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Predigtvorschläge zu Jer 23, 16-29 (IV)
Ballade von Martin Senftleben
So richtig gut geht es nie allen,
drum lässt man es sich schon gefallen,
wenn einen keine Sorgen plagen
an diesen und an andern Tagen.
Man fragt nicht lang, wie's andern geht,
wenn es nur gut mit mir hier steht,
und wenn ich kann, dann will ich sorgen
dass nichts mir fehlt auch übermorgen.
Und was den andern widerfährt,
hat mich noch lange nicht gestört.
Man hört es wohl, die Nachbarin
flog gestern erst der Läng' nach hin,
ob ich ihr vielleicht helfen kann?
Ach nein, das macht ein andrer Mann.
Was soll ich mich denn immer plagen
mit Sorgen, die die andern haben?
Es geht mir gut, das zählt alleine,
und freundlich bin ich nur zum Scheine.
So lässt sich's leben, denkt man sich,
ich lass die andern zwar im Stich,
doch sorg ich ja - zu meinem Wohle -
für gutes Essen und die Kohle.
Nur: immer wird das nicht so gehn,
das kann man nicht nur heute sehn,
es steht sogar schon in der Bibel:
des Menschen Selbstsucht ist sein Übel.
Drum sandte Gott uns die Propheten,
sie sollten ihn bei uns vertreten,
damit wir lernten seinen Willen
und seinen Wunsch auch zu erfüllen.
»Ich weiß, was morgen vor sich geht,«
sagt einer, der sich nennt Prophet,
und weissagt, was das Zeug so hält,
von Gott und von der schönen Welt.
Und viele horchen auf sein Wort:
»Es wird geschehn an jenem Ort,
wo grüne Hügel rings umher,
den Menschen wird das Leben schwer.«
Schon rätselt man und fraget sich:
'Was ist der Ort, von dem er spricht?
Könnt es gar unser Städtchen sein,
und alle Menschen groß und klein?
Will er, dass wir uns heut verändern
und fortan gehn in Bußgewändern?
Doch da kommt einer angelaufen
so schnell, er muss sich erst verschnaufen
und kündigt, als er das getan,
für unser Städtchen Gutes an:
»Das Böse wird sich nicht erheben,
Gott will uns nur das Beste geben,
er ist uns nah, das sagt er immer,
verlassen wird er uns doch nimmer.
Drum macht nur weiter wie bisher,
macht euer Herz von Sorgen leer
und träumt von Reichtum, Auto, Haus,
das alles sag ich euch voraus.«
Prophet nennt sich auch dieser Mann,
er sagt uns nur das Gute an,
da kann man schon erleichtert sein
denn Gott lässt uns ja nicht allein.
Doch halt! Was haben wir gelesen?
Gott sagt: ich bin euch nah gewesen,
doch gibt es auch mal andre Zeiten,
wenn ihr euch gerne selbst wollt leiten,
dann will ich euch nicht nahe sein,
und mache mich verschwindend klein.
So straft uns Gott auf seine Art,
er bleibt uns fern, das ist schon hart,
und lässt uns ganz auf uns gestellt;
da muss wohl untergehn die Welt,
weil ich nur an mich selber denke
und mir nur meine Liebe schenke.
Doch bleibt er Gott, und neiget sich
in seiner Liebe über mich,
denn ganz aus eigner Kraft allein
kann niemand für sich Helfer sein.
Eins steht nun fest: Gott gibt nicht auf
und lässt den Dingen seinen Lauf,
er wendet sich mir zu und spricht:
'komm her zu mir - fürchte dich nicht!'
Gott rufet mich durch die Propheten,
die ihn bei uns auch heut' vertreten.
Wer sind die? Das ist schwer zu sagen,
weil sie kein Sonderzeichen tragen,
allein, was sie zu sagen meiden,
hilft uns, sie recht zu unterscheiden.
Denn was ein richtiger Prophet,
sagt nicht, wonach der Sinn ihm steht;
er kündet, was Gott von uns will,
und das wird manchem schnell zu viel.
Denn ganz so leicht und so bequem
wie früher wird es nicht mehr gehn.
Doch wenn wir nun auf Gott's Wort hören,
und uns nicht länger mehr dran stören,
dann machen wir den ersten Schritt
in Gottes Reiche gleichsam mit.
Die Selbstsucht weicht, wir schließen Frieden,
mit Gott und denen, die hienieden.
Und so beginnt auch unser Leben
von dem der andern sich zu heben,
wir spüren auch im Leide Segen,
auf Gott wir uns're Hoffnung legen.
Die andern können dies erkennen
warum wir uns hier Christen nennen
denn Christus lädt uns alle ein
in seiner Jüngerschar zu sein.
Er zeigt uns, wie sehr Gott uns liebt
so sehr, dass er den Sohn hingibt.
Drum sprechen wir in Jesu Namen
auch heute ein getrostes: Amen!
Liedvorschläge zur Predigt: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort (EG 193) Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ (EG 246) *Sonne der Gerechtigkeit (EG 262)
Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273) Ich freu mich in dem Herren (EG 349) Ist Gott für mich, so trete (EG 351)
Er weckt mich alle Morgen (EG 452) Fürchte dich nicht (EG 612)
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