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4. Sonntag im Advent
Die nahende Freude - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

In den Evangelienlesungen nach Lukas, die am 4. Sonntag im Advent vorgesehen sind, steht Maria im Vordergrund. Das Magnifikat sowie der Besuch des Engels, dessen Verkündigung sie sich unterwirft, werden allerdings von einer weiteren Erzählung über Johannes, den Täufer, aus dem Johannes-Evangelium ergänzt. Alttestamentliche und Epistellesung verkünden von der Freude, die wir schon haben, weil uns das Kommen des Herrn verkündet ist, der Frieden in diese Welt bringt.
Es entfällt das "Gloria in excelsis".

I - Lk 1, (26-38)39-56(s. auch Reihe IV hier und Reihe I an Mariae Heimsuchung!)

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. 28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! 29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. 31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, 33 und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß? 35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. 36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. 37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. 39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda 40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt 42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes! 43 Und wie geschieht mir das, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe. 45 Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. 46 Und Maria sprach:
Meine Seele erhebt den Herren,
47 und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;

48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

49 Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.

51 Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.

52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.

53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.

54 Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,

55 wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.

Bitte beachten Sie, dass die gleiche Perikope nur mit anderen Einklammerungen noch einmal in der Reihe IV auftaucht. Es liegt von daher schon nahe, sich hier ganz auf die Begegnung Marias und Elisabeths zu beschränken. In dieser Perikope wird Marias besondere Stellung deutlich gemacht. Zwar hat sie selbst gesagt: "Ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.", und damit deutlich gemacht, dass sie in nichts einer anderen Frau überlegen wäre. Aber während es keinen menschlichen Vater Jesu gibt, so gibt es eben doch diese menschliche Mutter, die das Gotteskind 9 Monate in ihrem Schoß trug und eine entsprechend enge Verbindung mit ihm durchlebt hat, die sie Zeit ihres Lebens und auch in unserem Erinnern von allen anderen Menschen unterscheidet.
Außerdem wird hier deutlich gemacht, dass Frauen in der Heilsgeschichte eine eigentlich wichtigere Rolle spielen als Männer. Ohne Maria, ohne Elisabeth wäre das alles nicht möglich gewesen. Von daher ist die Überlegung zulässig, diese Predigt den Frauen auch im Allgemeinen zu widmen.
Das Magnifikat selbst aber fordert natürlich auch seinen Teil, aber selbst hierin erkennen wir Töne, die einer "feministischen" Predigt durchaus zuträglich sind. Nach dem Lob Gottes folgt die sicher nicht unbescheidene Feststellung, dass Maria von nun an selig gepriesen wird von allen Menschen. Das aber wieder nicht, weil sie selbst irgendetwas besser könnte als andere Frauen, sondern schlicht deswegen, weil Gott sie zum Werkzeug erwählt hat und an ihr das Wunder seiner eigenen Menschwerdung vollbracht hat. Dementsprechend heißt es auch, dass Gott ihre Niedrigkeit ansah. Erst Gott macht sie zu einer besonderen Person, wie man es wohl von jedem sagen kann, durch den Gott wirkt.
Hoffart ist Gott zuwider, die Gewaltigen, d.h. wohl die, die ihre Macht missbrauchen, um andere zu knechten und zu misshandeln, stößt er von ihrem Thron: ein Ausblick auf kommende, ausgleichende Gerechtigkeit, nach der auch wir uns sehnen. Das klingt auch im 53. Vers an, wo es dann um die materiellen Güter geht, die ja auch Macht erst ermöglichen.
Das Thema dieses Sonntages, das den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang beschreibt, legt aber nahe, den Schwerpunkt in der Freude über das Kommen des Kindes zu sehen. Drei Monate verbringt Maria bei Elisabeth, ich vermute, es sind die drei besten Monate einer Schwangerschaft. Das allein begründet natürlich nicht die Freude. Vielmehr ist wohl das gemeint, was im Magnifikat anklingt: mit diesem Kind kommt Gerechtigkeit in eine Welt, die nur Ungerechtigkeit kennt.
Nun steht dem unsere tägliche Erfahrung entgegen. Es geht in dieser Welt nicht gerecht zu. Maria glaubte an die Verheißung, die ihr vom Engel gemacht worden war (Lk 1, 32-33). Was ihr dort gesagt wurde, sagt sie jetzt weiter. Das ist, was Gott verkündet hat. Diese Worte machen uns klar, dass der Zustand, in dem sich unsere Welt befindet, nicht der Normalzustand ist. Es gibt also keinen Grund, sich achselzuckend damit abzufinden. Im Gegenteil. Es liegt an, sich auf diese neue Welt zu freuen - und an ihr mitzubauen. Dazu gehört auch die Frage, ob vielleicht wir zu diesen Mächtigen gehören, die Gott einst von ihrem Thron stoßen wird, und ob wir nicht schon jetzt beginnen sollten, den Armen zu geben, was wir im Überfluss haben.

Liedvorschläge:

O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7)
Es kommt ein Schiff, geladen (EG 8)
Gott sei Dank durch alle Welt (EG 12)
O mächt'ger Herrscher ohne Heere (EG 14, 2)
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16)
Wunderbarer Gnadenthron (EG 38)
Mein Seel, o Herr, muss loben dich (EG 308)
Hoch hebt den Herrn mein Herz (EG 309)
Meine Seele erhebt den Herrn (EG 310)
Magnificat anima mea (KHW/HN-EG 600)
Gottes Lob wandert (KHW/HN-EG 601)

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