes in den Weg? Aber das würde m.E. schon zu weit führen, denn wie könnten wir das? Wir hätten doch gar nicht die Kraft oder Größe, einen nennenswerten Schatten zu erzeugen.
Das Licht Gottes scheint, es lädt auch uns ein, so wie es alle Völker einlädt. Dabei ist es gar nicht mehr so wichtig, von wo aus es scheint. Gott hat uns besucht, nicht nur sein Volk, darum erstrahlt seine Herrlichkeit über dieser Welt. Es lädt uns ein, aus unseren dunklen Ecken hervorzukriechen. Also sollte die Predigt einladenden, erhellenden Charakter haben.

Liedvorschläge zur Predigt:

Das Volk, das noch im Finstern wandelt (EG 20)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293)
Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit (EG 557)
Tragt in die Welt nun ein Licht (EG 588)



Buchempfehlungen:
  • Die Lesepredigt 2020/2021 - Perikopenreihe IIIWenn sie auf diesen Link klicken, verlassen Sie diese Webseite und werden zu Amazon weitergeleitet! Durch den Kauf bei Amazon unterstützen Sie die Weiterentwicklung dieser Webseite!
    . 54. Jahrgang v. Horst Gorski, VELKD (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2020, 552 S. - 1. Auflage.
    Loseblattausgabe mit CD-ROM. Bewährte Arbeitshilfe für Pfarrer/innen, Lektor(inn)en und Prädikant(inn)en.
Weitere Buchvorschläge rund um den Gottesdienst...