das Kirchenjahr

14. Sonntag nach Trinitatis

Kinder Gottes

Predigtanregung

Der 14. Sonntag nach Trinitatis redet von der heilenden Kraft Gottes. Das Thema dieses Sonntags ist diesmal von der Epistel her abgeleitet. Die anderen Texte haben wenig mit dem Thema zu tun. Es wird schwierig sein, die Thematik durchzuziehen, man sollte es aber versuchen. Von daher ist eine Vertiefung in die Epistel bei der Studie des aktuellen Predigttextes ratsam.

Klicken Sie hier für die Anregungen für alle Predigtreihen (soweit vorhanden)

I - 1. Mose 28, 10-19a(19b-22) (= Gen 28, 10-19a(19b-22))

Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran 11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen. 12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. 13 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. 15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.
16 Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! 17 Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. 18 Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf 19 und nannte die Stätte Bethel; vorher aber hieß die Stadt Lus. 20 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen 21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein. 22 Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.

Diese Erzählung ist recht vertraut, sie gehört zum Kindergottesdienst-Repertoir. Darum kann man sicher mal etwas auf die Merkwürdigkeiten eingehen, die sich darin finden.
Jakob bettet seinen Kopf auf einen Stein - nichts Außergewöhnliches für diese Gegend und Zeit, wohl aber für uns. Kein Wunder, mag man denken, dass Jakob einen leichten Schlaf hatte und darum von Träumen heimgesucht wurde. Aber der Traum ist dann doch etwas Besonderes.
Beachtenswert ist sicherlich die Vision, die Jakob in seinem Traum hat. Eine Himmelsleiter, an der Engel auf und ab gehen, und oben steht (oder sitzt?) Gott. Eine naive, kindliche Gottesvorstellung, von der wir uns nicht hinreißen lassen sollten, denn Gott kann mit unseren Sinnen ja gar nicht er-/begriffen werden. Aber es ist durchaus denkbar, dass er Wege sucht, sich unserem Vorstellungsvermögen anzupassen und so in unsere Realität einzudringen. Nur: wie stellen wir uns heute Gott vor? Kann man da Parallelen ziehen? Würde Gott sich auch unseren Vorstellungen anpassen?
Entscheidend ist sicher, was Gott zu Jakob sagt. Darum geht es jedenfalls für den Autoren dieser Geschichte. Gott verheißt das Land, auf dem Jakob schläft, ihm zum Eigentum. Hier sollen seine Nachkommen siedeln und leben. Dazu die Zusage, dass Gott Jakob nicht verlassen wird, bis alles erfüllt ist. Jakob -> Israel, das Volk Gottes, kriegt hier sein Land von Gott zugeteilt.
Es wäre ratsam, das Wort HERR, wie in der Lutherbibel für das "Tetragramm", die Konsonanten des Gottesnamens JHWH, geschrieben wurde, mit einem angemessenen Namen und nicht mit dem Begriff "Herr" zu belegen, denn in dem Wort "Herr" steckt für den Hörer eine ganz andere Bedeutung, als wenn hier ein Name genannt würde. Gott identifiziert sich ja ganz eindeutig vor Jakob, und diese Identifizierung sollte für uns auch möglich sein. Angemessen und genügend respektvoll vor der jüdischen Tradition scheint mir das hebräische Wort "Adonai", das zwar übersetzt auch "Herr" bedeutet, aber uns eindeutig genug ist, um als Name für den Gott Abrahams verwendet werden zu können. Wenn nun also für HERR das Wort "Adonai" gelesen wird, hört der Leser sofort, dass sich Gott hier eindeutig benennt und nicht seine Allmacht präsentieren will.
Die Reaktion Jakobs auf diesen Traum entspricht seinem Erkenntnisstand. Er erwacht und sieht nur ödes Land um sich her, aber die Welt, die er im Traum gesehen hat und die nun fort ist, ist für ihn auch jetzt noch ganz real. Hier ist Gottes Wohnung, hier muss er einen Altar bauen. Und er gibt der Stätte den Namen "Beth-El", d.h. "Haus Gottes", obgleich er ja in keinem Haus ist. Vielleicht führt diese Geschichte unsere Vorstellung von Kirchengebäuden als "Gotteshäuser" ad absurdum - es wäre sicherlich gut, sich daran zu erinnern, dass sich Gott nicht in ein Haus einzwängen lässt, sondern dass die Erde nur der Schemel seiner Füße ist.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang hilft uns, den roten Faden für die Predigt zu finden. Es geht um die "Kinder Gottes", und damit ist in dieser Geschichte zweifellos das Volk Israel gemeint, das Gott sich zum Erben erwählt hat. Aber auch wir sind Kinder Gottes, und den Hörern der Predigt soll diese Tatsache neu vermittelt werden. Es fällt schwer, einfach zu folgern, dass Gott so, wie er Jakob treu blieb, auch uns treu bleiben wird - die Geschichte des Volkes Israel lehrt uns, dass mit einer solchen Zusage niemandem Grund zur Zuversicht gegeben wäre. Und doch ist es der Glaube, dass Gott uns nicht im Stich lässt, der uns hindurchträgt durch die dunkelsten Nächte unseres Lebens. Auch Israel kennt die Klage: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!?" Und dennoch hat dieses Volk seinen Glauben nie aufgegeben. So ist es vielleicht doch nicht verkehrt, sich auf diese Zusage Gottes zu berufen - denn wir sind auf einem Weg, der uns zu unserem Vater führt.

Liedvorschläge:

Jauchzet, ihr Himmel (EG 41)
Gott, aller Schöpfung heilger Herr (EG 142)
Gott ist gegenwärtig (EG 165)
Ich heb mein Augen sehnlich auf (EG 296)
Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
In allen meinen Taten (EG 368)



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