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Christvesper
Die Geburt des Herrn* - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete

Die Christvesper ist ursprünglich eine vorbereitende Andacht gewesen, die am Vorabend des Christfestes gefeiert wurde. Diese Bedeutung hat sie auch heute noch, denn Christus ist in der Nacht geboren, die nach jüdischem Verständnis zum nächsten Tag gehört. Der Geburtstag Jesu ist also der 25.12. und nicht, wie oft angenommen, der 24.12. Dennoch ist heute die Christvesper der Hauptgottesdienst des Christfestes für die meisten Gemeindeglieder, auch wenn sie zur ursprünglichen Zeit am Vorabend (bzw. -nachmittag), dem Heiligabend, gefeiert wird.
In der Christvesper wird der Menschwerdung Gottes gedacht und die Geschichte von seiner Geburt gelesen. Dieses Geschehen wird als die Erfüllung der zahlreichen Prophezeiungen der heiligen Schrift verstanden. Die Predigttexte der Christvesper sind mit denen der Christnacht austauschbar, was sich dann empfiehlt, wenn die Christnacht als der wichtigere Gottesdienst empfunden wird.

In der Christvesper können folgende Weissagungen gelesen werden:

Mi 5, 1-4a (Reihe IV)
Jes 9, 5-6 (Reihe I)
Jes 11, 1-2 (Reihe III)
Jer 23, 5-6
Jer 31, 31-34

Zu den Perikopen

  1. Jes 9, 1-6

    Gerne hat die Christenheit diese Prophezeiung auf Jesus hin interpretiert, spricht sie doch von einem Kind, das bereits Herrscher ist und Qualitäten hat, die denen Jesu gleich sind. Der historische Kontext wurde genauso missachtet wie die Tatsache, dass hier eindeutig von einem Menschen geredet wird, der die irdische Herrschaft über Israel annehmen und der dieses irdische Königreich stärken wird. Das Volk Israel erwartet, dass Gott diesen Herrscher einsetzt und Israel wieder zu dem alten Ruhm bringen wird, den es als Volk Gottes hatte zu der Zeit, als ein gottesfürchtiger Herrscher, David, an der Spitze des Volkes stand.
    Die Einleitung dieser Prophetie ist unverfänglicher, aber definitiv auch vom historischen Kontext geprägt. Die Rede ist hier von Israel im Exil, das nun darauf hoffen darf, wieder in sein Land zurückzukehren. Der Gegensatz von Licht und Dunkelheit passt gut in die Zeit des Christfestes, das gerade diesen Gegensatz ausnutzt, um die Botschaft von der Geburt des Heilandes, des Lichtes der Welt, zum Ausdruck zu bringen. So sehr diese Verse 1-4 auf Israel bezogen sind, so sehr lassen sich vor allem die ersten zwei Verse auf alle die anwenden, die Gottes Willen hören und tun wollen. Die Verse 3 und 4 reden dann von dem Ende der Unterdrückung und Kriege, ein heute wie damals aktuelles Thema, wenn auch nicht unbedingt unmittelbar für uns.
    Schwieriger ist das mit den Versen 5-6, denn sie können nicht ohne weiteres auf Jesus angewendet werden. Es wäre daher für die Predigt zu erwägen, den Schwerpunkt auf die Auslegung der ersten Verse zu setzen. Dabei wird es ein Leichtes sein, die Dunkelheit zu beschreiben, die uns umfasst und in der wir gefangen sind. Das Licht, das uns leuchtet in dieser Zeit, ist das Kind in der Krippe, das nun die Zuwendung Gottes zu allen Menschen bedeutet. Auch dies ein einfacher Weg. Ist es nicht zu einfach?
    Weihnachten ist eine Provokation. Die Geburt Jesu war eine Provokation, durch sie wurden die Herrscher der Welt und alle Menschen herausgefordert. Gott wendet sich den Menschen zu, und was tut der Mensch? Wie antworten wir auf dieses Geschehen? Was haben wir gelernt? Auch wenn das wenig dazu geeignet sein dürfte, die wohl erwartete Harmony und Beschaulichkeit des Heiligen Abends zu fördern, halte ich es für ratsam, eine Predigt zu erwägen, die provoziert. Es geht darum, eine Antwort zu provozieren, eine Reaktion auf dieses weihnachtliche Geschehen, dessen wir Jahr für Jahr gedenken. Und wenn man meint, dass die Reaktion evtl. eine Abwendung sein könnte, ein entrüstetes Verlassen der Kirche - mag sein, aber falls dies wirklich geschieht, dann hat es wenigstens eine Antwort gegeben, und man kann sicher sein, dass die Predigt nachwirkt.
    Wie kann eine Predigt provozieren? Sie kann z.B. verfälschen; das, worum es geht, wird anders dargestellt, mit einem offenen Ende, das unter Umständen sogar einen negativen Abschluss nahelegt, weil es nicht positiv enden kann ohne das Eingreifen des Zuhörers.

  2. Hes 37, 24-28

    Gott besucht nicht nur die Menschen, er weilt unter ihnen. Das haben Christen über die Jahrhunderte in diesem Text gelesen. Der Begriff "Heiligtum", der hier verwendet wird, kann u.U. tatsächlich so verstanden werden, denn für das Volk Israel bedeutete die Existenz des Tempels, des Heiligtums, die Nähe Gottes. So war das Exil dementsprechend Gottesferne. Dazu kommt, dass das Volk Gottes, Israel, hier als "Vermittler" angesehen wird, durch den die Heiden (also alle die, die nicht zum jüdischen Volk gehören) Gott erkennen und kennenlernen. Freilich hat diese Prophetie ihren tieferen Sinn in der Rückkehr aus dem Exil und dem Wiederaufbau des Tempels - es wird schwer fallen, dies nicht zu berücksichtigen, zumal wir die Bindung Gottes an das Heiligtum kaum nachvollziehen können (und auch von der jüdischen Gemeinde heutzutage so nicht mehr nachvollziehbar ist).
    Wohl aber können wir einen Bezug zum Heiligen Abend darin erkennen, dass durch das Volk Israel Gott unter den Heiden erfahrbar wird. Dies ist das Besondere, dass Gott nun die Heiden mit einbezieht - sie werden mit eingeschlossen in den Heilsplan Gottes.
    Es kann eigentlich nicht oft genug geschehen, dass wir uns immer wieder dessen bewusst werden, dass wir die Heiden sind, von denen hier die Rede ist. Dies sollte eine wichtige Aufgabe der Predigt sein. Zugleich aber ist es durchaus legitim, das Wunder, das in dieser Nacht geschah, in den Mittelpunkt zu stellen: Gott besuchte die Menschheit und hinterließ einen "bleibenden Eindruck".

  3. Jes 11, 1-10

    folgt später

  4. Micha 5, 1-4a

    folgt später

  5. Lk 2, 1-20

    folgt später

  6. Gal 4, 4-7

    Wir sind Kinder Gottes, das ist die große Botschaft dieses Textes, die uns heutzutage fast selbstverständlich ist - vielleicht viel zu selbstverständlich. Zu Kindern wurden wir erst dadurch, dass Jesus Christus für uns den Tod erlitt, um uns vom Gesetz zu erlösen. Dabei geht es um das Gesetz, das unwiderruflich Sünde erzeugt, weil es unmöglich vollkommen eingehalten werden kann. Allein Jesus hat dies vollbracht und demnach das Gesetz überwunden. Das macht uns zu Kindern Gottes, die Freiheit vom Gesetz. Dabei ist natürlich, das wissen wir, keine Gesetzlosigkeit gemeint. Im Gegenteil. Ein Leben ohne das Gesetz ist nur deswegen möglich, weil wir teilhaben an der Liebe Gottes, und diese Liebe weitergeben. So erklärt sich auch die Kindschaft, die hier angesprochen wird.
    Dies wird gerade in unserer Zeit so brisant, wo die Fähigkeiten des Menschen mittlerweile so dicht an die schöpferischen Fähigkeiten Gottes heranreichen, dass es schon Angst machen kann. Ist es richtig, wenn man sich den Charakter seines Kindes noch vor der Zeugung aussuchen kann, und wenn die Zeugung dann auf künstlichem Wege mit Hilfe recht genau definierten genetischen Materials erfolgt?
    Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich noch aus der Aussage, dass wir Erben Gottes sind. Was erben wir? Wohl das ewige Leben. Vielleicht aber ist hier auch schlicht gemeint, dass die Heidenchristen, an die dieser Brief gerichtet ist und zu denen auch wir zählen, nun zum Volk Gottes dazugehören, das sonst den Titel "Erbe Gottes" für sich allein in Anspruch nahm.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich aus Vers 4, wo auf die Geburt Jesu hingewiesen wird. Spitzfindige Leser mögen hier einen Beweis dafür finden, dass Maria zur Zeit der Geburt Jesu keine Jungfrau mehr war. Diese Beobachtung ist aber völlig nebensächlich. Es geht hier nur darum, darauf hinzuweisen, dass der Sohn Gottes von einem Menschen geboren wurde und nicht vom Himmel herabstieg, so wie Götter sonst in der Mythologie zu tun pflegen, wenn sie gebraucht werden.Es ist also entscheidend, dass Jesus das Leben eines Menschen führte, unter das Gesetz getan, also die Grenzen akzeptierend, die gar nicht für ihn bestimmt sind und jenseits deren er als Gott existiert. Nun hat er diese Grenzen überwunden und uns damit einmalige Möglichkeiten eröffnet.
    Es ist im Grunde ein Widerspruch, wenn in der Predigt zunächst diese Freiheit dargestellt, dann aber auch gleich wieder dieselbe Freiheit eingeschränkt würde. Dieser Widerspruch muss dennoch ausgehalten werden. Denn die Einschränkung der Freiheit geschieht ja nicht mit Hilfe neuer Gesetze, sondern allein aus der Freiheit heraus, die uns geschenkt ist: wir erkennen, dass manche Dinge nicht gut sind und darum besser nicht getan werden.



Buchempfehlungen:
  • In tiefster Nacht erschienen. Andachten und Gottesdienstentwürfe für die Advents- und Weihnachtszeit v. Christiane Nadj&eacut;-Wirth. Neukirchender Verlag 2018, 132 S. - 1. Auflage.
    Sorgfältig ausformulierte Gottesdienstentwürfe und Predigten von Advent bis Epiphanias werden in diesem Band angeboten. Es enthält auch eine Auswahl an Texten zum Vorlesen oder für den Gemeindebrief.
  • NEU UND AKTUELL! Er ist unser Friede. 1. Advent 2018 bis Pfingstmontag 2019. Lesepredigten zur Perikopenreihe I vom 1. Advent 2018 bis Pfingstmontag 2019 - Buch mit CD-ROM v. Helmut Schwier u.a. (Hg.). Ev. Verlagsanstalt 2018, 240 S. - 1. Auflage.
    Die Lesepredigten für alle Sonn- und Gedenktage des Kirchenjahres sind eine in der Praxis bewährte Arbeitshilfe für eine zeitgemäße, anspruchsvolle und ansprechende Verkündigung. Ehrenamtliche Lektorinnen und Lektoren, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Pfarrerinnen und Pfarrer finden hier - je nach Bedarf - ausformulierte Predigten und Anregungen für die eigene homiletische Arbeit. Textbasis ist die jeweils empfohlene Predigtreihe. Ergänzt werden die Lesepredigten durch passende Liedvorschläge und Fürbittgebete.
  • Weihnachten zieht weite Kreise. v. Margot Käßmann. Lutherisches Verlagshaus 2003, 256 S. - 1. Auflage.

  • Zuletzt überarbeitet: 27 Oktober 2018
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