Der Name des Sonntags Judika leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon
ab: "Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta"
(Ps 43, 1; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Judika" hervorgehoben)
Von diesem Sonntag an bis zum Karsamstag wird auch die Gloria-Patri-Strophe,
die üblicherweise an jeden Psalm angefügt wird, nicht mehr gesungen, weil mit diesem Sonntag nach altem Brauch
die eigentliche Passionszeit beginnt. Das wird in der neuen Agende (dem EGb) nicht mehr so gesehen.
Dort schweigt Gloria Patri erst ab dem Sonntag Palmarum.
Nach dem Sonntag Laetare, an dem die Hingabe Jesu bedacht wurde,
betont nun der Sonntag Judika den Gehorsam Christi genauso wie
unseren Gehorsam. Es geht also um unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot, die
unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht angenommen wird, kann sie
auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der Selbstentscheidung, von Gott geschenkt,
die uns auch das Verderben bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer
Härte, wie Gehorsam immer auch zum Segen führt. Zu den Perikopen- Mk 10, 35-45
Präfamen: Wer an Jesus teilhaben will, muss ihn nachahmen. Das bedeutet nicht nur, bereit sein, zu leiden, so wie er bereit war, alles Leid auf sich
zu nehmen. Sondern es bedeutet auch: bereit sein zum Dienst am Nächsten, auch und gerade an dem, von dem sich alle anderen abwenden. Die
Bereitschaft zum Verzicht zugunsten des Not leidenden Nächsten kennzeichnet die Nachfolge Christi. In der Nachfolge geht es niemals um einen
selbst, sondern immer um den Nächsten.So steht geschrieben im Evangelium des Markus im 10. Kapitel: Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten
werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten
und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich
trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen:
Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten
oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.
41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wißt,
die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß
sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der
Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele. Predigtanregung - Hebr 5, 7-9
Präfamen: Das Heil können wir uns nicht selbst verschaffen. Der einzige Weg, das Heil zu erlangen, ist, auf Jesus Christus zu vertrauen, der selbst
den Tod erlitt, um ihn zu überwinden. So hat Gott uns den Weg zum Heil geöffnet. Indem wir ihm in Gehorsam folgen, haben auch wir Anteil an seiner
Herrlichkeit. So steht geschrieben im Brief an die Hebräer im 5. Kapitel: Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten
konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. 8 So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt,
Gehorsam gelernt. 9 Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden Predigtanregung - 1. Mose 22, 1-13*
Präfamen: Kaum vorstellbar, die Grausamkeit der Geschichte, die uns davon erzählt, wie Gott Abraham auffordert, seinen einzigen Sohn zu opfern,
nur um seinen Glauben zu beweisen. Der Gott, den wir kennen, verlangt solche Opfer nicht. Oder doch? Die Christenheit hat von alters her diese
Geschichte als Vorbild genommen für das, was sich an Karfreitag ereignet: Von uns Menschen - und auch von Abraham - verlangt er kein so großes
Opfer. Aber er selbst ist bereit, seinen eigenen Sohn in den Tod zu geben, damit wir leben können. Hört die Erzählung, wie Abraham von Gott auf die
Probe gestellt wird. Sie steht im Buch Genesis (1. Mose) im 22. Kapitel: Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. 2
Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer
auf einem Berge, den ich dir sagen werde. 3
Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum
Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. 4
Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne 5
und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir
wieder zu euch kommen. 6
Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand;
und gingen die beiden miteinander. 7
Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe,
hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? 8
Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. 9
Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn
Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz 10
und reckte seine Hand aus und faßte das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. 11
Da rief ihn der Engel des HERRN vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12
Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes
nicht verschont um meinetwillen. 13
Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und
nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes Statt. Predigtanregung - 4. Mose 21, 4-9
Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer,
um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege
5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten
geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch
Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. 6 Da
sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass
viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen:
Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben.
Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für
das Volk. 8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine
eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht
sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange
und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biß, so sah er
die eherne Schlange an und blieb leben. Predigtanregung - Joh 11, 47-53
Joh 11, 46-53 (W)Einige aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und
sagten ihnen, was Jesus getan hatte. 47 Da versammelten
die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir?
Dieser Mensch tut viele Zeichen. 48 Lassen wir ihn so,
dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns
Land und Leute. 49 Einer aber von ihnen, Kaiphas, der
in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wißt nichts;
50 ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch
sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe. 51
Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester
war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, 52
und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten
Kinder Gottes zusammenzubringen. 53 Von dem Tage an war
es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten. Predigtanregung - Hebr 13, 12-14
Hebr 13, (9-11) 12-14 (W)Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. 14
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Predigtanregung
- Marginaltexte:
Jer 15, (10-15) 16-20 Micha 3, 9-12 Hebr 7, 24-27 Hebr 10, 11-14 (15-17) 18folgt später Predigtanregung
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