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Der Weg zum Kreuz - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu den Marginaltexten:
Spr 1, 20-28 (auch in Rev. 2014)
Lk 8, 16-18 (auch in Rev. 2014)
Lk 13, 31-35 (auch in Rev. 2014)
Eph 6, 18-20 (auch in Rev. 2014)
Rev. 2014: Lk 23, 26-31

Zu Sprüche 1, 20-28:

Die Weisheit ruft laut auf der Straße und lässt ihre Stimme hören auf den Plätzen. 21 Sie ruft im lautesten Getümmel, am Eingang der Tore, sie redet ihre Worte in der Stadt: 22 Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig sein und ihr Spötter Lust zu Spötterei haben und ihr Toren die Erkenntnis hassen? 23 Kehrt euch zu meiner Zurechtweisung! Siehe, ich will über euch strömen lassen meinen Geist und euch meine Worte kundtun.
24 Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet, 25 wenn ihr fahren lasst all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt: 26 dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet; 27 wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter; wenn über euch Angst und Not kommt. 28 Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich suchen und nicht finden.
(Spr 1, 20-28)

Liebe Gemeinde,

das Buch der Sprüche steht selten auf dem Predigtplan. Um genau zu sein, nur ein einziges Mal im Lauf des Kirchenjahres, nämlich am Neujahrstag in der 5. Reihe. Auch zur Konfirmation findet sich ein Ausschnitt aus diesem Buch in der Predigtreihe, aber ansonsten tauchen Ausschnitte daraus nur als sogenannte Marginaltexte auf. Das sind Texte, die auch zur Thematik des Sonntags passen, aber eben nicht mehr ihren Eingang in die 6 Predigtreihen gefunden haben.
Ich habe mich heute für diesen Text, der für den Sonntag Estomihi als Marginaltext vorgeschlagen wird, entschieden, weil schon um 10 Uhr über den Predigttext gepredigt wurde, aber auch, weil ich es gut finde, wenn wir uns einmal einem Text zuwenden, der üblicherweise nicht in unseren Gottesdiensten vorkommt.
Das Buch der Sprüche Salomos erscheint einem manchmal wie eine Aneinanderkettung wahllos hingeworfener Sprichwörter, von denen viele auch ihren Eingang in den Volksmund gefunden haben. Aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man durchaus eine Ordnung, die ihren Sinn hat.
Unser Predigttext gehört zum ersten Teil des Buches, der sich dem Lob der Weisheit widmet.
Die Weisheit ruft - wie mag man sich das vorstellen? Die Kirchenväter haben, wenn im Buch des ersten Bundes von der Weisheit gesprochen wurde, an Jesus Christus selbst gedacht. Sie sahen in dem Begriff Weisheit ein Synonym für Christus.
Dabei verschwimmt der Zeitbegriff völlig. Es spielt keine Rolle, dass Jesus erst viel später geboren wurde. Er war schon vorher präsent, eben in der Form der Weisheit. Er ist ewig, auch wenn er eine Zeitspanne als Mensch unter uns Menschen verbrachte.
Wenn man es sich so vorstellt, dann kann man es schon nachvollziehen und sich vielleicht sogar vorstellen, wie die Weisheit rufend durch die Straßen zieht und ihre Stimme auf den Plätzen hören lässt.
Aber ganz unproblematisch ist diese Vorstellung doch nicht, weswegen ich lieber die Weisheit mit Gottes Wort gleichsetzen möchte.
Nun zieht Gottes Wort zwar auch nicht laut rufend durch die Straßen, aber es ist präsent - und das nicht nur in den Gottesdiensten. Wir finden da zum Beispiel die wöchentlichen Andachten in der Zeitung, oder die täglichen Radioandachten. Wir lesen an vielen Häusern Inschriften, die uns daran erinnern, dass ohne Vertrauen auf Gott nichts wirklich gelingen kann.
Die Kirchtürme rufen allein schon dadurch, dass sie über die Dächer hinausragen, aber auch mit ihren Glocken den Menschen zu, sich darauf zu besinnen, wer ihr Leben in der Hand hält.
Das Wort Gottes, die Weisheit, zieht also doch durch die Straßen und ruft den Menschen zu. Sie ruft im lautesten Getümmel, sie kann nicht eigentlich nicht überhört werden, und dennoch: niemand beachtet sie.
"Wie lange wollt ihr Unverständigen unverständig bleiben?" fragt sie.
Es geht nicht um das, was man lernen kann. Es geht nicht um die Inhalte von Lehrbüchern oder Lexika. Ein alter Mann kann einen Mathematikprofessor mit seiner Weisheit beschämen, ohne jemals selbst studiert zu haben. Denn Weisheit ergibt sich nicht aus der Menge an Wissen, über die man verfügt. Weisheit entsteht vielmehr aus Lebenserfahrung.
Und um diese Weisheit geht es auch hier. Es geht um Gotteserkenntnis - etwas, das sich dem Intellekt nur schwer oder gar nicht erschließt. Da kann man noch so viel Verstand haben - man bleibt unverständig, wenn es darum geht, Weisheit zu erlangen.
Vielleicht wird uns das angesichts der Meldungen, die uns über das Atommülllager Asse II erreichen, auch wieder bewusst. Was wird, wenn all das, wovon man vor Jahren noch sagte, es sei völlig ungefährlich, nun über uns kommt und womöglich ganze Landstriche unbewohnbar macht?
Die Weisheit zeigt uns einen Weg. Es ist keine Lösung für das Problem, das wir uns in der Vergangenheit eingebrockt haben. Aber es ist eine Lösung für die Zukunft:
Die Weisheit lehrt uns Genügsamkeit, Umsicht, Verantwortlichkeit. Eigenschaften, die heute mehr denn je zu fehlen scheinen, angesichts der Finanzkrise etwa. Manager erhalten Zahlungen in Millionenhöhe selbst dann, wenn sie ihr Unternehmen nahezu in die Insolvenz gesteuert haben. Das Geld dafür kommt dann vom Fiskus, also letztlich vom Steuerzahler.
Da mag man sogar mit einstimmen in die Worte der Weisheit:
Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert, wenn ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet, wenn ihr fahren lasst all meinen Rat und meine Zurechtweisung nicht wollt: dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet; wenn über euch kommt wie ein Sturm, was ihr fürchtet, und euer Unglück wie ein Wetter; wenn über euch Angst und Not kommt. Dann werden sie nach mir rufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich suchen und nicht finden.
Ja, manchmal wünsche ich, dass dieses Unglück doch endlich kommen möge, dass unsere Wirtschaft tatsächlich zusammenbricht, dass nichts bleibt von dem zerbrechlichen Gebilde, das allein auf dem Verlangen nach Wohlstand und Reichtum erbaut ist. Denn sonst, so fürchte ich, wird man wohl kaum lernen, was die Weisheit uns zu sagen hat.
Aber das liegt nun nicht in unserer Hand. Die Geschichte lehrt uns vielmehr, dass die Menschheit nicht weiser wird, wenn das Unglück über uns kommt. Geschichte wiederholt sich, heißt es nicht zu Unrecht.
Zur Zeit ist zwar so etwas wie das 1000jährige Reich, das 13 Jahre Bestand hatte, kaum mehr denkbar, aber wer weiß, was in hundert Jahren sein wird? Wer weiß, was den Menschen dann wichtig ist, und wozu sie dann bereit sind? Zumindest sind wir ja auf dem besten Weg, ein Überwachungsstaat zu werden, weil Angst uns treibt.

Die Weisheit ruft in den Straßen und auf den Plätzen, sie lässt ihre Stimme an allen Orten hören. Und doch hört sie niemand. Oder nur wenige.
Hören wir sie?
Ich möchte noch einmal den Text aus dem Buch der Sprüche aufnehmen und dabei meine eigenen Worte verwenden:

Die Weisheit ruft und lädt uns ein
Sie wirbt um uns, um groß und klein,
Sie sucht nach denen, die sie hören,
die sich von ihr noch lassen stören,
sie mahnt die Menschen, die sich regen
und nur noch ihren Wohlstand pflegen,
die Sorgfalt üben und bedenken
wie sie sich selbst noch mehr beschenken
und Geld auf ihre Konten häufen;
die denken: Gott lässt Regen träufen
auf ihre weiten, weiten Felder
wenn immer fließen neue Gelder
auf ihre Konten hier und dorten.
Die Weisheit wirbt mit weisen Worten.
Sie will uns lehren: hört doch auf!
Das Leben ist kein Schlussverkauf!
Das Leben ist viel mehr als dies,
es endet nicht in dem Verließ
des Grabes, so wie viele denken
und sich darum so arg verrenken
um möglichst viel Geld draus zu machen.
Da wird die Weisheit drüber lachen.
Das Leben wurde uns geschenkt
von Gott, der alle Dinge lenkt.
Wie wäre es, wenn wir beginnen
uns auf die Liebe zu besinnen.
Wenn wir nicht teilen unser Brot
mit Aktionären und dem Tod.
Wenn wir vielmehr dorthin uns wenden,
Wo uns die Weisheit will hin senden:
zu denen, die nach Liebe suchen
die nicht gleich den Gewinn verbuchen,
zu denen, die nur einfach leben
und nicht dem Mammon sich hingeben.
So will die Weisheit uns belehren,
dass wir uns zu dem Herrn hin kehren,
damit wir leben und nicht sterben,
am Ende auch sein Reich ererben.

Amen


Liedvorschläge zur Predigt:

Gott rufet noch (EG 392)
Komm in unsre stolze Welt (EG 428)

Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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