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7. Sonntag nach Trinitatis
Am Tisch des Herrn - Predigtanregung

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete

Der 7. Sonntag nach Trinitatis geht nun auch auf die körperlichen Bedürfnisse des Menschen ein, wobei die Symbolhandlung des Abendmahls allerdings auch eine wichtige Rolle spielt. Jesu Handeln in unserem Leben macht uns frei von irdischen Bedürfnissen dadurch, dass wir sie immer erfüllt bekommen, indem wir teilhaben am Brot des Lebens. Der 6. und der 7. Sonntag nach Trinitatis könnten auch als "Sakramentssonntage" bezeichnet werden, denn an ihnen wird der Taufe und des Abendmahls in ihrer Bedeutung für das Leben des Christen gedacht.

V - Lk 9, 10-17

Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt zurück, die heißt Betsaida. 11 Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften. 12 Aber der Tag fing an, sich zu neigen.
Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Lass das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste.
13 Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen. 14 Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig. 15 Und sie taten das und ließen alle sich setzen. 16 Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten. 17 Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrigließen, zwölf Körbe voll.

Diese recht bekannte Geschichte ist voll von Symbolen. Zunächst will ich aber auf einen interessanten Fehler hinweisen: Die Ortsangabe stimmt nicht, denn Jesus zieht sich in die Stadt Betsaida zurück (Vers 10), und dann befinden sie sich plötzlich in der Wüste (Vers 12). Offenbar existiert hier eine ältere Geschichte, die in den Erzählstrang des Lukas eingefügt wurde. Der Hinweis auf die Wüste soll den begründen, warum sie nicht mit HIlfe von Boten Essen holen können - der Weg zu den nächstgelegenen Dörfern und Städten wäre zu weit, sie würden vor Eintreten der Dunkelheit ihr Essen nicht mehr bekommen. So müssen sie selbst gehen, obgleich es sicher besser wäre, wenn sie noch eine Weile zusammen bleiben könnten.
Interessant ist, dass Jesus die Jünger beauftragt, ihnen Essen zu geben, und auch danach sind die Jünger weiter aktiv: sie sollen die Menschen einteilen in Gruppen zu je fünfzig, und sie sollen das Essen dann austeilen. Jesus vollzieht nur das Dankgebet, das an das Abendmahl erinnert (!) - es ist aber wohl kaum anzunehmen, dass hier eine direkte Parallele zu vermuten ist.
Wichtig ist sicher, dass die Jünger eine so herausragende Rolle spielen. Sie sind nicht nur Handlanger, sie übernehmen Verantwortung; die Kraft dafür nehmen sie aus der Nähe ihres Herrn, der ihnen die Mittel, die sie brauchen, zur Verfügung stellt. Interagierend sind aber die Jünger mit der Menge - ein Paradigma für die Kirche, die zwar eigenständig, aber nicht unabhängig ihren Dienst an den Menschen versieht.
Es ist sicher auch wichtig zu erkennen, dass die Menschen, die dort sind, nicht gekommen sind, um satt zu werden im physischen Sinn - sie wollen das lebendige Wort hören, das ihnen auch geschenkt wird. Das Darreichen von Brot und Fisch, zwei wichtigen Symbolen des Neuen Testaments, kann darauf hindeuten, dass hier das Leben selbst gereicht wird, das uns durch Jesus Christus geschenkt wird. An diesem Vorgang haben die Jünger, hat die Kirche teil.
Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt allerdings einen Bezug zum Abendmahl nahe. Das Thema "Am Tisch des Herrn" will ja genau das vermitteln. Und es ist vielleicht auch nicht so verkehrt, denn die Nahrung, die die Menge hier bekommt, ist ja Nahrung, die uns Leben schenkt, und was ist das Abendmahl anderes?
Man sollte aber bei der Predigt behutsam vorgehen und nicht gleich aufs Abendmahl zusteuern. Zunächst einmal sollte man die Rolle der Jünger deutlich genug hervorheben, denn sie würden allzuleicht untergehen in dem Gedanken, dass alle in der Geschichte durch Jesus eingeladen werden. Nein, sondern Jesus macht seine Jünger, seine Gemeinde darauf aufmerksam, dass hier ein Bedürfnis besteht, dass sie selbst stillen kann. So kann die Predigt eine Ermutigung zur Aktion werden: wo sind Menschen, die das Wort des Lebens brauchen? Wie können wir es ihnen nahebringen?

Liedvorschläge zur Predigt:

Du füllst des Lebens Mangel aus (EG 324, 12-15)
Brich dem Hungrigen dein Brot (EG 418)
Brich mit den Hungrigen dein Brot (EG 420)
Lasst uns Brot brechen (EG 582)

Die Anregungen für alle Predigtreihen

Buchempfehlungen:

  • Gottesdienstpraxis, Serie B. Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis v. Christian Schwarz (Hg.). Gütersloher Verlagshaus 2010, 152 S. - 1. Auflage.
    Die sinnvolle Ergänzung zur Reihe A ist die Reihe B mit Arbeits- und Gestaltungshilfen für die Feste des Kirchenjahrs, für die Kasualien sowie besondere Veranstaltungen und Aktivitäten in der Gemeindearbeit. Eine reichhaltige Fundgrube für die Vorbereitung von Predigten und für die Gestaltung von Gottesdiensten.

  • Zuletzt überarbeitet: 17 November 2012
    © Copyright 1998-2012 by Martin Senftleben

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