Das Thema des 2. Sonntags im Advent wendet sich jetzt dem erlösenden Aspekt Gottes zu, nachdem am 1. Sonntag im Advent
die Macht des Herrschers im Vordergrund stand. Der Erlöser wirkt auf vielerlei Weise - wiederum durch Macht, oder durch den Opfertod am Kreuz. Das Kommen wird
aber auch als Erlösung von den Leiden dieser Welt angesehen, d.h. der Herr, wenn er kommt, wird endlich ein Ende machen mit der hiesigen Trübsal (Epistel).
Ab diesem Sonntag entfällt das "Gloria in excelsis". II - Jak 5, 7-8
So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei
geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. 8 Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn
das Kommen des Herrn ist nahe. Beim Lesen dieses Verses klingt der 2. Teil des 2. Satzes aus dem Deutschen Requiem von Brahms im Ohr. Der Schreiber
des Briefes will zum Warten ermutigen, indem er den Christen das Beispiel des Bauern vorhält, der auf ähnlich unberechenbare Ereignisse
wie den Frühregen und Spätregen wartet. Dennoch weiß er, dass der Regen kommen wird.
Weiter strapazieren lässt sich dieses Beispiel nicht. Man könnte durchaus fragen: was, wenn der Regen ganz ausbleibt? Oder wenn er so heftig
fällt, dass er die Saat zerstört? Außerdem: Der Bauer kann sich seine Zeit einteilen und andere Dinge machen - er sitzt nicht dabei und
wartet, denn er weiß, wann es so weit ist, dass seine Aufmerksamkeit wieder nötig ist. All dies sind Dinge, die den Vergleich aus seinen
Grenzen zerren.
Es geht hier um das Warten. Der Vergleich mit dem Bauern macht deutlich: das Warten ist unausweichlich, es gehört zum Christsein
dazu. Aber es gibt auch eine Gewissheit, dass das Warten ein Ende haben wird, weil das Ziel der Erwartung kommen wird.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Aufforderung, die Herzen zu stärken. In der predigt könnte man überlegen, wie dies aussehen
kann. Wodurch stärken wir unsere Herzen? Ist es das Entspannen vor dem Fernseher? Ein Spaziergang im Wald? Das Gespräch mit
anderen? Ein gutes Buch? Jakobus zielt sicher darauf hin, dass man sich Stärkung untereinander, also in der Gemeinschaft, verschafft.
Das Hören auf die Geschichten von Jesus kann ermutigen. Denn alles andere lenkt ja letztlich doch von dem Ziel des Wartens ab.
Übrigens ist es duchaus angemessen, anstat "liebe Brüder" die inklusive Form "liebe Geschwister" zu
verwenden. Nötig ist es allerdings nicht, denn die Schwestern sind immer mit eingeschlossen und angesprochen. Dies muss man aber
evtl. erklären, sitzen doch überwiegend Frauen unter der Kanzel.
Liedvorschläge:*Ihr lieben Christen, freut euch nun (EG 6) O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7)
Ihr Armen und Elenden (EG 9, 5-6) *Mit Ernst, o Menschenkinder (EG 10) Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16) Die Anregungen für alle Predigtreihen
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