das Kirchenjahr

Buß- und Bettag

Predigtanregung

Seit Beginn der Kirche gibt es Buß- und Bettage, die mit Fasten und Gebet begangen wurden. In der römischen Kirche hat sich mancherorts der Mittwoch und Freitag (wenigstens in den Bußzeiten) als Fastentag erhalten (der Mittwoch gilt als Tag des Verrats, der Freitag als Tag der Kreuzigung Jesu). Aus diesen Tagen entstanden Fastenzeiten vor den großen Festen, von denen uns die Adventszeit und die Fastenzeit vor Ostern erhalten sind.

Die protestantische Kirche hat die Praxis der Bußtage übernommen, indem sie wöchentliche Buß- und Bettage am Dienstag einführte. Beliebt waren solche Tage (mit ganztägigem Gottesdienst) nicht, so dass die Aufklärung im 18. Jahrhundert leichtes Spiel hatte, die Praxis unter den Protestanten drastisch einzuschränken. Heute ist uns nur der Tag in der Mitte der vorletzten Woche des Kirchenjahres als kirchlicher Buß- und Bettag erhalten. Allerdings ist es den Gemeinden freigestellt, weitere Bittage zu begehen (sogenannte Bitttage und Bittgottesdienste).
Im Gottesdienst wird die Litanei (EG 192) gesungen, und es schweigt das Halleluja.
Die liturgische Farbe der Buß- und Bettage ist Violett als Farbe der Buße und des Gebetes.

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IV - Offb 3, 1-6

Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. 2 Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. 3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. 4 Aber du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. 5 Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. 6 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Der Sendbrief an die Gemeinde in Sardes fordert zur Buße auf. Der Gemeinde wird vorgeworfen, dass sie tot sei - mit anderen Worten: sie zeigt auf keine Weise das, was sie für sich in Anspruch nimmt: die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde. Immerhin scheint es noch eine Hoffnung für diese Gemeinde zu geben, sonst gäbe es den Bußruf nicht. Werde wach!
Interessant ist der Auftrag, der mit diesem "Weckruf" an die Gemeinde zu Sardes ergeht: "stärke das andere, das sterben will" - ist hier eine andere Gemeinde gemeint, die sich ähnlich wie die Gemeinde in Sardes nicht mehr bzw. nur noch wenig rührt? Oder bezieht es sich auf einzelne Gemeindeglieder, die nicht ganz regungslos geworden sind? Das lässt sich wohl kaum mit Gewissheit sagen, zumal es ausgesprochen schwierig ist, diese Verallgemeinerungen über einzelne Gemeinden nachzuvollziehen.
Hilfreich wäre da ein anderer Ansatz: diese Sendschreiben nicht als Briefe an Gemeinden, sondern an Individuen zu verstehen, die sich bemühen, als Christen dem hohen Anspruch der christlichen Verküdnigung gerecht zu werden. Dann ist natürlich der Aufruf klar: 'Du nennst dich zwar Christ, aber du bist tot. Nun wach auf, tu, was dir als Christ zu tun gebührt, und hilf denen auf den rechten Weg, die ähnlich wie du es eigentlich schon aufgegeben haben.
Der weitere Verlauf des Briefes redet vom Kommen dessen, der die Schlüssel des des Todes und der Hölle (1,18) hat, das unerwartet geschehen wird. Darauf muss ein Christ immer vorbereitet sein. Dann geht es wieder zurück zur Gemeindesituation: es gibt doch noch einige, die nicht gänzlich tot sind. Hier wird also der anfänglichen pauschalen Verurteilung doch widersprochen. Folgen wir der Möglichkeit, dies als Anrede an ein Individuum zu verstehen, dann wäre hierdurch zumindest ein Hoffnungsschimmer gegeben: vielleicht gehöre ich zu denen, ich muss es nun nur beweisen. In einer Gemeinde könnte eine solche Aussage schnell zur Abgrenzung, ja Aburteilung führen, die dem Zweck dieses Sendschreibens entgegenlaufen würde.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist nicht ganz eindeutig. Was hat der Vorläufer des Herrn, Johannes der Täufer, mit Sardes zu schaffen? Es ist wohl vielmehr der Bußruf, der hier laut wird und der ja auch von dem Täufer ausging, der diesen Zusammenhang herstellt. Und auch dann bestätigt sich der Ansatz, diesen Text als Anrede an ein Individuum zu verstehen, denn so war ja die Bußpredigt des Täufers ebenfalls zu verstehen.
Die Predigt sollte denn auch einer Aufforderung zur Buße entsprechen. Man mag sich dabei nicht wohlfühlen, aber es wird dem Charakter der Adventszeit durchaus gerecht, wenn man die Hörer auffordert, in sich zu gehen und darüber nachzudenken, wo ihr christlicher Glaube lebendig wird. Dabei ist es immer hilfreich, Möglichkeiten aufzuzeigen, die christliche Botschaft nicht nur zu hören, sondern auch in die Tat umzusetzen. Welcher Art diese Möglichkeiten sind, wird von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sein.

Liedvorschläge zur Predigt:


O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7)
Mit Ernst, o Menschenkinder (EG 10)
Ich lag in schweren Banden (EG 11, 4-6)
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16)
Wachet auf, ruft uns die Stimme (EG 147, 1-3)
Lasset uns mit Jesus ziehen (EG 384)
Erneure mich, o ewigs Licht (EG 390)
Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich hören? (EG 392)



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