Der Name des Sonntags Judika leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon
ab: "Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta"
(Ps 43, 1; deutsch s. unten, wörtliche Übersetzung von "Judika" hervorgehoben)
Von diesem Sonntag an bis zum Karsamstag wird auch die Gloria-Patri-Strophe,
die üblicherweise an jeden Psalm angefügt wird, nicht mehr gesungen, weil mit diesem Sonntag nach altem Brauch
die eigentliche Passionszeit beginnt. Das wird in der neuen Agende (dem EGb) nicht mehr so gesehen.
Dort schweigt Gloria Patri erst ab dem Sonntag Palmarum.
Nach dem Sonntag Laetare, an dem die Hingabe Jesu bedacht wurde,
betont nun der Sonntag Judika den Gehorsam Christi genauso wie
unseren Gehorsam. Es geht also um unsere Antwort auf Gottes Handeln und Gebot, die
unaufgebbare Dualistik der Gnade Gottes: wenn sie nicht angenommen wird, kann sie
auch nicht wirken. Es ist die Freiheit der Selbstentscheidung, von Gott geschenkt,
die uns auch das Verderben bringen kann. Die Texte zeigen uns in teilweise grausamer
Härte, wie Gehorsam immer auch zum Segen führt. II - Hebr 5, 7-9
Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten
konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. 8 So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt,
Gehorsam gelernt. 9 Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden Es ist schwierig, diesen Text nach zu vollziehen, denn die Art und Weise, wie von Jesus geredet wird, verleitet zu
Rückschlüssen, die nicht zulässig sind.
Da ist zum Einen in Vers 7 das Opfer des Gebets. Dieses Opfer löst wohl das Tieropfer ab, aber so wie
man von einem Opfer erwartet, wird es hier so dargestellt, dass das Opfer auch erhört wird, wenn es richtig dargebracht wird. Die
richtige Art und Weise der Darbringung wird uns auch gleich vorgeführt: Gott wird in Ehren gehalten. Es wird hier wohl auf das
Gebet in Gethsemane angespielt, in dem Jesus Gott darum bat, den Kelch vorüber gehen zu lassen, doch nicht Jesu, sondern
Gottes Wille solle geschehen. Das Ganze legt eine Werkgerechtigkeit nahe, die wir so nicht nachvollziehen können.
Zum andern begegnet uns in Vers 8 die Vorstellung, dass Gottes Sohn Gehorsam lernen muss. Diese Vorstellung geht davon aus, dass er nicht wusste,
was Gehorsam ist. Vielleicht trifft das tatsächlich zu, denn Gott braucht niemandem gehorsam zu sein. Aber es bleibt merkwürdig, ja
fragwürdig. Warum sollte Gott, der Allwissende und Allmächtige, etwas erlernen müssen? Aber darum wurde er Mensch, um Erfahrungen
zu machen, die er bis dahin nicht hatte machen können.
Erst Vers 9 öffnet uns dann einen Zugang: Christus ist unser Vorbild im Gehorsam gegenüber Gott, und wenn wir diesem Vorbild folgen,
dann werden wir auch teilhaben am ewigen Heil.
Kurz gesagt: wenn wir in unserem Gebet Gott die Ehre erweisen, d.h. deutlich machen, dass wir uns seinem Willen unterordnen, dann
werden wir teilhaben am ewigen Heil, wir werden die Gemeinschaft des Heils erfahren.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ergibt sich daraus, dass in dieser Haltung des Gebets der Mensch bereit ist, den ihm von Gott
zugedachten Auftrag zu erfüllen, selbst dann, wenn nicht klar ist, wie dieser Auftrag genau aussieht. Oft stehen wir ja vor der Situation, dass
wir nicht wissen, was Gott eigentlich konkret von uns will. Sich selbst, seine Zukunft in Gottes Hände legen, dazu ermutigt uns dieser
Predigttext.
Die Predigt könnte die Frage stellen, wozu wir uns berufen fühlen, Liedvorschläge:Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EG 83) Dein Kampf ist unser Sieg (EG 87, 3.5-6)
Christe, du Schöpfer aller Welt (EG 92) *In dir ist Freude in allem Leide (EG 398)
Herr, der du einst gekommen bist (KHW-EG 586) *Vertrauen wagen dürfen wir getrost (NB-EG 607) Die Anregungen für alle Predigtreihen
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