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2. Sonntag im Advent
Der kommende Erlöser - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Das Thema des 2. Sonntags im Advent wendet sich jetzt dem erlösenden Aspekt Gottes zu, nachdem am 1. Sonntag im Advent die Macht des Herrschers im Vordergrund stand. Der Erlöser wirkt auf vielerlei Weise - wiederum durch Macht, oder durch den Opfertod am Kreuz. Das Kommen wird aber auch als Erlösung von den Leiden dieser Welt angesehen, d.h. der Herr, wenn er kommt, wird endlich ein Ende machen mit der hiesigen Trübsal (Epistel).
Ab diesem Sonntag entfällt das "Gloria in excelsis".

Zu den Perikopen

  1. Lk 21, 25-33
    Rev. 2014: Jes 35, 3-10 (s. Reihe V)

    Dies ist nun einer von den Texten, den sich gerne Menschen holen, die Beweise für ihre Theorie suchen, dass die Welt bald untergehen wird - oder dass Gott bald sein Gericht halten wird. Denn die vielen Zeichen an Sonne (Finsternisse), Mond und Sternen (Leoniden) gibt es ja schon, den Völkern (Irak, USA, Afghanistan usw.) wird bange, die Kräfte der Himmel kommen ins Wanken (Überflutung der Elbe, Dürre und Regenperioden verschieben sich) - kurz: es geht rund in unserer Welt! Sollten das nicht Zeichen für das unmittelbar bevorstehende Ende sein?
    Aber Jesus führt diese Zeichen nur deswegen an, weil sie von jeher für Untergangsstimmung sorgten. Eine verfinsterte Sonne war nun mal unheimlich, solange man nicht wusste, warum sie sich verfinstert. Eine drohende Kriegsgefahr konnte einem Angst und Bange machen, denn oft wurden die Unterlegenen zu Sklaven oder mussten hohe Abgaben entrichten, usw.
    Ein Kriterium nennt Jesus, das aber bisher noch niemand so bestätigen kann: sie werden "sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.". (Vers 27)

  2. Jak 5, 7-8
    Rev. 2014: Offb 3, 7-13 (s. Reihe VI)

    Beim Lesen dieses Verses klingt der 2. Teil des 2. Satzes aus dem Deutschen Requiem von Brahms im Ohr. Der Schreiber des Briefes will zum Warten ermutigen, indem er den Christen das Beispiel des Bauern vorhält, der auf ähnlich unberechenbare Ereignisse wie den Frühregen und Spätregen wartet. Dennoch weiß er, dass der Regen kommen wird.
    Weiter strapazieren lässt sich dieses Beispiel nicht. Man könnte durchaus fragen: was, wenn der Regen ganz ausbleibt? Oder wenn er so heftig fällt, dass er die Saat zerstört? Außerdem: Der Bauer kann sich seine Zeit einteilen und andere Dinge machen - er sitzt nicht dabei und wartet, denn er weiß, wann es so weit ist, dass seine Aufmerksamkeit wieder nötig ist. All dies sind Dinge, die den Vergleich aus seinen Grenzen zerren.
    Es geht hier um das Warten. Der Vergleich mit dem Bauern macht deutlich: das Warten ist unausweichlich, es gehört zum Christsein dazu. Aber es gibt auch eine Gewissheit, dass das Warten ein Ende haben wird, weil das Ziel der Erwartung kommen wird.
    Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Aufforderung, die Herzen zu stärken. In der predigt könnte man überlegen, wie dies aussehen kann. Wodurch stärken wir unsere Herzen? Ist es das Entspannen vor dem Fernseher? Ein Spaziergang im Wald? Das Gespräch mit anderen? Ein gutes Buch? Jakobus zielt sicher darauf hin, dass man sich Stärkung untereinander, also in der Gemeinschaft, verschafft. Das Hören auf die Geschichten von Jesus kann ermutigen. Denn alles andere lenkt ja letztlich doch von dem Ziel des Wartens ab.
    Übrigens ist es duchaus angemessen, anstat "liebe Brüder" die inklusive Form "liebe Geschwister" zu verwenden. Nötig ist es allerdings nicht, denn die Schwestern sind immer mit eingeschlossen und angesprochen. Dies muss man aber evtl. erklären, sitzen doch überwiegend Frauen unter der Kanzel.

  3. Mt 24, 1-14
    Rev. 2014: Jak 5, 7-8(9-11) (Epistellesung - s. auch Reihe II)

    folgt später

  4. Jes 63, 15-16 (17-19a) 19b; 64 1-3
    Rev. 2014: Jes 63, 15 - 64, 3

    Dieser Text ist voller Erwartung des Kommens Gottes als Richter - freilich nur über "die anderen". Der Verfasser fühlt sich verlassen und einsam, weiß aber, dass Gott mächtig ist und ihn aus dem Elend, in dem er sich zur Zeit befindet, herausreißen kann. Der letzte Satz ist wohltuend: Gott tut wohl denen, die auf ihn harren. Oftmals möchten wir unser Schicksal in die eigene Hand nehmen - wenn wir es Gott "überlassen", können wir seine Wohltaten erwarten. Es mag Spaß machen, über diese Wohltaten zu phantasieren...
    Es ist die Situation des Exils des Volkes Israel, das kurz vor dem Ende steht. Das Heiligtum ist zerstört, die Israeliten sind bedeutungslos geworden. Der Inhalt dieser ausgeklammerten Verse 17-19a ist für das Verstehen des Textes so wichtig, dass ich unbedingt empfehle, sie auch in die Predigt einzubeziehen. Denn es ist ebenfalls wichtig, zu erkennen, dass die Gottesferne, wie sie das Volk Israel erlebt hat, dazu führen kann, Gott zu vergessen. Dem steht der letzte Satz der Perikope gegenüber. Denn eines ist offensichtlich: Wie mächtig Gott ist, ist wohl bekannt. Nun geht es nur darum, dass er auch die Erlösung derer wirkt, von denen er sich entfernt hat.
    Die Erlösung, von der hier gesprochen wird, ist sehr materialistisch. Deswegen halte ich es für angebracht, einen ähnlichen "Materialismus" auch in der Predigt zu vertreten. Wir sollen, ja müssen damit rechnen, dass Gott sich wieder erlösend "beweisen" wird, indem er vollendet, was er durch Jesus Christus schon bewirkt hat: die Erlösung der Welt, der ganzen Menschheit und aller Kreatur.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang macht uns aber auch deutlich: es geht hier um das Kommen des Kindes in der Krippe. Der Erlöser bewirkt unsere Erlösung nicht durch die im Predigttext beschriebenen Katastrophen und Machtbeweise. Diesen Widerspruch sollte man nicht aufzulösen versuchen, denn beide Aspekte sind wichtig: die materielle Erlösung wie auch die geistliche Erlösung, die das Kind bewirkt hat. Aber wenn wir mit materieller Erlösung, d.h. einer Verbesserung dieser Welt, rechnen, dann können wir das nur, indem wir uns selbst daran beteiligen, d.h. indem wir selbst aktiv werden. Die materielle Erlösung folgt aus der Erlösung, die wir im Glauben erfahren - sie ist aber unabdingbare Konsequenz. Somit wäre es falsch, das Eingreifen Gottes zunehmend gelangweilt zu erhoffen. Vielmehr hat Gott ja schon eingegriffen und erwartet jetzt nur noch unsere Antwort.

  5. Jes 35, 3-10
    Rev. 2014: Hld 2, 8-13

    Wieder eine Prophetie, deren Erfüllung auf sich warten lässt und die zunächst nicht uns meint. Vielleicht nimmt Jesus auf Ausschnitte aus diesem Text (Verse 5+6) Bezug, wenn er in Lk 7,22 auf die Anfrage der Jünger Johannes des Täufers antwortet, ob er der Messias sei. Dadurch würde natürlich dieser Text für uns sogleich relevant werden. Er tut es aber auch ohne diesen neutestamentlichen Bezug, denn unser aller Sehnsucht richtet sich ja auf das Heil, das unserer Welt endlich den lang ersehnten Frieden und ewige Freude schenkt.
    Vers 10 ist vielen vielleicht bekannt durch die Aufnahme dieses Textes in das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. Interessant ist der Hinweis auf den "Heiligen Weg" (Vers 8-9). Dieser Weg zeichnet sich ganz besonders aus dadurch, dass er nur von Reinen und den Erlösten betreten wird. Auch die wilden Tiere halten sich an diese Regel. Wo er hinführt, bleibt offen. Verstehen lässt sich dieser Hinweis wohl erst, wenn man auch die ersten 2 Verse des Kapitels betrachtet: es wird hier in unserer Perikope eine Welt beschrieben, die aus der Wüste hervorgeht, also aus dem Land, das Symbol für Tod und Vernichtung ist. Und in dieser neuen Welt des Lebens, die die Welt des Todes ersetzt, wird es einen solchen Weg geben.
    Automatisch stellt sich die Frage, was mit denen ist, die unrein und nicht erlöst sind. Aber mit dieser Frage befasst sich die Perikope nicht. Denn hier werden Menschen angesprochen, die weder unrein noch unerlöst sind. So geht es uns auch im Gottesdienst.
    Unbehagen bereitet der Vers 4, in dem Gottes Kommen "zur Rache" angekündigt wird. An wem sollte er sich rächen? Hier ist sicherlich ein geschichtlicher Bezug zu erkennen, der für das Volk Israel von Bedeutung ist: Rache an den Völkern, die das Volk Gottes unterdrückt, zerstört und aus seiner Heimat geführt haben. Diesem Vers sollte daher kein großes Gewicht beigemessen werden - falls doch, dann nur darum, um den geschichtlichen Zusammenhang aufzuklären.
    Es bleibt weiter das Problem, dass dies auch für uns eine Zukunftsvision ist. Dieses Heil können wir noch nicht erkennen, es ist noch nicht greifbar geworden, zumindest nicht so, wie es hier beschrieben wird.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist nicht ganz einsichtig. Natürlich ist hier von Erlösung die Rede, aber nicht vom Erlöser - eher wird noch vom Rächer gesprochen. Möglich wird der Zusammenhang, wenn man eben auch die Verbindung mit der Perikope in Lk 7 herstellt, wo Jesus selbst über sich aussagt, dass er der Erlöser ist, der dies alles geschehen lässt.
    Wichtig ist freilich, in der Predigt darauf hinzuweisen, dass hier mehr Hoffnung als Realität beschrieben wird. Wir wissen zwar, dass der Erlöser schon zu uns gekommen ist, aber dieser Zustand existiert noch nicht so, wie wir es uns wünschen und wie er in diesem Text beschrieben wird, es sei denn, man legt alles allegorisch aus, was zutiefst problematisch wäre, weil dadurch das biblische Wort schnell an Glaubwürdigkeit verlieren kann. Der beste Weg scheint mir, diese Vision zu unserer eigenen zu machen, so wie es das Volk Israel damals tat: es wird eine Zeit geben, in der wir als die Erlösten nach Zion kommen werden mit Jauchzen. Es wird eine Heimkehr sein, wie wir sie uns jetzt nicht vorstellen können. Wohin? Wo ist unser Zuhause, wenn nicht bei Gott?
    So wird letztlich die Predigt dies zum Ausdruck bringen: nicht nur unser Erlöser kommt zu uns, sondern wir kommen zu ihm, er hat uns schon auf den Weg gebracht. Und dieser Weg ist der Heilige Weg, von dem in diesem Text die Rede ist. Solange wir unsere Erlösung durch Jesus Christus festhalten, werden wir auf diesem Weg wandeln.

  6. Offb 3, 7-13
    Rev. 2014: Lk 21, 25-33 (Evangeliumslesung)

    Die sieben Sendschreiben haben sicherlich keinen historischen Bezug, sondern stellen eine Art Gemeindespiegel dar: Möglichst viele Variationen des Gemeindelebens werden hier nicht nur vorgestellt, sondern auch bewertet. Dabei werden alle bisher gemachten Erfahrungen verarbeitet, die meisten stammen aus der Verfolgungssituation. Dass diese Sendschreiben ein Bild von den jeweils angeschriebenen Gemeinden vermitteln, ist kaum anzunehmen.
    Jeder Leser aber wird sein eigenes Verhalten in diesen Sendscheiben wiedererkennen. Die erfolgte Bewertung wird ihn dann hoffentlich zu einer Konsequenz führen.
    Ein Sendschreiben aus diesen sieben auszuwählen und zu bedenken, ist zwar angesichts der Bandbreite, die mit allen sieben abgedeckt wird, durchaus akzeptabel, widerspricht aber wohl dem Anliegen des Autors der Offenbarung. Immerhin kommt nächste Woche das Schreiben an die Gemeinde Sardes dran (Offb 3, 1-6), so dass dieses Schreiben nicht ganz allein stehen muss. Außerdem hilft uns der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang, zu dem dieser Text durchaus passt.
    Das Sendschreiben wendet sich an die Gemeinde in Philadelphia, die offenbar nur eine kleine Kraft hat, aber mit dieser Kraft standhaft allen Versuchungen widersteht, sich im guten Sinne abgrenzt und zu ihrem Glauben steht. Interessant ist, dass offenbar Gott selbst "einige aus der Synagoge des Satans" schicken wird - aber um letztlich ja auf die Knie zu fallen vor den Mitgliedern dieser Gemeinde. Gott macht vielmehr das Versprechen, diese kleine, schwache Gruppe vor der Stunde der Versuchung zu bewahren. Die Zusage des baldigen Kommens ist verknüpft mit der Aufforderung, an dem oder das festzuhalten, was die Gemeinde bereits hat. Aus der kleinen Kraft wird offenbar eine große Kraft werden: Aus dieser Gemeinde wird eine Säule des Tempels werden, auf der Namen geschrieben sind, die Namen Gottes, des neuen Jerusalems und dessen, der sie durch dieses Schreiben anspricht. Dieses Beschreiben mit einem Namen (hier ja sogar mit dreien) ist eine Form der Inbesitznahme, die wir durchaus kennen. Von Gott in Besitz genommen zu werden, stellt sicherlich eine große Ehre dar.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang wird hergestellt durch den Vers 11. Der Erlöser ist auf dem Weg, aber es ist wichtig, festzuhalten, was bereits da ist, und es nicht aufzugeben: den Glauben. Doch das sollte leicht fallen angesichts dieser klaren Zusage des Kommens des Heilandes.
    Vorsicht ist geboten bei der Predigt: man lasse sich nicht hinreißen von der Fülle der Bilder, die hier verwendet werden, indem man jedem Bild einen neuen Namen gibt. Dieses Sendschreiben ist in seiner Diktion eigentlich recht deutlich: es geht darum, den Glauben zu erhalten, zu diesem Glauben zu stehen, auch wenn es manchmal schwerfällt. Heute schweben wir nicht in Lebensgefahr - wir "leiden" eher unter den Konsequenzen der Aufklärung, die jeden Gläubigen mitleidig belächelt, aber die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens bis heute schuldig geblieben ist.



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  • Zuletzt überarbeitet: 19 November 2015
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