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Predigtvorschläge zu 2. Kor 4, 3-6
2. Kor 4, 1-6 (W) (VI)

Predigt gehalten am 6.1.2008

Liebe Gemeinde!
"Das verstehe ich nicht." Ja, hin und wieder verstehe ich etwas nicht. Es ist gut, wenn man das zugibt, denn dann weiß der andere, dass er es noch einmal, besser oder wengistens ander, erklären muss.
Denn es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres als Missverständnisse. Wenn man sich nicht darum bemüht, etwas wirklich zu verstehen, wird alles Handeln durch Vermutungen veranlasst, und das ist keine gute Basis. Es kann dazu führen, dass Menschen sich am Ende gar nicht mehr verstehen, ja, dass sie einander Feind werden, nur weil einer nicht den Mut hatte, zuzugeben, dass er etwas nicht verstanden hat.
In unserem Predigttext geht es auch ums Verstehen. Aber während man in den meisten Fällen das Verstehen durch Erklärungen herbeiführen kann, ist es hier anders, bedrückend anders.
Paulus redet davon, dass es Menschen gibt, die das Evangelium nicht verstehen können, denen es "verdeckt" ist. Sie können sich also, wie es scheint, abmühen, so viel sie wollen, sie werden es nicht verstehen können.
Schlecht ist diese Erklärung nicht. Denn sie macht es denen, die an das Evangelium glauben, leicht: sie brauchen sich keine Mühe zu geben, das Evangelium weiter zu sagen an die, die behaupten, Glaube sei etwas für Nostalgiker oder naive Menschen, weil ihnen das Evangelium ohnehin verdeckt ist durch eine Macht, die es den Menschen unmöglich macht, das Evangelium zu verstehen. Paulus nennt diese Macht schlicht den "Gott dieser Welt".
Solch eine Aussage ist gut genug, um sich entspannt zurücklehnen und sagen zu können: schön, wenn das so ist, brauche ich mich nicht weiter anzustrengen. Gegen den Gott dieser Welt habe ich ja sowieso keine Macht.
Aber natürlich ist es nicht so leicht. Man muss sich erst einmal mit dem Hintergrund dieser Worte des Paulus auseinander setzen.
Paulus möchte, das ist offensichtlich, den Korinthern klar machen, warum es einige Menschen gibt, die das Evangelium nicht annehmen, die nicht an Jesus Christus glauben wollen, trotz aller Bemühungen, die seitens der Christen in Korinth unternommen werden.
Dabei geht es im Grunde aber um noch mehr: denn da sind andere Prediger, die nicht wirklich das Evangelium predigen, sondern durch ihre Verkündigung ihren eigenen Vorteil suchen. Und sie stiften in Korinth ziemliche Unruhe, weil sie die Motivation des Paulus, der ja immerhin die Gemeinde in Korinth gegründet hat, in Frage stellen.
Paulus verteidigt sich selbst gegen den Vorwurf, er verdecke das Evangelium, er verschleiere es, so dass man es nicht erkennen könne.
Diesem Vorwurf hält er entgegen, wie das Evangelium durch ihn gewirkt hat. Gott hat einen hellen Schein in ihre Herzen gegeben, schreibt er, damit durch dieses Licht die Menschen erleuchtet würden.
Licht steht immer im Gegensatz zur Finsternis. Die Finsternis kann Dinge verdecken, unsichtbar machen. Licht kann das nicht, im Gegenteil: Licht macht alles sichtbar. Paulus bringt damit also zum Ausdruck, dass er immer offen und ehrlich gewesen ist, dass er nichts verschleiert, nichts verdeckt hat.
Das Evangelium scheint durch ihn hindurch, er ist, wenn man so will, transparent für das Evangelium. Es ist nicht sein Evangelium, sondern das Evangelium Gottes.
Nun wird man als jemand, der das Evangelium von Jesus Christus erfahren und angenommen hat, was ja auch für alle korinthischen Christen ein besonderes Ereignis gewesen ist, meinen, dass das Evangelium auf alle so wirken müsste, wie es auf sie selbst gewirkt hat. Es müsste doch eigentlich jeder Mensch die verwandelnde und heilende Kraft der Botschaft von Jesus Christus erkennen. Wenn dem nicht so ist, muss man sich andererseits fragen, ob die Botschaft die wahre Botschaft ist, oder ob ihr nicht doch etwas fehlt. Das behaupteten dann wohl auch die Gegner des Paulus: dass er die Botschaft nicht richtig vermittelt hätte.
Auf diesen Vorwurf antwortet Paulus nun mit dem Gott dieser Welt und sagt von sich selbst, das er das Evangelium durch sich hat wirken lassen als einer Kraft Gottes.
Diese ominöse Macht, dieser Gott der Welt, ist beunruhigend. Ich weiß nicht, ob sein Wirken heute stärker spürbar ist als früher - es ist ja immer, zu allen Zeiten, so gewesen, dass es früher besser war als heute - aber eins ist gewiss: der Gott dieser Welt ist präsent, er ist deutlich sicht- und spürbar.
Man erkennt ihn z.B. daran, dass Eltern ihre Kinder nicht taufen lassen, oder dass es zu Hause keinen Bezug mehr auf Grundelemente christlichen Glaubens gibt. Man erkennt den Gott der Welt daran, dass überhaupt Glaube an Gott belächelt wird als etwas, das längst von den Naturwissenschaften für überflüssig erklärt wurde.
[Der folgende Abschnitt nimmt auf eine aktuelle Diskussion in der lokalen Tageszeitung Bezug - sicher lässt sich hier anstelle dessen ein ähnlich aktueller Bezug aus dem eigenen Umfeld finden.]
Vielleicht haben Sie auch die Diskussion in der Braunschweiger Zeitung verfolgt, wo ein Leser meinte, dass Gebete Selbstgespräche seien, und die Antwort darauf war, dass die Frage, wo Wasserstoff und Helium herkommen, ungeklärt bleibt, es also doch einen Gott geben müsse.

Mit solchen Argumenten versuchen wir, auf der Basis der Vernunft Gott zu beweisen, was ja auch in der Vergangenheit immer wieder versucht wurde. Es ist eine Möglichkeit.
Die Frage ist aber, ob wir das nötig haben. Paulus meint nein. Der Gott der Welt verdeckt das Evangelium. Und er tut es gerade auch in diesen Gottesbeweisen. Denn sie haben eine ganz eigene Zielrichtung. Sie beweisen nicht Gott, sondern nur das Fehlen einer Erklärung für einen bestimmten Zustand. Und die, die nicht glauben wollen, werden sagen: irgendwann wird die Wissenschaft auch darauf eine Antwort haben.
Es ist zwar möglich, dass Menschen aufgrund solcher Argumentation eingestehen, dass es einen Gott geben muss, aber es fehlt dennoch etwas ganz Wesentliches. Der Gott, der der Vernunft bewiesen wird, ist zunächst nur eine unpersönliche Kraft. Leicht finden Buddhisten und Hindus in solch einem Gottesbeweis genauso ihre Antwort wie Christen, Juden oder Muslime.
Für Paulus geht es um etwas ganz anderes: Gott ist lebendig. Er wirkte in der Geschichte der Menschheit, er hatte teil an ihr, und er wirkt noch heute, er nimmt auch heute an der Geschichte der Menschheit teil.
Das geht weit über die Antwort auf die Frage, was wohl am Anfang gewesen ist, hinaus. Es geht hier um die ganz persönliche Gotteserfahrung, wie sie damals von vielen Menschen in der Begegnung mit Jesus gemacht wurde, und wie sie durch die Jahrhunderte immer wieder sich ereignete durch den Geist Gottes.
Gott, der in der Tat am Anfang mit seinem Wort das Licht schuf, hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben: das Licht des Evangeliums, die Botschaft von seiner Liebe, die durch seinen Sohn Jesus Christus sichtbar wurde, in der Krippe wie am Kreuz.
So etwas erschließt sich nicht dem Intellekt, denn es ist ja ein Paradoxon, wie Paulus schon zu Beginn des 1. Briefes an die Korinther erläutert hat: die Botschaft vom Kreuz ist eine Torheit denen, die es mit dem Verstand erfassen wollen.
Diese Botschaft muss durch das Herz gehen; nur dort kann sie ihre verwandelnde Kraft spürbar werden lassen.
Nun bleibt freilich der Gott dieser Welt, den Paulus da anführt. Steht er uns im Weg? Wehrt er unsere Worte ab? Lässt er den Schein des Evangeliums nicht durch zu den Herzen der Menschen? Und wenn ja, sollen wir deshalb aufhören, das Evangelium durch uns scheinen zu lassen?
Der Gott dieser Welt mag zwar im Wege stehen, aber er darf uns nicht entmutigen, und er kann es auch nicht, denn er ist nicht unser Gott. Für uns ist das Evangelium lebendig, es ist eine Kraft Gottes, die uns durch das Leben hilft. Gott selbst ist mit uns, das erfahren wir durch das Evangelium.
Und darum hören wir nicht auf, den hellen Schein des Evangeliums durch uns hindurch leuchten zu lassen, damit alle Welt es sieht: wir gehören zu Christus, dem Sohn des lebendigen
Gottes!
Glaube ist also keine Sache des Verstandes, sondern der Erfahrung. Gott beweist sich nicht durch theoretische Infragestellungen, sondern durch unser Leben.
Es ist gut, zu wissen, dass es ist letztlich auch nicht unser Werk ist, wenn Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden; es ist das Werk Gottes selbst, der durch seinen Geist in dieser Welt wirksam ist, mitunter auch durch uns.
So dürfen wir uns durchaus entspannen, um die Kraft der Liebe Gottes in uns und durch uns wirksam werden zu lassen. Denn das ist der helle Schein, der in unsere Herzen gegeben ist.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:

Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
*All Morgen ist ganz frisch und neu (EG 440)
*Du höchstes Licht, du ewger Schein (EG 441)
*Morgenglanz der Ewigkeit (EG 450)
Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit (KHW-EG 557)
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht (KHW-EG 572)

Zuletzt überarbeitet: 26 November 2014
© Copyright 1998-2014 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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