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Predigtvorschläge zu Offb 1, 9-18 (IV)
Lied: Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69, 1-4)
Es ist dunkel, ja so dunkel, dass man buchstäblich die Hand
vor den Augen nicht erkennen kann. Kein Dämmerlicht, an das sich die Augen
gewöhnen könnten. Pechschwarz ist es.
Wo es dunkel ist, da ist es auch kalt. Die Kälte kriecht an einem hoch, man
spürt sie deutlich an den Zehen, dann an den Fingerspitzen. Ich fröstele.
Die Dunkelheit macht mir Angst. Wo ist der Ort, zu dem ich mich zurückziehen
kann? Wo finde ich Schutz? Im Dunkeln erkenne ich nichts. Ich weiß nicht,
ob ich vorwärts, nach rechts oder links, oder gar zurück gehen muss,
um einen sicheren Ort zu finden. Vielleicht ist es am Besten, sich hinzukauern und
zu warten, bis es hell wird.
So sitze ich einige Minuten. Aber schon kommen die ersten Zweifel: was, wenn ich
hier auf dem Pfad eines wilden Tieres hocke? Es wird kommen und mich zerreißen.
Was, wenn an diesem Ort Räuber vorbeiziehen? Sie werden mich überfallen
und ausrauben, vielleicht sogar erschlagen. Die Angst wird stärker. Einschlafen
kann ich jedenfalls nicht. Ich stehe auf, gehe etwas zur Seite - vielleicht findet
sich so ein sicherer Ort? Doch der Fuß stößt gegen etwas hartes,
vielleicht einen Stein. Es geht nicht weiter.
Die Angst wächst weiter, umkrampft mein Herz. Die Dunkelheit weicht nicht.
Langsam drehe ich mich um, vorsichtig, nur nicht von der Stelle bewegen. Ist irgendwo
ein bißchen Licht zu erkennen? nichts, nicht der kleinste Funke, kein Lichtstrahl,
keine Dämmerung. Wo bin ich? Bin ich in einer Höhle? Stehe ich auf einem
weiten Feld? Ist es nur dunkle Nacht, oder wird diese Finsternis ewig dauern? Vorsichtig
strecke ich die Hände aus, aber da ist nichts... nur kalte Luft. Einen Schritt
vorwärts... noch einen... langsam geht es voran, bis mein Fuß wieder
gegen ein Hindernis stößt. Die Hände tasten ins Leere. Ich hebe
den Fuß an, es ist so etwas wie eine Stufe. Der nächste Schritt aber
geht ins Leere. Ich falle, nur kurz, dann setzt der Fuß auf. Ich strauchele,
fast wäre ich hingefallen. Ich kauere mich wieder zusammen. Der Schreck sitzt
in den Gliedern. Was, wenn ich kurz vor einem gähnenden Abgrund stehe? Ich
beschließe, keinen Schritt mehr weiterzugehen, bis es wieder hell wird. Aber...
wann wird es hell?
Die Gedanken gehen wirr durcheinander. Ich erinnere mich an vieles, was in meinem
Leben geschehen ist. Immer wieder drängen sich Ereignisse in das Bewusstsein,
in denen ich versagt habe. Weil ich etwas versäumt hatte. Weil ich jemanden
beleidigt hatte. Weil ich andere verletzt hatte, manchmal sogar ganz bewusst. Weil
ich nicht um Verzeihung bat. Ich weiß: ich habe Unrecht getan. Ich wollte
das nicht. Und wenn ich es damals wollte, so bereue ich es jetzt doch. Nur: wie
kann ich es jetzt wieder gutmachen? Kann ich es überhaupt wieder gutmachen?
In der Dunkelheit ist es unmöglich. Ich weiß ja nicht, wohin! Hätte
ich doch etwas getan, als es noch hell war. Als mich diese endlose, ewige Finsternis
noch nicht umschlossen hatte.
Lassen Sie uns nun aus dem Lied Nr. 56 die Strophen 1 und 2 singen.
Gem.: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen (EG 56, 1-2)
Was ist das? Ein Lichtstrahl - dort hinten, so wie durch ein Loch in einer schwarzen
Leinwand. Das Licht blendet mich. Der Strahl ist fein gebündelt, er trifft
auf den Boden, nicht weit von hier. Aber wenn ich dorthin schaue, erkenne ich nichts.
Das Licht fällt auf schwarzen Grund. Um mich herum ist es immer noch dunkel.
Der Lichtstrahl kann die Umgebung nicht erhellen. Ob ich einen Schritt darauf zugehen
kann? Oder ist zwischen dem Lichtstrahl und mir vielleicht doch eine Kluft, in die
ich hineinstürzen werde, wenn ich es wage? Vorsichtig schiebt sich ein Fuß
vorwärts, tastend. Nun der andere Fuß. Langsam nähere ich mich dem
Punkt, auf den das Licht fällt. Aber was ist das? Der Lichtpunkt entfernt sich
von mir, langsam. Er ist wieder genauso weit weg von mir wie zuvor, als ich ihn
das erste Mal erblickte. Starr stehe ich an meinem Platz. Er darf nicht wieder verschwinden.
Das Licht ist das einzige, an dem ich mich orientieren kann!
Der Lichtstrahl rührt sich nicht. Ich mache wieder einen Schritt vorwärts,
langsam... Der Lichtstrahl entfernt sich wieder, nachdem ich ihm kurz ein kleines
Stück näher gekommen war. Kann es sein... Kann es sein, dass dieses Licht
mich aus der Finsternis herausführen will? Vorsichtig bewege ich mich einen
weiteren Schritt vorwärts. Tatsächlich, das Licht bewegt sich weiter,
als wolle es mich führen. Erleichterung breitet sich aus, Hoffnung: Bald bin
ich aus dieser Finsternis raus! Bald wieder im Licht! Aber noch sind Schritte zu
tun. Noch bin ich nicht dort. Wer weiß, was mir auf meinem Weg durch diese
Dunkelheit noch begegnen wird. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich wieder vorwärts
komme. So setze ich einen Fuß vor den anderen, immer noch vorsichtig, aber
immer zuversichtlicher. Ich glaube, Herr - hilf meinem Unglauben.
Lassen Sie uns nun das Lied Nr. 596 singen: Ich möchte Glauben haben.
Gem.: Ich möchte Glauben haben (EG 596, 1-4)
Gleißendes Licht umgibt mich. Wo bin ich hier? Es ist so wunderbar, in
dieser Helligkeit, nachdem ich so lange in tiefster Nacht gewesen bin. Aber erkennen
kann ich nicht viel - die Augen müssen sich erst an das gleißende Licht
gewöhnen. Ich kneife die Augen zusammen, blinzele nur, bis Ich langsam die
Umrisse von Gestalten, die neben und hinter mir stehen, erkennen kann. Denn hier
ist es nicht ganz so hell. Das Licht kommt von vorne, direkt vor mir. Dort scheint
eine große Gestalt zu sein, die sich gewaltig über alles erhebt. Muss
ich mich vor ihr fürchten? Geht von ihr eine Bedrohung aus? Ich verspüre
keine Furcht. Ich habe keine Angst. Denn ich weiß, dass von dieser Gestalt
das Licht ausging, das mich aus der Finsternis herausgeführt hat. Also muss
diese Lichtquelle mir wohlgesonnen sein. Am liebsten würde ich auf sie zugehen,
aber dafür ist es doch zu hell. Die Augen haben sich noch immer nicht an dieses
strahlende Licht gewöhnt.
Um mich herum ist es wie Musik. Ich freue mich und singe mit! Und langsam erkenne
ich immer mehr: vor mir erhebt sich ein Kreuz, das sich immer deutlicher abzeichnet.
Merkwürdig, denn an diesem Kreuz ist die Quelle des Lichtes. Von dort strahlt
es hell zu mir. Und ich höre von dort eine Stimme: Fürchte dich nicht.
Ich habe dich zu mir geführt. Durch dieses Kreuz bist du erlöst - alle
deine Schuld ist von dir genommen. Denn ich habe es vollbracht: ich bin durch den
Tod hindurchgegangen - ich habe das Leben errungen - für dich.
... Ich verneige mich - aus Dankbarkeit, und schaue noch einmal auf. Der dort am
Kreuz hat meine Seele aus der Finsternis gerettet. Ich verspüre Frieden und
Ruhe. Geborgenheit umgibt mich. Es herrscht keine Angst mehr. Mir ist vergeben.
Ich spüre die Liebe dessen, der sich für mich geopfert hat. Mit dieser
Liebe will ich leben - ich will sie weitergeben und so Frieden und Versöhnung
bewirken.
So schreibt Johannes in der Offenbarung:
Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich
und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes
Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag
des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune,
die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden:
nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes
und nach Philadelphia und nach Laodizea.
Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich
mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen,
der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet
um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß
wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und
seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie
großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand,
und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht
leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. Und als ich ihn sah, fiel ich zu
seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach
zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel
des Todes und der Hölle.
Amen
Lied: Herzlich tut mich erfreuen (EG 148, 1-3.9) Liedvorschläge zur Predigt: *Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69) O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72) *Herzlich tut mich erfreuen (EG 148)
O Christe, Morgensterne (EG 158) Wie herrlich gibst du, Herr, dich zu erkennen (EG 271, 1.6-8) Christus, das Licht der Welt (EG 410)
Gotts Wort, du bist der Morgenstern (EG 442, 4-9)
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