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22. Sonntag nach Trinitatis
Vergib uns unsere Schuld* - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Predigten

Der 22. Sonntag nach Trinitatis befasst sich mit Schuld im weiteren Sinne, bekommt aber sein Thema vom Gleichnis vom "Schalksknecht", das die Bitte des Vaterunsers "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" deutlich unterstreicht. Andere Aspekte der Schuld, die an diesem Sonntag durch die Perikopen angesprochen werden, sind die der Sündenvergebung und -bindung (!) durch die Nachfolger Jesu, der unbedingten Sündhaftigkeit des Menschen, selbst gegen seinen Willen, durch das Gesetz, und die der Unfähigkeit des Menschen, seine Schuld wieder gutzumachen. Die Vielschichtigkeit von Schuld macht es unmöglich, dieses Thema letztgültig abzuhandlen, da man auch immer selbst in der Schuld verhaftet ist und sich damit auch nicht zum Richter über andere erheben kann.

Zu den Perikopen

  1. Mt 18, 21-35
    Rev. 2014: Röm 7, 14-25a (s. Reihe IV)

    folgt später

  2. Phil 1, 3-11
    Rev. 2014: Mi 6, 1-8 (s. auch Reihe V)

    folgt später

  3. Mt 18, 15-20
    Rev. 2014: Mt 18, 21-35 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

    Dieser Predigttext setzt mehrere Schwerpunkte: Es geht zunächst ganz vordergründig um die Zurechtweisung eines Gemeindegliedes. Eine genaue Prozedur wird festgelegt, die helfen soll, zu entscheiden, ob die zu tadelnde Person verdammt werden soll oder ob ihr vergeben wird.
    Der nächste, wichtigere Schwerpunkt ist die Aussage, dass, was die Jünger binden werden, im Himmel gebunden sein wird, und was sie lösen werden, im Himmel gelöst sein wird. Damit bekommen die Jünger eine fast grenzenlose Vollmacht, oder ist es eine Vertrauensansage?
    Davon leitet Jesus über zu dem Versprechen, dass nur zwei genügen, um eine Bitte bei Gott durchsetzen zu können, sofern sie "eins werden", und zu guter Letzt macht er die Zusage, dass er mitten unter denen ist, die in seinem Namen versammelt sind - seien es auch nur zwei oder drei.
    Der Schwerpunkt des Textes scheint auf der Zahl der Menschen zu liegen, die bei Gott Gewicht haben. Es sind ein oder zwei Zeugen, die herzugeholt werden sollen, um ein irregegangenes Mitglied der Gemeinde zurechtzuweisen, und dann zwei, die eins werden, um jede Bitte erfüllt zu bekommen, und schließlich genügen zwei oder drei, um der Gegenwart Jesu gewiss zu sein.
    Das Evangelium für diesen Sonntag folgt dieser Perikope. Davor ist das Gleichnis vom verlorenen Schaf zu lesen. Von dieser Umrahmung her kann man wohl annehmen, dass die Redkation des Lukas den Schwerpunkt der vorliegenden Perikope auf dem Element der Sündenvergebung gesehen hat. Dies würde auch dem kirchenjahreszeitlichen Zusammenhang entsprechen.
    Darum soll hier heute darauf besonders eingegangen werden:
    Da ist also jemand, der gesündigt hat. Er wird als "Bruder" bezeichnet. Diese Bezeichnung deutet darauf hin, dass die Person den gleichen Status hat wie die andere, der Angesprochene ist also keineswegs Vorsteher der Gemeinde, oder höchstens in dem Sinne, dass es jeder andere auch sein könnte, diese Funktion hebt die Person also nicht über die anderen. Der "Ankläger" soll, falls sich die schuldige Person auf seine Zurechtweisung hin nicht ändert, ein oder zwei Zeugen mitbringen, und das ganze noch einmal versuchen. Wenn das erfolglos abläuft, wird die Anklage vor der Gemeinde vorgebracht, und wenn das erfolglos ist, "sei er für dich wie ein Heide und Zöllner". Bedenklich ist bei diesem Verfahren zunächst einmal, dass davon ausgegangen wird, dass der Kläger im Recht ist. Es gibt keine Überprüfung des Vorfalls. Das Heranziehen ein oder zweier Zeugen ist alttestamentlich vorgeschrieben und wurde auch bei Jesus benutzt, um ihn zu verurteilen. Dem Missbrauch scheint also Tor und Tür geöffnet. Die Konsequenz, für den Fall, dass der Angeklagte nicht nachgibt, ist bitter: er wird verstoßen. Eine Methode, die gänzlich dem christlichen Glauben, der aus der Vergebung heraus handelt, widerspricht.
    Die nachfolgende Aussage ist brisant: "Was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein." Die darin liegende Macht ist enorm, sie setzt den Menschen (wieder) an Gottes Stelle, macht ihn zum Vollstrecker. Dürfen wir diese Vollmacht überhaupt nutzen? Zur Vergebung gewiss, aber zur Verdammung? Muss unser Gebet und unser Leben nicht immer der Rettung der Menschen dienen, die uns nahe gebracht werden, auch und gerade wenn sie völlig verhärtet erscheinen?
    In dem Zusammenhang können die folgenden Verse (19-20) wieder Bedeutung gewinnen: Gott macht die Zusage, dass da, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist, und dass denen, die sich eins sind, alle Bitten erfüllt werden. Könnten, ja sollten diese Bitten nicht die sein, jenen Menschen auf den richtigen Weg zu führen und uns dabei zu helfen, ihn auf den Weg zu geleiten?

  4. Röm 7, 14-25a
    Röm 7, 14-25a; (8,2) (W)
    Rev. 2014: 1. Joh 2, (7-8)9-14(15-18) (Epistellesung - s. Reihe VI)

    folgt später

  5. Mich 6, 6-8
    Rev. 2014: Jes 44, 21-23

    folgt später

  6. 1. Joh 2, (7-11) 12-17
    Rev. 2014: Mt 18, 15-20 (s. Reihe III)

    Wie meist üblich, schließe ich gerne die Klammern in den Predigttext mit ein, das heißt auch in diesem Fall, dass die Verse 7 bis 11 dazugehören, auch schon deswegen, weil der verbleibende Text recht problematisch werden kann, wenn er für sich steht.
    Dieser Text ist schon etwas merkwürdig. Da schreibt Johannes von einem neuen Gebot, aber der nachfolgende Text scheint gar kein neues Gebot zu enthalten. Man könnte unter Umständen das Gebot ableiten, das als Überschrift gesetzt wurde: die Bruderliebe. Vielleicht bezieht sich dieser erste Satz der Perikope aber entgegen der Einteilung des Textes noch auf das Vorhergehende? Denn da wird ein Gebot ganz deutlich genannt: "Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat." Hier wäre als das Leben nach dem Vorbild Jesu gemeint.
    Sollte sich dieser erste Vers der Perikope auf dieses Gebot beziehen, müsste man wenigstens auf dieses umfassendere Gebot als das der Geschwister- (Bruder-) liebe hinweisen. Für diese These spricht jedenfalls auch der Verweis auf das, was zurückliegt, wobei hier wohl eher die Worte Jesu gemeint sind. Wiewohl das Gebot, von dem Jesus geredet hat, alt ist, bricht mit ihm doch eine neue Zeit an - das will Johannes zum Ausdruck bringen, wenn er sagt, dass das "alte Gebot", das er verkündigt, eben doch ein neues ist. Diese neue Zeit wird im dualistischen Sinn als Zeit des Lichtes angesehen, während die Zeit davor die Zeit der Finsternis ist. Dabei ist der Begriff "Zeit" nicht linear zu verstehen, sondern im Sinne von Zeitalter, Äon, wovon mehrere durchaus zeitlich parallel verlaufen können. Die einen leben noch im Zeitalter der Finsternis, die anderen schon im Zeitalter des Lichts. Dann ist es ganz einfach: Wer seine Schwester oder seinen Bruder liebt, lebt bereits im Zeitalter des Lichtes - wer seine Schwester oder seinen Bruder hasst, lebt hingegen im Zeitalter der Finsternis.
    Auf diesem Hintergrund baut nun der eigentliche Predigttext, die Verse 12-17, auf. Es scheint dies eine Art Haustafel zu sein, es werden allerdings nur die Kinder (Jungen), junge Männer und Väter angesprochen. Frauen scheint es in der Welt des Johannes nicht zu geben.
    Auch dieser Abschnitt erscheint äußerst merkwürdig: Hier wird eigentlich nur festgestellt, an wen Johannes geschrieben hat, und dabei auch gleich eine Begründung mitgeliefert. Diese Begründung besteht in Aussagen über den Glauben der Angeschriebenen: Den kennen, der von Anfang an ist - den Bösen überwinden - die Vergebung der Sünden empfangen. Dabei steht die Vergebung am Anfang und ist den Jungen zugesprochen (Jung im Sinne von Alter). Daraus erwächst der Glaube, der stark macht - die jungen Männer überwinden den Bösen. Und schließlich entsteht die Glaubensgewissheit, die man mit der Kenntnis dessen, der von Anfang an gewesen ist, umschreiben kann. Interessant ist, dass in der Wiederholung auch den Jungen diese Erkenntnis zugesprochen wird - nachdem sie die Vergebung der Sünden empfangen haben.
    Nun geht es endlich in Vers 15 auf eine Art und Weise weiter, mit der wir leichter umgehen können - nur ist der Inhalt der letzten drei Verse des Predigttextes nicht gerade erbaulich. Liebe ja, aber nicht zur Welt. Wozu denn sonst? Liebe zu Gott kann es alleine nicht sein, es muss auch die Liebe zum Nächsten sein, wie zuvor deutlich gemacht. Die Liebe zum Nächsten aber beinhaltet die Liebe zur Welt, denn nur wer die Welt erhalten will, kann auch einen Sinn darin sehen, dem Nächsten zu helfen. Aber sicher ist hier nicht diese Art der Liebe zur Welt gemeint, wenn Johannes davor warnt, die Welt zu lieben, sondern eben die Hingabe an all das, was uns von Gott entfernt. So fordert uns Johannes zur Liebe auf, die sich dem Nächsten zuwendet und so den Willen Gottes zu erfüllen sucht.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang begründet sich wohl im Vers 12, wo die Vergebung der Sünden angesprochen wird. Sonst kommt dieses Thema aber nicht vor. Es ist aber schon einleuchtend, dass man nur dann so handeln kann, wie es Johannes fordert, wenn man aus der Vergebung heraus lebt. Und umgekehrt kann der, dem vergeben ist, nur selbst vergeben, denn mit nichts hat er die Vergebung verdient. So ist die Vergebung doch ein zentrales Thema dieses Predigttextes, das in der Predigt entsprechende Berücksichtigung finden muss.



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Zuletzt überarbeitet: 09 Oktober 2015
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