Der letzte Sonntag nach Epiphanias
steht heraus schon deswegen, weil er immer gefeiert wird, während die
anderen, vor ihm liegenden Proprien der Epiphaniaszeit u.U. wegfallen, je nach
Länge der Epiphaniaszeit. Wichtiger ist allerdings das Thema dieses
Sonntages. Es stellt die Verbindung her mit Traditionen anderer Kirchen, die am
Epiphaniasfest die Verklärung Jesu feierten. In der Verklärung wird
Jesus, während er noch auf Erden weilt, für eine kurze Zeit den
Jüngern gegenüber in seiner Herrlichkeit als der Sohn Gottes
dargestellt. Es ist dies das einzige Mal, wo die Jünger die Nähe des
Himmels durch Jesus physisch erfahren, und es begeistert sie so, dass sie
darin bleiben wollen. Die Erzählung endet jedoch damit, dass es
zurück in diese Welt geht, in der die Jünger zwar nun hoffen
können, aber doch auch wieder der Not und dem Elend ausgesetzt sind. So
stellt der letzte Sonntag nach Epiphanias die Verbindung her zwischen der
Herrlichkeit des Sohnes Gottes und seinem Tod, durch den die Erlösung der
Menschheit erwirkt wird dadurch, dass er selbst eben nicht von seiner
Gottessohnschaft Gebrauch macht, sondern sich als Mensch opfert. V - Joh 12, 34-36 (37-41)Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann:
Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? 35 Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das
Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in
der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. 36 Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder
des Lichtes werdet. Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen.
37 Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn, 38 damit
erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte (Jesaja 53,1): "Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und
wem ist der Arm des Herrn offenbart?" 39 Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesagt
(Jesaja 6,9.10): "40 Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, damit sie nicht etwa mit den Augen
sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe." 41 Das hat Jesaja gesagt,
weil er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm. Die eingeklammerten Verse 37-41 sind für die
Predigt nicht notwendig, wohl aber für die Vorbereitung. Es schadet nicht,
sie mit einzubeziehen und auch vorzutragen. Der Dialog zwischen dem Volk
(!) und Jesus spielt sich auf dem Hintergrund jüdischer Tradition ab. Der
Messias (=Christus) soll in Ewigkeit unter dem Volk bleiben, er soll ja das
neue Königreich Israel errichten und erhalten (es soll hier wohl Ps 110
als Grundlage dienen; es handelt sich aber um allgemeines Gedankengut der
damaligen Zeit). Die Frage, die das Volk dann aber stellt, steht in krassem
Gegensatz zu dem, was vorher von Jesus selbst gesagt wurde: er sprach nicht vom
"Menschensohn", sondern von sich selbst ("wenn ich erhöht werde", Vers
32). Daher ist gerade die Frage, wer dieser Menschensohn sei, eigentlich
absurd. Und interessanterweise geht Jesus dann ja auch nicht auf diese Frage
ein, sondern einzig auf die Frage, warum der Menschensohn erhöht werden
müsse. Dabei antwortet er aber nur indirekt: 'ihr habt das Licht noch eine
kleine Zeit bei euch. ...Glaubt an das Licht...' Es ist schwer vorstellbar,
dass Johannes, der sein Evangelium mit großer Sorgfalt geschrieben hat,
diese Diskrepanz aus Versehen so stehen ließ, weil er sie nicht bemerkte,
als er den Text, der ihm dann schon vorgelegen haben musste, in sein Evangelium
einfügte. Der Sinn wird deutlich, wenn man noch etwas weiter
zurückgeht. In Vers 23 leitet Jesus die folgende Rede ein mit "Die Zeit
ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde." In Vers 32
identifiviert er sich dann mit dem Menschensohn. Also ist die Frage des Volkes
eine Frage des Zweifels. Während er als der Messias angesehen wurde, nun
aber von sich als dem Menschensohn redet, der erhöht werden muss, fragt
sich das Volk nun natürlich: ist er der Messias? Und darum auch die Frage:
Wer ist der Menschensohn? Denn wenn Jesus tatsächlich der Menschensohn
ist, dann stimmt entweder ihre Vorstellung vom Messias nicht, oder Jesus ist
nicht der Messias. Dass Jesus nicht auf die Frage eingeht, mag daran
liegen, dass er es für müßig hält, auf den Zweifel zu
reagieren. Es ist eben nur noch eine kleine Zeit, dass er unter ihnen weilt,
und diese Zeit sollten sie vielmehr ausnutzen, anstatt sich mit Zweifeln zu
plagen. Dies ist wohl auch der Gedanke, der in der Predigt zum Klingen kommen
sollte. Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird
allerdings nicht ohne Weiteres ersichtlich. Die Verklärung wird nicht
angesprochen, wohl aber Jesu Erhöhung, wenn er gekreuzigt wird (das Kreuz
gewissermaßen als Thron) und dann schließlich zur Rechten Gottes
sitzen wird. Die Verklärung bedeutet ja, dass etwas von Jesu Gottheit
sichtbar wird unter uns. Dies finden wir in dem Text nur dort, wo Jesus von
sich als dem Licht redet, das alles erleuchtet. Problematisch für die
Predigt ist sicherlich, dass Jesus hier davon redet, dass er leibhaftig unter
den Menschen ist und dies ausgenutzt werden solle. Wir leben nun in der Zeit
nach seinem Wandel auf Erden, und diese Rede muss übertragen werden. Es
ist zwar möglich, zu sagen, dass auch heute das Licht unter uns ist, aber
zu oft scheint es das auch nicht zu sein. Es ist also keine Tatsache, die wir
so ohne Weiteres voraussetzen können. Es ist vielmehr ein Akt des Glaubens
geworden. Die Gegenwart des Lichtes erfahren wir daher besonders im Abendmahl
oder schlicht im Gottesdienst. Vielleicht lässt sich dies in der
Predigt verarbeiten. Es trifft nur eben nicht zu, dass wir Jesus nur eine
kleine Zeit unter uns haben - im Grunde, in dem Sinn dieser Worte, haben wir
ihn gar nicht mehr unter uns. Dafür ist er auf andere Weise mit uns.
Kinder des Lichtes können wir werden, indem wir daran glauben, seine
Existenz also voraussetzen, auch wenn wir es nicht wahrnehmen. Die Predigt
sollte versuchen, deutlich zu machen, wo das Licht unter uns zum Scheinen
kommt, und Mut machen, dieses Licht anzunehmen und daran zu glauben. Liedvorschläge zur Predigt:Lass dich erleuchten, meine Seele (EG 40, 2-5) *Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67) O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
*Sonne der Gerechtigkeit (EG 262) Wohl denen, die da wandeln (EG 295) *Herr Jesu, Gnadensonne (EG 404)
Christus, das Licht der Welt (EG 410) Es wird sein in den letzten Tagen (EG 426)
Die Anregungen für alle Predigtreihen
Buchempfehlungen: NEU! Lesepredigten für alle Sonn- und Feiertage im Kirchenjahr. Band 2: vom Ersten Advent bis zum Sonntag Exaudi v. Hans-Gerd Krabbe. Vandenhoeck & Ruprecht 2010, 175 S. - 1. Auflage. Der Band enthält Predigtvorschläge zu wichtigen Texten und Themen der jeweiligen Kirchenjahreszeit klar in Sprache wie in
Aussage. Die Lesepredigten sind praktisch erprobt und können direkt eingesetzt werden. Hans-Gerd Krabbes Predigten rütteln wach; sie
betonen das Lebensnotwendige, Lebensbejahende und Beglückende am christlichen Glauben. Sie machen den Prediger zum
"Menschenfischer" im Dienst Jesu Christi, der sich nicht aufdrängt, aber einlädt: "Kommt her zu mir, alle,
die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." Der Band berücksichtigt außer den Sonntagen u.a. auch
Gründonnerstag und Himmelfahrt.
Fürbittgebete für alle Gottesdienste im Kirchenjahr. Reihe Dienst am Wort Band 130 - Band 1: Advent bis Pfingsten v. Klaus von Mering. Vandenhoeck & Ruprecht 2010, 176 S. - 1. Auflage. Durch eine bildreiche Sprache, die unsere Lebenswelt entstammt, möchte von Mering wieder meditative Ruhe in
das gottesdienstliche Beten bringen. Er bietet eine überraschende Formenvielfalt und zahlreiche, auch musikalische Gebetsrufe an.
Diese Fürbittgebete für alle Gottesdienste in der Zeit von Advent bis Pfinsten verfolgen ein doppeltes Ziel: Sie wollen durch eine
bildreiche und an unserer Lebenswelt orientierten Sprache das Zuhören und Mitbeten erleichtern.
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