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1. Sonntag nach Epiphanias
Die Taufe Jesu - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Jos 3, 5-11.17 (I)

Liebe Gemeinde! Ich habe in der vergangenen Woche lange darüber nachgedacht, was dieser Text wohl mit dem Besonderen dieses Tages zu tun haben könnte.
Es geht ja heute um die Taufe Jesu, um seine Gottessohnschaft. Da ist das Bekenntnis Gottes zu Jesus Christus: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe”. (Mt 3, 17b) Er ist das fleischgewordene Wort des Schöpfers.
Für uns leichter noch nachvollziehbar in dem kleinen Kind in der Krippe als in dem erwachsenen Mann, der sich da nun in den Jordan begibt und taufen lässt, so als wäre er ein Mensch wie du und ich.
Aber so ist es ja auch schon in der Krippe gewesen: der Sohn Gottes, der Allmächtige, gibt diese Allmacht auf, damit er unser Bruder werden kann.
Und jetzt dieser Predigttext, der uns davon erzählt, wie das Volk Israel damit beginnt, in das Land einzudringen, das ihnen Gott verheißen hatte.
Was verbindet diesen Text mit der Taufe Jesu?
Beide Texte haben mit dem Jordan zu tun ? das wäre aber sicher nur eine dürftige und nicht besonders ergiebige Verbindung. Denn während hier das Wasser stehen bleibt, steigt dort Jesus in das fließende Wasser hinein. Aber immerhin ist es der Jordan.
Ja, aber das ist dann doch nicht so viel, dass man daraus eine Predigt stricken könnte, etwas, das uns für unseren Alltag Stärkung und Hoffnung schenkt.
Und dann überlegte ich, worum es eigentlich in dem Text aus dem Buch Josua geht, was der Kern dieses Textes ist. Und da merkte ich, dass es nicht um die Durchquerung des Jordans ging ? immerhin ein ganz wunderbares Ereignis, denn schließlich blieben ja die Wasser des Flusses einfach so stehen, und die Israeliten konnten trockenen Fußes das Flussbett durchqueren ? sondern darum, dass Gott sich in diesem Ereignis als der Gegenwärtige erweist, als der „Ich-Bin-Da”, wie Buber und Rosenzweig den Gottesnamen übersetzten.
Gott steht zu seinem Volk, er steht zu seinen Verheißungen, und macht dies nun auf wunderbare Weise deutlich.
Das Zeichen des Bundes ? die Lade Gottes ? steht in der Mitte des Jordans, und das Volk Gottes zieht trockenen Fußes an der Lade vorbei durch den Jordan hindurch.
Im wahrsten Sinne des Wortes ist Gott in ihrer Mitte ? durch das Bundeszeichen und durch das Wunder, dass das Wasser des Flusses still steht und ihnen nicht schaden kann. Deutlicher kann die Gegenwart Gottes kaum werden.
Und dann wird diesem Ereignis ein Denkmal gesetzt ? eigentlich sogar zwei. Die zwölf Männer, die da in der Mitte unseres Predigttextes erwähnt werden und dann gar nichts mehr zu tun zu haben scheinen, nehmen jeder einen Stein aus dem Flussbett und bringen ihn in das Lager. Josua macht daraus einen Steinhaufen in Gilgal, zum Zeichen dafür, dass Gott sein Volk trockenen Fußes durch den Jordan hindurch geführt hatte.
Der Erfahrung des lebendigen Gottes wird ein Denkmal gesetzt, sie wird versteinert.
So wichtig das Erinnern ist, und so wichtig es auch ist, dass solche Erfahrungen nicht nur mündlich überliefert, sondern auch manifestiert werden, weil sie irgendwann dann doch zu Märchen zu werden drohen, die niemand für wahr halten will, so wenig angemessen ist das, was hier geschieht.
Denn die Erfahrung der Nähe Gottes ist eine höchst lebendige Erfahrung, die man nicht mit noch so schönen oder beeindruckenden Denkmälern festhalten kann. Sie ist nicht erinnerte Vergangenheit, sondern sie ist und bleibt erlebte Gegenwart.
Und weil das Volk Israel nach vielen Jahren begann, auch diese Erinnerungen der vorigen Generationen zu vergessen, geschah, was geschehen musste: Der Abstand zu Gott wurde immer größer, bis sie ihn schließlich nicht mehr erkannten.
Er war nicht mehr der Gott, der mit ihnen einen Bund geschlossen hatte. Sie fühlten sich stark genug, für sich selbst zu reden und zu handeln. Sie dachten, sie bräuchten Gott nicht, und wenn doch, dann hätten sie ihn sich schon entsprechend zurecht gemacht. Aber das wäre dann nicht mehr dieser Gott gewesen, der sich so lebendig in ihrer Mitte gezeigt hatte, sondern ein Märchen, das sie sich dann erzählt hätten.

Ist das jetzt nicht doch sehr weit weg von der Taufe Jesu?
Nein, überhaupt nicht. Denn so wie Gott seinem Volk damals bei der Durchquerung des Jordans so nahe gekommen ist, so ist er erneut in Jesus in die Mitte seines Volkes gekommen.
Aber diesmal war es doch etwas anders. Jesus tat kein großartiges Wunder am ganzen Volk. Er wandte sich vielmehr den einzelnen Menschen zu. Er machte die Erfahrung der Nähe Gottes für jeden, der ihm begegnete, möglich.
„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens”, hatte Petrus einst bekannt und dann noch hinzugefügt: „Wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.” (Joh 6, 68)
Gott war in Jesus inmitten seines Volkes, so, dass man in der Begegnung mit ihm die Herrlichkeit Gottes erfahren konnte.
Und als Jesus nach seiner Auferstehung in das Reich Gottes aufgenommen wurde, da sagte er noch zu seinen Jüngern: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.” (Mt 28, 20b)
Mitten unter uns. Er ist da.
Doch dann begann das Gleiche wie damals im Volk Israel: es wurde ein Denkmal errichtet.
Anfangs noch war der Fisch das Erkennungszeichen der Christen, dessen einzelne Buchstaben im Griechischen die Anfangsbuchstaben der Wortfolge „Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter” bildeten. Das war ein Bekenntnis, mit dem man sich zu erkennen, aber auch preis gab.
Die Gemeinde lebte im Verborgenen, getrieben und geführt vom Heiligen Geist, der ihnen immer wieder Mut zum Bekenntnis schenkte, auch auf die Gefahr hin, dass sie gefangen genommen und im schlimmsten Fall gefoltert und getötet werden würden.
Der Fisch war noch kein in Stein gehauenes Denkmal, auch wenn er auf manchen Grabplatten der ersten Jahrzehnte der Christenheit zu finden ist.
Er blieb Bekenntnis, denn sie alle vertrauten darauf: Jesus Christus ist da, mitten unter ihnen.
Doch dann kam das Kreuz als neues Symbol ins Spiel. Kaiser Konstantin sah es in einem Traum als Zeichen des Sieges über seine Widersacher, und weil er unter diesem Zeichen den Sieg errang, wurde fortan das Kreuz zum Symbol der Christenheit. Es erinnert uns an die Wundertaten Gottes ? und versteinert diese Erinnerung.
Teils sehr schöne Kunstwerke wurden da geschaffen, aber sie sind nicht Gott, sie können die Nähe Gottes nicht bewirken. Und darum ging es den Christen genauso wie dem Volk Israel damals: sie entfernten sich von Gott.
Kreuzzüge, Kriege gegeneinander, Machtmissbrauch unter dem Zeichen des Kreuzes ? alles war da. Auch das „Gott mit uns” stand auf den Gürtelschnallen der Soldaten des zweiten Weltkrieges und war der Leitspruch des preußischen Königshauses seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts. War es frommer Wunsch oder eine Feststellung?
Man kann sich jedenfalls erinnert fühlen an die muslimischen Terroristen, die in ganz ähnlicher Weise Gott für sich in Anspruch nehmen, obwohl sie bei dem, was sie tun, wohl kaum weiter entfernt von Gott sein können.
Es gibt nur einen, wenn auch geringen, Unterschied: Dort wurde unter diesem Leitspruch Krieg geführt, hier wird Terror verbreitet.
Jesus Christus wollte nichts von beidem. Er forderte seine Jünger vielmehr zur Feindesliebe auf. „Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen.” (Lk 6, 27b; ähnlich Mt 5, 13b)
Kann man das denn? Es scheint nahezu unmöglich, gerade auch angesichts des Terrors, den wir jüngst erlebten. Muss man da nicht zurück schlagen?
Wenn wir auf Jesu Worte hören, ist die klare Antwort ein „Nein”. Denn Gewalt erzeugt wieder Gewalt.
Das ist aber kein Naturgesetz. Man kann diesen Kreislauf durchbrechen, indem man sich selbst dafür entscheidet, den Weg Jesu zu gehen und auf Gewalt zu verzichten.
Merkwürdigerweise musste es uns ein Hindu vormachen, dass Gewaltlosigkeit durchaus überwältigend sein kann: Mahatma Gandhi hat dadurch immerhin die Unabhängigkeit Indiens herbeigeführt.
Denn Gewaltlosigkeit ist nicht nur ein passives Hände-In-Den-Schoß-Legen. Sie macht vielmehr dem Gegenüber bewusst, dass er Unrecht tut. Und das wiederum bringt einen Prozess in Gang, der zum Frieden führt und zur Freiheit.
Dabei ist eins gewiss: Wer gewaltlos handelt, der wird auch erfahren, dass Gott bei ihm ist, denn er verlässt sich ja in erster Linie auf die Kraft Gottes und Sein Handeln.
Er benutzt Gott nicht als Kulturgut, sondern er vertraut auf das Handeln Gottes. Und dabei rechnet er auch damit, dass Gott durchaus andere Wege gehen kann, als wir es uns vorstellen oder vielleicht auch wünschen.
Denn Gottes Wege sind unergründlich. Wir können seine Gedanken nicht kennen und manches Mal auch nicht verstehen. Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass es gute Wege sind, Wege, die zu Frieden und Freiheit führen, Freiheit in der Gegenwart Gottes.
Gott ist in unserer Mitte ? das dürfen wir auch heute erleben. Aber sobald wir Gott instrumentalisieren, sobald wir ihn zum Denkmal machen oder zu einem Kulturgut, wie es die Organisation Pegida gerne möchte, entfernen wir uns von Gott, denn dann versuchen wir, Gott nach unseren Vorstellungen und Wünschen zu gebrauchen.
Aber Gott lässt sich nicht gebrauchen. Er ist kein Instrument in unseren Händen. Er ist souverän, er handelt auf seine Weise. Und dieses Handeln wird nun mal sichtbar am Kreuz, das aber nicht als Denkmal, sondern als Zeichen der Sühne und Vergebung verstanden sein will: das Kreuz, an dem die Schuld der Menschheit gesühnt wurde, damit wir erleben können: Gott ist mitten unter uns.
Amen


Liedvorschläge:

Heut singt die liebe Christenheit (EG 143)
Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten (EG 165)
Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324)
Wunderbarer König, Herrscher von uns allen (EG 327)
Großer Gott, wir loben dich (EG 331)

Zuletzt überarbeitet: 27 Oktober 2018
© Copyright 1998-2018 by Martin Senftleben

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