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Der Gottessohn - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu 1. Joh 5, 11-13
1. Joh 5, (6-8) 9-12 (13) (W) (II)

Sie finden eine Predigt zu 1. Joh 5, 11-13 unter stiftskirchengemeinde.kaiserdom-koenigslutter.de


Liedvorschläge:

Also hat Gott die Welt geliebt (EG 28)
Also liebt Gott die arge Welt (EG 51)
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude (EG 66)
*Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
*O lieber Herre Jesu Christ (EG 68)
*O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
*Auf, Seele, auf und säume nicht (EG 73)
*Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (EG 227)

Predigtvorschläge zu Joh 1, 43-51 (III)

"Folge mir nach!" - und er folgt ihm nach. Wie kommt Jesus dazu, nun gerade diesen Philippus zur Nachfolge aufzurufen? Das erklärt sich wohl aus der Angabe, dass Philippus aus dem gleichen Ort stammte wie Petrus und Andreas, die bereits an der Seite Jesu waren. Sie mussten ihn auf Philippus aufmerksam gemacht haben: schau mal, der würde gut zu uns passen.
Und das "Folge mir nach!" hat sogleich einschlagende Wirkung. Vielleicht auch deswegen, weil Philippus die beiden Bekannten - oder sind es vielleicht sogar Freunde? - in der Gesellschaft Jesu sieht. Das nimmt natürlich schon eine Menge Zweifel.
Aber es nimmt nicht unbedingt den gesunden Menschenverstand! Wohin sollte es denn gehen? Für wie lange galt dieser Ruf? Konnte sich Philippus das leisten, einfach so mit zu gehen mit diesem ja doch zu dem Zeitpunkt noch völlig Fremden?
Fragen, die wir uns wohl stellen würden, wenn jemand zu uns käme und sagte: "Folge mir nach!" Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass überhaupt jemand einem solchen Ruf folgen würde. Penner vielleicht, die sowieso nichts zu verlieren haben. Aber gut situierte Menschen doch wohl eher nicht.
Philippus gehörte zu solch gut situierten Menschen - zumindest für die damalige Zeit. Er hatte offenbar keine Zweifel und auch keine Fragen. Er hatte keine Angst um seine Existenz, obwohl er nicht wusste, wie sie in Zukunft gesichert werden würde. Er folgte dem Ruf ohne Zögern.
Nun sollte man meinen, dass sich Philippus erst einmal zu der noch kleinen Gruppe hält und in Erfahrung bringt, worum es überhaupt geht. Denn er konnte noch nicht viel von Jesus gehört haben. Erst am Tag zuvor war Jesus vom Täufer Johannes getauft worden, und kurz danach erst waren Andreas und Petrus zu Jesus gestoßen. Also alles geschah innerhalb von 24 Stunden. Noch kein Wunder war geschehen, nichts, außer den Worten des Täufers: "Siehe, das ist Gottes Lamm!"
Dass Philippus diese Worte auch mitbekommen hatte, ist eher unwahrscheinlich. Er hatte also nichts, worauf er seine Nachfolge begründen konnte, außer diesem Ruf: "Folge mir nach!". Vielleicht ist es ja die Persönlichkeit Jesu, die ihn so beeindruckt hat. Aber auch dann wäre ein Kennenlernen dieses Menschen sicher der nächste Schritt, bevor er tun würde, was er tut:
Nahezu ohne Zögern macht er sich selbst auf und ruft den Nächsten, Nathanael. Es muss ein Freund des Philippus sein. Und schon offenbart Philippus, dass er doch eine ganze Menge über Jesus weiß: "Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth." Woher hat Philippus diese Gewissheit? Ist es allein der Ruf gewesen?
Es klingt, als habe er ihn schon lange gesucht. "Wir haben den gefunden" - es fehlt nur das "endlich", um den Eindruck zu festigen. Und in der Tat war ja die Hoffnung auf den Messias groß, damals, zur Zeit der Besatzung durch die Römer. Aber Philippus scheint dennoch recht oberflächlich in seinem Urteil.
Nathanel ist jedenfalls nicht so leichtgläubig. Vielleicht, weil es nicht Jesus ist, der ihn ruft. Viel wahrscheinlicher aber wohl deswegen, weil das, was Philippus sagt, weder Hand noch Fuß hat.
Wieso sollten Mose oder die Propheten von Jesus geschrieben haben? Der Name taucht in den Heiligen Schriften jedenfalls nicht auf.
Und Nazareth? Auch dieser Ort findet in den Schriften des ersten Bundes keine Erwähnung. Wie kommt der Philippus also auf die Schnappsidee, dieser Jesus könnte schon von Mose und den Propheten beschrieben worden sein?
Ganz so deutlich drückt sich Nathanel in seiner Antwort nicht aus, aber er sagt: "Was kann aus Nazareth Gutes kommen?" Es ist eine rhetorische Frage, deren Antwort ist klar: Nichts.
Es gibt in der damals bekannten Bibel absolut keinen Hinweis darauf, dass dieser Jesus der Messias, der Verheißene Retter, ist.
Der Evangelist Johannes beweist Mut, wenn er diese Kritik, die es sicher auch in der damaligen Zeit gegeben hat, aufnimmt und sogar einem der Jünger in den Mund legt. Für ihn bedarf es keiner Beweisführung aus den Schriften, um Jesu Herrschaft deutlich zu machen. Stattdessen lässt er Philippus sagen: "Komm und sieh!"

Du kannst nicht wissen, wer Jesus ist, wenn Du Dich nicht selbst auf den Weg machst. Das ist die erste Botschaft, die aus diesen Worten folgt. Und die andere lautet: wenn Du Jesus begegnest, dann hast Du Beweis genug. Also: Komm und sieh!
Dieses "Komm und sieh!" war übrigens schon vorher erklungen, da aber aus dem Munde Jesu, als Andreas und Simon Petrus ihm begegneten. Sie hatten nach seiner Herberge gefragt, und Jesus sagte zu ihnen: "Kommt und seht!".
Der sich entwickelnde Dialog zwischen Jesus und Nathanael hat dann natürlich auch etwas Kurioses. Jesus sagt über Nathanael: "Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist." Jeder normale Mensch würde heutzutage wohl bescheiden einen Schritt zurücktreten und solches Lob nicht ohne Widerspruch annehmen.
Nicht so Nathanael. "Woher kennst du mich?", fragt er zurück. Als ob die Feststellung, dass er ein rechter Israelit sei, das Selbstverständlichste von der Welt ist. Dabei sind diese Worte eine besondere Auszeichnung, die Nathanael sonst selten, wenn überhaupt, gehört hat.
Ist das Überheblichkeit auf der Seite des Nathanael? Oder wusste er, dass Jesus von seinen ehrlich ausgesprochenen Zweifeln beeindruckt war? Dann wäre die Frage allerdings berechtigt: "Woher kennst du mich?", denn sie hätte den Sinn: "Woher weißt du, was ich vorhin gesagt habe, als du weder in Hör- noch in Sichtweite warst?"
Dazu passt dann auch Jesu Antwort: "Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich."
Hier offenbart sich Jesu Majestät, seine Göttlichkeit. Es ist durchaus ein Wunder, das auch die anderen Jünger, die ja gerade erst in die Nachfolge Jesu eingetreten waren, beeindruckt haben muss.
Nathanael ist sofort überzeugt: "Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel." Er war gekommen und hatte gesehen, alle Zweifel waren beiseite gewischt, ganz offensichtlich bedarf es keines Schriftbeweises, um Jesu wahre Gestalt zu erkennen.
Dabei müsste es dem Nathanael gar nicht ganz so leicht fallen. Er hätte immer noch zweifeln können. Jesus hätte seinen Begrüßungssatz auch aus dem ableiten können, was etwa Philippus zuvor über ihn erzählt hatte.
Umso wahrscheinlicher ist es wohl, dass Jesus direkt auf den kurzen Dialog zwischen Philippus und Nathanael anspielt, und kein generell gültiges Urteil über Nathanael fällt. Es geht einzig um seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, die er in seiner Antwort bewiesen hat.
Jesus nimmt Nathanael in den Kreis seiner Jünger auf und kündigt den Vieren noch größere Wunder an, vor allem aber dies: "Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn."
Der Glaube ist da, nun wird dem Glauben noch Größeres offenbart werden, als das, was den Glauben geweckt hat. Es wird offenbar werden, dass Jesus der Sohn Gottes ist, dass in ihm der Vater, der Schöpfer aller Dinge, zu den Menschen gekommen ist.
"Komm und sieh!", das sind die Worte, die uns heute zugeworfen werden. Mache dich auf und sieh, wer Jesus ist.
Wir sind gekommen, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen - dort in der Krippe, am Kreuz, am offenen Grab. Seine Herrlichkeit wurde uns offenbar.
Wir sind die Gerufenen, und zugleich sind wir die Rufenden.
Philippus ist uns ein Beispiel. Ohne lange zu überlegen, geht er hin und verkündet, was ihm wiederfahren ist: ich habe ihn gefunden, den Messias. Nun komm und sieh!
Wir müssen nicht anfangen, lange und komplizierte Diskussionen zu führen darüber, was wahr ist und was nicht. Jesus spricht für sich selbst. Es kommt nur auf die Begegnung an: Komm und sieh!
Gewiss gibt es Zweifel, berechtigte Zweifel. Und noch viel mehr wird es wohl die Frage geben: was habe ich davon? Es gibt doch kein Anzeichen dafür, dass ich irgendetwas gewinne.
"Komm und sieh!" Das ist die Antwort auf alle Fragen, auf alles Zweifeln.
Natürlich wäre es schön, Jesus dann auch leibhaftig vor sich zu haben. Aber die Begegnung mit ihm wird ja auf vielfältige Weise ermöglicht, etwa im Gottesdienst oder in der Feier des Heiligen Abendmahls.
Komm und sieh!
Wer dazu bereit ist, der darf sich auf eine Überraschung gefasst machen. Denn die Begegnung mit dem Gottessohn, mit dem fleischgewordenen schöpferischen Wort, ist etwas ganz Besonderes.
Uns werden in dieser Begegnung Einsichten geschenkt, die wir vorher nicht hatten und von denen wir auch nicht zu träumen wagten. Und wir werden einen Weg geführt, den wir so zu gehen selber nie geplant hätten. Einen Weg, der uns den Reichtum der Gnade und Barmherzigkeit Gottes offenbart.
Es lohnt sich also, diesem Ruf zu folgen!
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:

Jesus ist kommen (EG 66)
Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70, 1-2.4.7)
O König aller Ehren (EG 71, 1.3-6)
O Jesu Christe, wahres Licht (EG 72)
"Mir nach", spricht Christus, unser Held (EG 385)
Vertraut den neuen Wegen (EG 395)

Predigtvorschläge zu Röm 16, 25-27 (VI)

Liebe Gemeinde!
Manchmal muss man doch auch schmunzeln über die langen, verschachtelten Sätze des Paulus, und denkt sich: 'Gleich nochmal, und langsam bitte, damit es auch verstehe!' Oder man fragt sich: 'Wie haben das wohl damals die Christen gemacht? Haben die das etwa auf Anhieb verstanden?'
Das wissen wir jedenfalls sicher, dass damals ähnlich wie heute die Briefe des Paulus im Gottesdienst vorgelesen wurden. Wie hat man darauf reagiert, wenn es schwer verständlich war? Hat man dann angefangen, nachzufragen, oder ist man gleich in die Diskussion eingestiegen, oder hat man dazwischen gerufen, oder wurde nur ehrfürchtig gelauscht und auf die Predigt gewartet, die hoffentlich die Gedanken des Briefes aufnehmen würde?
Das letzte geschah wohl, je weiter man sich von der Entstehung des Briefes entfernte, das andere wissen wir nicht.
Nur dies: Paulus hat mit dem Brief an die Gemeinde in Rom seine eigene Theologie so gut es möglich war zusammengefasst. Er hat sicher nächtelang beim Schein einer Öllampe daran gefeilt, wobei er die Briefe ja oft diktiert hat und vielleicht nur Gedankenfetzen erstmal selbst zu Papier brachte. Damals war Papier eine Kostbarkeit, und so könnte es auch sein, dass der Brief zunächst langsam im Kopf des Apostels entstand, bis er ihn dann schließlich einem Schreiber diktierte, der in der Regel wohl ein Glied der örtlichen Gemeinde war.
Dass der Römerbrief diktiert wurde, wissen wir von einer Anmerkung gegen Ende des Briefes, wo es heißt: „Ich, Tertius, der ich diesen Brief geschrieben habe, grüße euch in dem Herrn.” (Röm 16, 22)
Es wird nicht viel ändern, wenn ich nun sage, dass die darauf folgenden letzten Verse, die unseren Predigttext darstellen, nach der Meinung angesehener Bibelforscher ursprünglich nicht zum Römerbrief gehörten, sondern erst später an den Brief angefügt wurden.
Wie es dazu kam, ist nicht so wichtig. Ich werde jedenfalls trotzdem weiterhin von Paulus als dem Verfasser sprechen, denn es ist zum einen immer gut, einen Namen zu haben, und zum andern hat die christliche Kirche viele Jahrhunderte lang auch für diese Worte den Apostel Paulus als Verfasser angenommen – und das vielleicht zu Recht, denn wir wissen nur, dass die Verse nicht ursprünglich den Abschluss des Römerbriefes bildeten, wohl aber auch vom Apostel stammen könnten – nur eben in einem anderen Zusammenhang standen.
Ein Lobpreis Gottes”, so wird dieser endgültige Abschluss des Römerbriefes überschrieben, und das ist er auch. Ein Lobpreis aus einem Guss, mit nur einem Punkt, aber einigen Kommata, die wohl Zeilenenden andeuten. Vermutlich war dieser Text auch Bestandteil des Gottesdienstes, an irgendeiner Stelle wurde er als Hymnus gesungen, wir wissen heute nicht, wann, aber vielleicht tatsächlich als Antwort auf die Lesung eines Briefes? Warum nicht!
Stellen wir es uns nur einmal vor, wie die Gemeinde stehend auf das Wort aus der Epistel, dem Brief des Paulus, hört und dann diesen Gesang anstimmt:
Dem aber, der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis offenbart ist, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften der Propheten nach dem Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden: dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen.
Es gibt nur einen kleinen, dünnen Fallstrick, über den man dabei stolpern könnte:
„Dem aber, der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium...” - dieses „Mein Evangelium” passt eigentlich nicht in einen liturgischen Text hinein. Wir singen oder sagen ja auch nicht „Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit, so wie ich es gesagt habe”.
Ob sich da die Bibelforscher vertan haben? Hätten diejenigen, die diesen Text an den Brief angehängt haben, dann nicht doch dieses „mein” rausgenommen bzw. in ein „dem” geändert? Spannend ist jedenfalls, dass die Menschen damals offensichtlich keine Probleme hatten, dieses „mein” zu behalten.
Kein einziger von denen, die den Text abgeschrieben haben (was ja damals die übliche und einzig mögliche Vervielfältigungsmethode war), hat das Wort „meinem” in ein „dem” umgeändert, so dass es heißen würde: „Dem aber, der euch stärken kann gemäß dem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus”. Das würde sich doch wirklich wie ein liturgischer Text anhören, und es würde dennoch gut an das Ende des Briefes passen.
Vielleicht ist gerade darum dieses „mein” besonders wichtig. Es weist hin auf den Prediger Paulus, auf sein Werk, ja, man kann sagen, sein Lebenswerk. Und damit verbindet sich unser Predigttext doch eigentlich auf's Engste mit dem Ganzen des Römerbriefs, der genau das darstellt: Pauli Lebenswerk, die Zusammenfassung des Evangeliums, so wie er es viele Jahre lang verkündigt hat.
Dieses Lebenswerk des Paulus darf man nun nicht so verstehen, dass es von ihm konstruiert wurde und deswegen als „sein” Evangelim bezeichnet wird. Paulus hat sich immer als Werkzeug in der Hand Gottes verstanden, so wie wir auch unsere eigene Existenz betrachten sollen. Er hat nur weiter gegeben, was er selbst empfangen hat. Der Heilige Geist hat ihn geführt und geleitet bei seinen Predigten, und so ist es nie wirklich „sein” Evangelium gewesen, sondern die Botschaft Gottes durch ihn.
Aber Paulus hat auch immer die Gefahr gesehen, dass dieses Evangelium verfälscht werden könnte. Am 1. Januar [Tag der Namengebung und Beschneidung Jesu, Gal 3, 26-29] haben wir davon gehört, dass bei den Galatern Prediger waren, die meinten, der Gemeinde ihre durch Christus neu gewonnene Freiheit wieder nehmen zu müssen, indem sie ihnen Verhaltensregeln gaben, an die sie sich halten müssten, um gute oder gar richtige Christen zu sein.
Und auch im Römerbrief findet sich kurz vor unserem Predigttext eine Warnung vor Irrlehrern: nehmt euch in Acht „vor denen, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt...” (Röm 16, 17)
Christen werden wir nicht durch die Einhaltung bestimmter Regeln oder Gesetze, sondern durch die Zuwendung zu Gott, der uns nur ein Gesetz mit auf den Weg gegeben hat: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.” (Mt 22, 36-39 i.A.)
Wie dies umzusetzen ist, das wird uns der Heilige Geist zeigen, denn der ist nicht nur den Predigern der frühen Christenheit vorbehalten – er wirkt in uns allen, wenn wir ihn nur lassen.
Es geht also um das reine, befreiende Evangelium Jesu Christi, das durch die Predigt verkündigt wird und so, wie Paulus sagt, ein Geheimnis offenbart.
Dieses Geheimnis war von Anbeginn, wenn man angesichts des Ewigen überhaupt von einem Anfang reden kann, existent; es war ein Geheimnis Gottes, das er aufbewahrt hatte, um es, wenn die Zeit erfüllt wäre, den Menschen zugänglich zu machen.
Nun wüssten wir natürlich gerne, was dieses Geheimnis ist, das offenbar durch die Predigt von Jesus Christus allen zugänglich gemacht wurde und wird, und werden doch ein bisschen enttäuscht, denn da finden wir nichts.
Dass Paulus da nicht konkreter wird, liegt sicher zum einen daran, dass er es schon oft genug geworden ist und auch zu Beginn des Römerbriefes wurde:
Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben... Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben.” (Röm 1, 16f i.A.)
Es geht doch immer um die Botschaft von dem, was wir im Glaubensbekenntnis verkünden:
Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Das wird immer ein Geheimnis bleiben denen, die nicht glauben wollen oder können, weil sie es mit dem Verstand begreifen möchten, denn hier gibt es nichts zu begreifen. Es ist einzig der Glaube, der das Geheimnis offenbart und entschlüsselt, und darum kann es auch nicht anders gepredigt werden als wie ein Geheimnis.
Der Glaube wird es empfangen und entschlüsseln, er wird das Geheimnis vom Handeln Gottes an uns Menschen offenbaren und tut es natürlich auch jetzt, heute und hier.
So wie Paulus es am Anfang seines Briefes recht deutlich sagt, verbirgt sich auch in unserem Predigttext ein Hinweis auf etwas, was diesem Geheimnis innewohnt: es ist eine ungeheure Kraft, die uns gewissermaßen unter die Arme greift und hilft, all das zu bewältigen und zu überwinden, was uns zu überwältigen scheint. Gott ist an unserer Seite – das ist ein wesentlicher Teil der Botschaft des Evangeliums. Er weicht nicht von uns, sondern geht mit uns, und wo wir selbst nicht mehr die Kraft haben, weiter zu gehen, da trägt er uns.
Wir sind immer geborgen in den Händen Gottes – das ist ein Geheimnis des Glaubens, das schon viele Menschen verwundert und mitunter auch entwaffnet hat, dann nämlich, wenn ein Mensch das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe auch dann noch umzusetzen bereit war, wenn er damit sein eigenes Leben aufs Spiel setzte.
Das ist die Kraft, von der Paulus redet und die uns allen vermittelt wird – durch den Glauben an den Auferstandenen.
So tun wir, indem wir heute hier zum Gottesdienst versammelt sind, voller Dankbarkeit, wozu uns unser Predigttext heute aufruft:
Wir geben Ehre dem Gott, der allein weise ist, durch Jesus Christus!
Amen

Lied: Wunderbarer König, Herrscher von uns allen (EG 327)


Liedvorschläge zur Predigt:

Wunderbarer Gnadenthron (EG 38)
Kommt und lasst uns Christus ehren (EG 39)
Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)
Allein Gott in der Höh sei Ehr (EG 179)
Laudate omnes gentes (EG 181, 6)
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all (EG 293)

Zuletzt überarbeitet: 08 April 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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