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Advent

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2. Sonntag im Advent
Der kommende Erlöser - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Jes 63, 15-16 (17-19a) 19b; 64 1-3
Rev. 2014: Jes 63, 15 - 64, 3 (IV)

Diese Predigt wurde in zwei Teile geteilt, in der Mitte spielte ein Flötenensemble. Dies kann natürlich den Gegebenheiten angepasst werden (anstatt Fölöten Orgel, oder auch gar keine Unterbrechung).

Liebe Gemeinde!
Noch gibt es Lebkuchen und Spekulatius zu kaufen, auch Schokoladenweihnachtsmänner sind in den Regalen zu finden. Aber die Vorräte schwinden, in manchen Geschäften sind die ersten Weihnachtsgebäcke, die bereits seit September angeboten wurden, schon nicht mehr zu haben.
Man merkt: langsam wird die Produktion auf Oster-Süßigkeiten umgestellt. Denn die Zeit vor Ostern ist ja nicht gerade lang – diesmal sind es nur gerade mal drei Monate nach Epiphanias. Die Zeit vor Ostern ist kürzer als die Zeit vor Weihnachten. Dabei ist die Zeit gemeint, die geschäftlich im Blick auf Weihnachten genutzt werden kann – eben durch den Verkauf von Weihnachtsgebäck.
Gott sei Dank gibt es wenigstens dieses Hemmnis, das Weihnachtsfest, sonst könnte man jetzt schon Schokolade-Osterhasen, Zuckereier und was es sonst so alles an Ostersüßigkeiten gibt, unterm Weihnachtsbaum finden.
Aber weil da nun mal Weihnachten ist, hält man sich – bisher? – mit dem Verkauf zurück.
Aber, wie gesagt: wenn erstmal Weihnachten ist, sind Spekulatius, Pfeffernüsse und all die anderen Weihnachtsleckereien höchstens noch im Ausverkauf zu haben, in den meisten Läden aber wohl nicht mehr. Dabei beginnt dann doch eigentlich erst die Festzeit, in der man sich mit solchen Leckereien eine Freude bereiten kann.
Das Kirchenjahr hat eine klare Struktur, die durchaus hilfreich ist für die eigene Lebensgestaltung. In der Zeit, in der das Weihnachtsgebäck bereits in den Läden zum Kauf angeboten wird, gibt es eine Reihe von Festen, die nur noch wenig von der städtischen Bevölkerung wahrgenommen werden, aber ihre je eigene Gestalt und Bedeutung haben.
Da ist das Erntedankfest – Gott Dank sagen für die Gaben, von denen wir satt werden. Dieses Fest führt ein Schattendasein, auch wenn wir unsere Kirchen festlich schmücken. Wer außer den Kirchgängern nimmt es noch wirklich wahr?
Das gleiche gilt wohl auch für das Reformationsfest. Da werden die Gemüsehändler zwar jede Menge Kürbisse los, und so manches Kostüm wandert über den Ladentisch, aber Reformationsfest?
Dass die Entstehung der protestantischen Kirche ein Grund zum Feiern – und zum Danken – ist, ist wohl den wenigsten bewusst. Sonst hätte Halloween wohl doch nicht so leichtes Spiel gehabt.
Dann ist da das Ende des Kirchenjahres. Wir gedenken unserer verstorbenen Gemeindeglieder, und viele nehmen diesen Tag zum Anlass, die Gräber ihrer Lieben für den Winter vorzubereiten.
Aber den Weg in die Kirche finden dann doch nicht so viele, obwohl es sicher ganz gut täte, sich seiner eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden, und sich zugleich aufgehoben zu wissen in der großen Gemeinschaft aller Heiligen, zu der wir doch durch die Taufe gehören.
Erst dann beginnt der Advent.
Ich erinnere mich, dass wir als Kinder erst am Nikolaustag einen Teller mit Obst und Keksen bekamen, einen Vorgeschmack auf das Christfest, aber das war dann unsere ganze Ration an Süßigkeiten bis zum Heiligabend! Der Stollen, den unsere Tante aus dem Erzgebirge nach uraltem Rezept gebacken und uns per Post geschickt hatte, wurde natürlich erst nach Heiligabend angeschnitten.
Und das hat einen Grund: Die Adventszeit ist Vorbereitungszeit. Vorbereitung auf das Christfest. Es ist Zeit, in sich zu gehen und darüber nachzudenken, was dieses Kind in der Krippe, dessen Geburtstag wir am 25. Dezember feiern, für mein Leben bedeutet, und auch darüber, warum Gott Mensch wurde.
Die Spannung, die wir als Kinder erlebten, bis endlich das Christfest da war, war enorm. Es war eine wunderbare Zeit, voller Erwartung, voller Sehnsucht, voller Hoffnung.
Eine solche Spannung erleben wir heute kaum noch. Man hat den Eindruck, dass es es nur darum geht, den Umsatz zu erhöhen, immer noch ein bisschen mehr Gewinn zu machen als im Vorjahr. Das Besondere dieser Zeit ist längst verloren.
Nur in unseren Gottesdiensten erleben wir noch etwas davon, und auch das nur spärlich: es fällt das „Ehre sei Gott in der Höhe” weg.
Wir stimmen nicht mehr mit ein in den Gesang der Engel, die damals den Hirten die frohe Botschaft verkündigten: Euch ist heute der Heiland geboren! Denn wir wären dessen nicht würdig, wenn Gott nicht Mensch geworden wäre, um uns von unserer Schuld zu befreien.
Doch davon wird, wie gesagt, kaum etwas wahrgenommen. Es ist nicht Vorbereitungszeit, sondern Vorweihnachtszeit, in der der Einzelhandel bekanntermaßen den größten Umsatz macht. Anstatt Gott in dieser Zeit näher zu kommen, entfernen wir uns immer weiter von ihm.
Dem Propheten Jesaja ging es damals genauso. Es gab zwar damals keine Schokoladenweihnachtsmänner usw., aber den Menschen war der Umsatz wichtiger als der Weg zu Gott und mit Gott. Die Armen wurden dabei noch ärmer, die Reichen wurden immer Reicher, und denen, die es brauchten, verweigerte man die Hilfe.
Das kommt uns bekannt vor. Heute ist es ja nicht anders. Die Kluft zwischen den Armen und Reichen wird ständig größer, und während wir uns hier noch um den Erhalt eines gewissen Lebensstandards zu bemühen, verhungern in anderen Ländern stündlich hunderte von Menschen. Das ist eine Schieflage, die eigentlich unerträglich sein müsste für alle Menschen, und dennoch wird kaum etwas getan, weil die Wirtschaftlichkeit allen Handelns an erster Stelle steht.
Und darum ruft der Prophet in seiner Klage zu Gott: „Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Deine große, herzliche Barmherzigkeit hält sich hart gegen mich. ? Du, HERR, bist unser Vater; »Unser Erlöser«, das ist von alters her dein Name. Warum lässt du uns, HERR, abirren von deinen Wegen und unser Herz verstocken, dass wir dich nicht fürchten?”
Lasst uns an dieser Stelle innehalten und selbst dieser Frage nachgehen, während wir von den Flöten etwas Musik hören.

Flötenmusik

„Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen, [64,1] wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten, wenn du Furchtbares tust, das wir nicht erwarten – und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen!”
Jesajas Enttäuschung über das Handeln des Gottesvolkes ist so groß, dass er mit eindrücklichen Worten Gott zum Eingreifen auffordert. Aber seine Aufforderung ist so drastisch, dass man ihm zurufen möchte: „Moment mal, nicht so hastig! Hörst Du Dir überhaupt zu? Weißt Du, was das bedeutet? Es wäre doch auch dein eigenes Ende! Willst Du das wirklich?”
Jesaja will es aus ganzem Herzen. Aus tiefster Seele ruft er Gott zu, dass er seine Macht aller Welt sichtbar machen soll.
Sein eigenes Schicksal ist ihm dabei nicht egal. Aber er weiß, dass für den, der sein Vertrauen auf Gott setzt, selbst die größte Gewalt nichts Zerstörerisches haben kann.
Und hier geht es ja um Gott. Jesaja fordert Gott auf, in diese Welt hinein zu kommen und den Menschen seine Herrlichkeit erfahrbar zu machen so, dass es alle begreifen!
Doch er will das nicht, damit sie alle sterben, sondern damit sie sich bekehren und letztlich doch wieder den Weg zu und mit Gott finden.

Wenn wir beten, dann neigen wir oft dazu, die Formulierung, die nach den Evangelien Jesus selbst gesprochen hat, mit einzufügen: nicht mein, sondern dein Wille geschehe.
Diese Worte führen dann aber oft auch dazu, dass man das Gebet als überflüssig ansieht. Wenn mein Wünschen, mein Sehnen, mein Hoffen dadurch relativiert wird, dass das, was ich erbitte, evtl. gar nicht dem Willen Gottes entspricht, wozu soll ich dann noch um etwas bitten? Gott wird ja schon seinen Willen durchsetzen – irgendwann.

Dagegen macht uns Jesaja vor, wie das Gebet dessen, der Gott vertraut und von ihm alles erwartet, aussieht. In dem Gebet liegt alles Sehnen und Hoffen, auch alle Verzweiflung, die ihn selbst überkommen hat. Es gibt keine Einschränkung, außer der, Gottes Größe unter keinen Umständen kleinzureden.
„Yes, we can!” - Ja, wir können – das ist die Parole des US-amerikanischen Präsidenten gewesen. Jesajas Parole würde wohl lauten: „Yes, God can!” - Ja, Gott kann! Ich traue ihm alles zu und verlasse mich ganz darauf, dass er diese Welt in seiner Hand hält, dass er das Schicksal eines jeden Menschen kennt, dass er eingreift in den Lauf dieser Welt auf wunderbare, ja, vielleicht auch erschreckende Weise.
„Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohltut denen, die auf ihn harren.”
Es ist die Zeit des Advent. Vorbereitung auf das Christfest, Vorbereitung auf das Kommen Gottes in diese Welt.
Mehr hätte Gott wohl nicht tun können, und doch hat es die Welt nicht so richtig glauben können, glauben wollen. Es war dann ja auch nicht sonderlich spektakulär, denn wenn Gott Mensch wird, dann wird er es durch und durch.
Ein Mensch wie du und ich, ein unscheinbares Baby, irgendwo im Stall in Bethlehem, am Rande der Gesellschaft, irgendwann.
In jeder Sekunde werden irgendwo auf der Welt mehr als zwei Menschen geboren, in einer Minute sind es schon rd. 160 Menschen. Warum sollte dieses eine Kind da irgendwelche Aufmerksamkeit erregen?
Und doch ist es das größte Wunder, das wir uns vorstellen können, es ist das wunderbare Handeln Gottes an uns Menschen. Gar nicht zerstörerisch, sondern wohltuend und voller Gnade.
Wir haben nicht nur heute Grund, Gott um sein Kommen zu bitten. Denn diese Welt braucht die Erlösung, sie braucht Gott. Und Gott will unser Gebet, er will, dass wir mit ihm rechnen, dass wir ihn ernstnehmen als den Allmächtigen, der so wohltut denen, die auf ihn harren.
Darum lasst uns um sein Kommen bitten in dem festen Vertrauen, dass er, der schon gekommen ist, kommen wird, so wie er es gesagt hat.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:


*Nun komm, der Heiden Heiland (EG 4)
*Gottes Sohn ist kommen (EG 5)
*Ihr lieben Christen, freut euch nun (EG 6 - Wochenlied!)
O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7)
Wie soll ich dich empfangen (EG 11, 1.4-8.10)
Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152)

Zuletzt überarbeitet: 19 November 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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