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Kantate
Die singende Gemeinde - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete

Der Name des Sonntags Kantate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon ab: Cantate Domino canticum novum, quia mirabilia fecit!. (Ps 98, 1a; deutsch s. Antiphon).
Der Sonntag Kantate ist der Singesonntag, was allerdings nicht durch das Evangelium deutlich wird. Andere Perikopen gehen schon eher auf die singende Antwort der Gemeinde auf Gottes Taten ein, d.h. sie berichten vom Lobpreis der Gemeinde. Der Sonntag Kantate befasst sich, so wie schon der Sonntag Jubilate, mit einer Form der Antwort der Gemeinde, was im Gottesdienst dann auch zum Tragen kommen soll.

Zu den Perikopen

  1. Mt 11, 25-30
    Rev. 2014: 1. Sam 16, 14-23

    Dieser Predigttext kann Kopfschmerzen bereiten, denn er vereint zwei scheinbar völlig voneinander unabhängige Aussagen:
    1. Die Kenntnis vom Heilsgeschehen ist nicht den Weisen und Klugen, sondern den Unmündigen offenbart (s. 1. Kor 1)
    2. Nachfolge bedeutet, sein Joch auf sich zu nehmen und in Demut und Sanftmut zu leben
    Dazu kommt, dass beide Aussagen nicht in unsere Erfahrungswelt hineinpassen. Der ersten Aussage widerspricht die Tatsache, dass auch Weise und Kluge, also Intellektuelle, an Jesus Christus glauben und das Heil, das Gott durch ihn wirken lässt, für sich annehmen. Nur wenn man diesen Text von 1. Kor 1 her beleuchten würde, käme man vielleicht auf die Idee, hier etwas reinzulesen wie "Wer nicht wird wie die Kinder..." - wer also nicht seine Intelligenz und seine Erfahrung in den Hintergrund stellt und sich ganz naiv der Sache nähert, kann also auch nicht ins Himmelreich kommen.
    Der zweiten Aussage widerspricht die Tatsache, dass Demut und Sanftmut offenbar nur Verlierer hervorbringt. In unserer vom Erfolgszwang geprägten Gesellschaft kommt man mit Demut und Sanftmut nicht weit. Sein Päckchen zu tragen ist wohl jeder bereit, aber oft nur, weil man damit auch ein gutes Stück voran kommt, weil man den anderen beweist, dass man zu was in der Lage ist.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wirft noch mehr Probleme auf. Was hat dieser Text mit Kantate, mit der singenden Gemeinde, mit Lobgesang zu tun? Vielleicht, dass Jesu einleitende Worte als Lobgesang zu verstehen sind, aber dann ist es Jesus, der "singt", und nicht die Gemeinde, deren auf Gottes Heilstat antwortendes Lob an diesem Sonntag im Mittelpunkt stehen soll. Der Text bietet nichts derartiges an.
    Man könnte aber aus diesem eigentlich nicht bestehenden Zusammenhang heraus wenigstens den Schwerpunkt der Predigt ableiten. Da die Worte Jesu selbst nicht der Lobpreis der Gemeinde sein können, dann doch eigentlich nur die Antwort der Gemeinde auf diese Worte. Und da wäre nur der zweite Teil des Predigttextes relevant, der die Art und Weise eines Christenlebens beschreibt. Mit einem solchen Leben lässt sich allerdings ein Loblied anstimmen. Die Sache ist nur die: Demut darf nicht mit Duckmäusertum, Sanftmut nicht mit Kleinmut verwechselt werden. Die Demut, von der Jesus redet, ist Demut vor Gott. Der Sanftmut ist der friedfertige Versuch, Konflikte zu lösen.

  2. Kol 3, 12-17
    Offb 15, 2-4 (s. Reihe VI)

    Paulus verwendet ein schönes, brauchbares Bild, auch wenn man natürlich kritisch anmerken könnte, dass man Kleidung auch jederzeit ausziehen kann. Sie ist nicht wie eine zweite Haut mit einem Menschen fest verbunden. Man wechselt sie vielmehr nach Belieben, passend zur Situation, oder nach Notwendigkeit. Aber mit dieser Kritik überfrachtet man das Bild, denn natürlich geht ja Paulus auch nicht davon aus, dass man sich Socken, Unterwäsche, Hose und Hemd oder Bluse und Kleid anzieht, sondern er hat den Umhang im Blick, den Kaftan, das einzige Kleidungsstück der damaligen Zeit. Und so schlägt er vor, sich einen nach dem anderen überzuwerfen, natürlich nur symbolisch - es würde ja doch viel zu warm werden.
    Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld - die wichtigsten Eigenschaften im Umgang miteinander. Einander ertragen, und nicht nur das, sondern auch einander vergeben. Zusammengebunden werden all diese Eigenschaften mit der Liebe. Man fragt sich unweigerlich, ob man diese Eigenschaften so einfach anziehen kann, besonders wenn es um die Liebe geht, über die man nicht so einfach verfügen kann. Es dürfte aber dem leichter fallen, die Liebe an zu ziehen, der die Liebe Gottes bereits am eigenen Leib erfahren hat. Paulus schreibt auch vom Frieden Christi, der unsere Herzen regieren soll. Dieser Friede kann nur von Christus her kommen. Aber wer diesen Frieden erfährt, muss doch zwangsläufig all das ablegen, das Streit und Hass verursacht.
    Letztlich aber wird der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang hergestellt durch den Vers 16, indem zum gemeinsamen Singen zum Lobe Gottes aufgefordert wird. Und gewiss ist es so, dass auch das gemeinsame Singen mit dazu beiträgt, dass die Gemeinde miteinander in Frieden und Vollkommenheit lebt, ohne Streit oder Missgunst oder gar Hass.
    Letztlich beschreibt Paulus in diesem Abschnitt den Weg zum Gottesdienst genauso wie die Frucht des Gottesdienstes. Denn wer auf das Wort Gottes hört und die darin anklingende Ermahnung annimmt, wird auch im Alltag danach handeln. Wer sich aber dem Gottesdienst entzieht, vergisst mit der Zeit, was es bedeutet, als Christ zu leben.
    Es wird schwierig sein, diesen Gedanken zu verdeutlichen, denn letztlich stellt der Prediger damit sich selbst in den Mittelpunkt der Gemeinde, was heutzutage immer weniger gewünscht wird. Und doch ist es ja der Pfarrer, der diese Aufgabe hat, der Gemeinde das Wort so zu vermitteln, dass sie eine Leitlinie für ihr gemeinsames Leben und Wirken vor Augen hat.

  3. Mt 21, 14-17 (18-22)
    Rev. 2014: Apg 16, 23-34 (s. Reihe IV)

    Es ist wohl kaum angebracht, die eingeklammert zur Wahl gestellten Verse mit in die Predigt einzubeziehen, denn sie stehen in keinem Zusammenhang mit den Versen 14-17. Auch vom sonntäglichen Thema her eignen sich die Verse 14-17 eher als die Verse 18-22, die den Glauben reflektieren. Ich werde daher im Folgenden nur auf den Abschnitt 14-17 eingehen.
    Fast nebensächlich wird erwähnt, dass Jesus Wunder vollbringt, denn es geht hier weniger darum, dass er dies tut, als vielmehr um die Reaktion der "Hohenpriester und Schriftgelehrten". Diese nehmen Ärgernis. Obgleich Matthäus gerne möchte, dass sie sich auch über die Wunder ärgern, gehe ich mal davon aus, dass der eigentliche Stein des Anstoßes das Rufen der Kinder ist, die im Tempelvorhof den Ruf, der allein dem Messias gebührt, immer und immer wieder ausrufen: "Hosianna dem Sohne Davids!". Daher sprechen sie Jesus an, denn er muss ja wissen, dass dies nicht geschehen darf, solange der Messias nicht da ist. Jesus antwortet lapidar mit einem Psalmvers, wodurch er sich auch indirekt Gott gleichstellt. Was für eine Anmaßung!
    Wie die Hohenpriester und Schriftgelehrten sich in jenem Moment gefühlt haben müssen, ist kaum nachzuvollziehen. Schlimmer noch, dass Jesus ihnen keine Gelegenheit zur Diskussion gibt, sondern sich von ihnen abwendet. Jesus scheint ganz bewußt eine Front aufzubauen; zu welchem Zweck, wenn nicht um wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt zu werden?
    Im kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang muss man wohl davon ausgehen, dass die Freudenrufe der Kinder das Zentrum des Textes darstellen (auch wenn die Provokation der religiösen Führer durch Jesus wohl eher zentral ist). Das hat nichts mit Gesang zu tun, denn sie "schreien", aber es ist der Lobpreis der Gemeinde, der hier symbolisch vertreten ist. Kinder, die Unruhe machen, die sich nicht kümmern um die Heiligkeit des Ortes, die nicht nach der Richtigkeit ihrer Aussage fragen, die keinen Zweifel hegen. Kinder, die noch nicht verstehen, worum es geht, die sich absolut nicht um Gesetze kümmern, weil das die Erwachsenen für sie tun, die spontan handeln, ohne zu überlegen, was für Folgen es haben könnte... Kinder, die stören. Aber sie sind es, aus deren Mund Gott sein Lob bereitet!
    Unsere Gottesdienst sind oftmals starr, weil sie einer Ordnung folgen, in der kein Raum für Spontaneität zu sein scheint. Dabei schreibt die Agende längst nicht mehr den genauen Wortlaut jeder einzelnen Handlung fest, sondern bietet Variationen an und erlaubt auch, die jeweiligen Abschnitte mit eigenen Ideen umzusetzen. Der Predigttext öffnet Kindern den Zugang zum Gottesdienst, von der Perspektive der Erwachsenen aus. Es wird uns bewußt, dass Gott eben auch die Kinder in das Gotteslob mit einbeziehen will, und dies vielleicht sogar noch vor dem Gotteslob der Erwachsenen bevorzugt. Das kann uns beschämen, oder uns erfinderisch machen. Die Einbeziehung der Kinder in "Erwachsenengottesdienste" mag schwierig sein, aber es ist lohnenswert.

  4. Apg 16, 23-34
    Apg 16, (23-24) 25-34 (W)
    Rev. 2014: 2. Chr 5, 2-5(6-9)10(11)12-14

    Paulus und Silas in Gefangenschaft. Die Geschichte bietet viele Möglichkeiten der Auslegung, indem man sich auf einzelne Personen konzentriert: Paulus zusammen mit Silas stellen die Kraft des Glaubens vor: selbst im Gefängnis, in Ketten gelegt, loben und preisen sie Gott, wohl weil sie darin eine missionarische Gelegenheit sehen. Der Gefängniswärter, der zum Glauben findet angesichts des großen Wuinders. Man könnte vielleicht auch über die anderen, hier nicht erwähnten Gefängnisinsassen nachdenken.
    Die Geschichte ist eine von den Wundergeschichten, die sich in der Urkirche ereignen, nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Oft verleiten solche Geschichten zu einer Art Nostalgie: so müsste es doch auch heute sein. Warum geschehen solche Wunder nicht auch unter uns? Und über dieser Nostalgie werden dann all die Wunder missachtet, die sich auch heute in unseren Gemeinden ereignen. Kleine Wunder vielleicht, aber dennoch werden sie oft als Wunder erfahren: wenn es einem Menschen besser geht, der Wochen und Monate krank lag. Wenn eine Familie auf der Urlaubsreise in einen Unfall verwickelt wurde, aber alle unverletzt blieben; wenn Menschen, die jahrelang zerstritten waren, wieder zusammenfinden, usw. Jeder kann aus seiner Erfahrung sicherlich zu dieser Liste beisteuern. Aber diese Wunder sind meist nicht so spektakulär wie das, was in der Bibel geschildert wird, wobei man freilich die Frage zulassen muss, was nach wissenschaftlichem Standard der Wahrheit entspricht und was nicht.
    Aber diese Frage zu erörtern, wäre müßig, denn letztlich geht es hier wie in allen Wundererzählungen um ein Glaubensereignis, das sich wissenschaftlich sowieso nicht manifestieren lässt.
    Sicherlich ist es die Hinwendung des Gefängniswärters zu Gott, die im Mittelpunkt dieser Geschichte steht. Dass er sich "mit den Seinen sogleich taufen" lässt, ist ein Schritt, den heute so keiner mehr vollziehen würde: jeder hat sein individuelles Recht auf Entscheidung. Aber es wird hier deutlich, dass die Taufe nicht von einer Glaubenserfahrung und Glaubensentscheidung des Individuums abhängt. Wohl findet der Gefängniswärter zum Glauben, dies lässt sich aber nicht von seiner Familie sagen. Dennoch wird sie ohne Diskussion getauft.
    So interessant dieses Element der Geschichte ist, so wenig darf sie an diesem Tage im Mittelpunkt stehen. Denn der Sonntag hat ein anderes Thema: Die singende Gemeinde! Und zu diesem Thema passt eigentlich nur der Vers 25. Es ist der Lobpreis der Gefangenen, der letztlich das Wunder auslöst.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang der Perikope ist dadurch zwar nicht sehr stark, aber er ist erkenntlich. Die Wirkung des Lobpreises (man kann wohl davon ausgehen, dass Paulus und Silas sangen) ist vielfältig; auf jeden Fall hat er auf die anderen Gefangenen gewirkt. Man mag sich fragen, wie sie reagierten, denn es war ja schließlich Mitternacht. Es scheint jedenfalls, dass sie nicht verärgert waren. Vielleicht hat dieser Lobpreis, der vielen sicher vertraut war (es ist zumindest wahrscheinlich, dass es sich um Psalmen handelte) sie sogar beruhigt. Das Motiv des Lobpreises bleibt im Hintergrund. Darüber kann die Predigt spekulieren. Wichtig ist aber sicherlich der Aspekt, dass Paulus und Silas sich von dem Elend, in das sie geraten sind, nicht kleinkriegen lassen, sondern vielmehr Gott angesichts ihrer Situation noch zu preisen vermögen. Die Predigt sollte dies aufgreifen und dazu ermutigen, Gott zu danken und zu loben selbst dann, wenn es einem schlecht geht.

  5. Jes 12, 1-6
    (1. Mose 2, 1-4a [W] )
    Rev. 2014: Lk 19, 37-40 (Evangeliumslesung)

    Dieser nachexilische Heroldsruf blickt auch aus unserer Sicht in die Zukunft. Die Heilsbrunnen werden fließen, Israel wird verherrlicht durch das Handeln Gottes und vor die Völker, die Heiden, gestellt. Sicherlich kann man hier nachexilische Erfahrung erkennen, aber die Prophetie weist doch noch darüber hinaus. Denn Israel war ja seit dem Exil kein freies Land mehr.
    Wie immer ist die Anwendung solcher Prophetie in christlicher Predigt nicht unproblematisch. Dürfen wir uns solch einen Text überhaupt zu eigen machen, die wir doch selbst aus der Sicht Israels zu den Heiden gehören?
    Sehr bemerkenswert ist der 1. Vers: Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen über mich. Man muss diesen ersten Teilsatz so stehen lassen, denn die Auflösung durch den zweiten Teilsatz würde eine unangemessene Abflachung der Bedeutung dieses Textes darstellen. (Hier ist vielleicht ein warnender Hinweis auf die allzu gedankenlose Anwendung der "Guten Nachricht" als 'Bibelübersetzung' angebracht, denn es handelt sich hierbei ja um eine Übertragung, die beim Versuch, den biblischen Text verständlicher zu machen, oft auch den Sinn zumindest vereinfacht, wenn nicht gar verfälscht. Gerade dieser erste Vers zeigt die Sinnveränderung recht deutlich.) D.h. also, dieser erste Teilsatz kann nicht so gedeutet werden, dass der Dank eigentlich dem zweiten Teilsatz gilt, sondern tatsächlich wird hier dafür gedankt, dass Gott zornig gewesen ist. Der Dank gilt dann auch der Tatsache, dass Gott sich von seinem Zorn abgewendet hat, aber eben nur "auch"!
    Wie kann man Gott für seinen Zorn danken? In diesem Dank schwingt das Wissen mit, dass man dem, der über einen zornig ist, nicht gleichgültig ist. Der Zorn Gottes ist also als Liebesbeweis zu verstehen. Viel schlimmer wäre es ja, wenn es Gott egal wäre, was aus dem Volk Israel wird - eine Sichtweise, die viele Menschen heute annehmen, indem sie fragen, warum Gott das Leid und Elend in unserer Welt überhaupt zulässt. Aber kann es nicht sein, dass das Zulassen des Leids und Elends bereits eine Äußerung des Gotteszorns ist?
    Der Prophet sieht also in dem Zorn Gottes etwas Positives. Er ist der Beweis der Liebe Gottes, eine Hilfe, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Wir tendieren heute dazu, nicht mehr von Strafe Gottes zu reden, was sicher gut ist, denn sonst wird man sich leicht zum Richter erheben über seine Mitmenschen. Was aber durchaus denkbar wäre, ist, vom Zorn Gottes zu reden: Gott ist zornig darüber, dass die Menschheit ihr Potential missbraucht, und lässt sie darum in ihr Verderben rennen, er gibt sie ihrem Erzfeind, sich selbst, in die Hände.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang soll wohl aus dem 5. Vers begründet sein: Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen. Dieser herrliche Beweis steht eigentlich noch aus. Sicher kann man irgendein Ereignis aus der jüngeren Vergangenheit "ausgraben", denn in allem können wir den Beweis Gottes erkennen. Aber das, worauf der Prophet hinaus will, ist damit nicht angesprochen. Es wäre sicher denkbar, die Predigt vom 1. Vers her zu begründen, d.h. über den Zorn Gottes zu reden. Auch dafür können wir danken. Das Loblied, das wir singen, wenn es düster um uns herum wird, ist ja oft zugleich schon der erste Lichtstrahl in der Dunkelheit. So halte ich es für besser, darin den kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang zu suchen, dass das Lied selbst angesichts des Zornes Gottes noch und vielleicht gerade angemessen ist.

  6. Offb 15, 2-4
    Rev. 2014: Kol 3, 12-17 (Epistellesung - s. Reihe II)

    Die Offenbarung gibt uns meist Rätsel auf, und wer sie liest, neigt dazu, sie zu einem Orakelbuch zu degradieren. Dabei ist sie alles andere als das. Nur können wir mit den Bildern, die in ihr auftauchen, meist wenig anfangen. So kann es auch den Hörern dieser Perikope ergehen. Die Vorstellung vom gläsernen Meer, mit Feuer vermengt, ist für uns nicht nachvollziehbar. Eigentlich handelt es sich hier wohl um einen Vergleich: es sah gläsern aus, und zugleich leuchtete es wie Feuer, und es spannte sich unendlich weit aus, so wie das Meer.
    Es sind Menschen da an diesem "Meer", die "den Sieg behalten hatten über das Tier". Es ist wohl kaum nötig, herauszufinden, worum es sich bei dem Tier gehandelt haben mag; fest steht, dass es einige (viele?) Menschen daran gehindert hat, in die Nähe Gottes zu gelangen, und dass man kämpfen muss, um es zu überwinden und letztlich in die Gegenwart Gottes, an dieses "gläserne Meer", zu gelangen.
    Wieder merkwürdig erscheint die Erwähnung von "Gottes Harfen" - um was für Instrumente handelt es sich? Da sie von Gott stammen, also von ihm gemacht sind, kann man wohl erwarten, dass es perfekte Instrumente sind, die einen wunderschönen Klang haben. Sie singen zum Spiel dieser Harfen (wie man wohl vermuten kann) ein Loblied, das als Lied des Mose bezeichnet wird. Zwar lässt sich dieses Lied nicht in den Büchern Mose nachlesen, zumindest nicht in wörtlicher Form. Aber die Bezeichnung als Lied des Mose soll wohl eher darauf hinweisen, dass dies das Lied des Volkes Gottes ist, das von Mose durch die Wüste geführt wurde. Wichtig ist auch die Ergänzung, dass es sich auch um das Lied des Lammes handelt, denn dadurch wird dieser Lobgesang des allgewaltigen, unnahbaren Schöpfergottes etwas menschlicher - denn durch das Lamm ist uns dieser Gott ja ganz nah gekommen.
    Das Lied ist jedenfalls der wichtigere Teil dieser Perikope, was ja auch der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang nahelegt. Es geht, erstmal ganz banal, darum, dass bei Gott, in seiner Gegenwart, gesungen wird! Auf diese Weise wird er gepriesen, wird ihm der Ruhm zuteil, der ihm gebührt.
    Ich weiß nicht, ob damals, als dieser Text geschrieben wurde, generell mehr gesungen wurde als heute in einer Zeit, in der man eher singen lässt (und eigentlich ja auch selber singt, wenn man die allerorts hörbaren Schlager mitsingt). Jedenfalls wird dem Gesang längst nicht mehr so ein hoher Wert beigemessen, wie noch vor 50 Jahren - dass man mal in den Familien gemeinsam ein Lied singt, gehört schon zur großen Ausnahme. Auf der anderen Seite wird erkennbar, dass sich immer mehr Menschen scheuen, mitzusingen - auch im Gottesdienst - weil sie meinen, sie könnten es nicht. Man versteckt sich dann gerne "hinter der Orgel".
    In der Predigt könnte man versuchen, dem Gesang weiten Raum zu geben. Wäre es sehr abwegig, einige bekannte Loblieder ohne Orgelbegleitung singen zu lassen? Der Kantor könnte einspringen und die Gemeinde motivieren. Es muss nicht immer der Chor sein, der diesen Gottesdienst besonders ausgestaltet. Es ist ja schließlich, so legt es der Predigttext nahe, die Gemeinde der Gläubigen, die das Lob singen, und nicht ein Chor der Engel.



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  • Zuletzt überarbeitet: 26 April 2015
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