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1. Sonntag im Advent
Der kommende Herr - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Mt 21, 1-9
Rev. 2014: Mt 21, 1-11 (I)

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,
den Vers ein jedes Kind schon kennt,
und denkt bei sich, bald wird er kommen,
zu allen, die sich gut benommen.
So warten sie ganz aufgeregt,
und hoffen, dass er sich bewegt
von seinem Heim in weiter Ferne,
dort, wo am Horizont die Sterne.
Und wer noch rät, wer das wohl sei
dem helf' ich kurz und knapp dabei:
Knecht Ruprecht mit dem schweren Sack
ist's, der den Kindern Freude macht.
Sie nennen ihn auch Nikolaus,
der mit dem klitzekleinen Haus,
und andre sagen dann und wann,
es sei der liebe Weihnachtsmann.
Der Grund der Freude, ist doch klar,
das macht es ja so wunderbar,
das sind die Mengen von Geschenken,
an die sie immerzu nur denken.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,
Den Vers ein jeder Mensch noch kennt,
erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
ohje, das Christfest vor der Tür!
Das heisst doch: auf! Geschenke kaufen,
zum xten Mal zum Laden laufen,
das Geld rinnt schneller durch die Finger,
der Kontostand wird nur geringer,
da soll man auch noch fröhlich sein,
wenn alle nach Geschenken schrein?
Was kauf ich nur für jene, diesen,
viel wird im Laden angepriesen,
doch wenn er das dann gar nicht mag,
ist auch dahin der schöne Tag,
und so erstreckt sich dann die Suche-
dass niemand mir den Tag verfluche...

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,
Ein Lichtlein, das ein jeder kennt,
ein Licht, das funkelt und auch strahlt,
ein Licht, das manche Schatten malt,
ein Licht, das uns den Weg erhellt,
ein Licht, das uns den Gruß bestellt:
Advent, es ist die Zeit des Wartens,
und nicht des emsig, eifrig Startens
in einen Kauf- und Sinnesrausch
der endet im Geschenketausch.

Nein, Warten, das ist angesagt,
und wer so recht zu warten wagt,
der wird alsbald im Geist erfahren:
was einst geschah vor vielen Jahren,
dass Gottes Sohn ward dort gebor'n,
das ist auch heute nicht verlor'n,
es ist für die Glückseligkeit
und all der Kinder Fröhlichkeit
die Ursach und der einzig Grund,
das tut uns das Wort Gottes kund.
Der Herr, er kam, als kleines Kind,
das auf sich nahm all uns're Sünd,
er kam, weil es so dunkel war,
er kam, und bracht' das Licht uns dar,
das Licht, das alles helle macht,
sogar der Seele tiefste Nacht.
Er schenkt uns Hoffnung, Liebe, Mut,
er hilft, er richtet alles gut.

Advent, da soll'n wir uns besinnen
auf das, was Gott will wohl beginnen
mit uns und unserm ganzen Leben,
dass wir nicht nur nach Wohlstand streben.
Des andern Wohl soll uns allein,
und auch in Zukunft wichtig sein.
Gott schenkt uns dazu auch den Mut,
denn letztlich macht er alles gut.
Er ist mit seinem Geist dabei,
das macht uns alle richtig frei,
damit wir sehn, wie's andern geht
und wie's um unsern Nachbarn steht.

Wir sollen auch ja nicht vergessen,
wem wir verdanken unser Essen,
denn das sind Menschen, weit entfernt,
wie man schon in der Schule lernt,
die werkeln dort für wenig Lohn -
im Grunde ist es ja ein Hohn:
Damit wir hier schön billig leben,
kann niemand dort nach Wohlstand streben,
Sie leben dort in kleinen Hütten,
und wenn es mal beginnt zu schütten,
dann wird die Hütte fortgeschwemmt,
und mit ihr noch das letzte Hemd.
Mit wenig kann man vieles tun,
drum lasst uns heute auch nicht ruhn.

Advent - lasst uns doch in uns gehn
und sie dort nicht im Regen stehn.
Lasst uns mal jenen Freude machen,
die sonst nichts haben mehr zum Lachen.
Dann wird das Christfest dieses Jahr,
vielleicht mal anders - so wie's war
vor vielen hunderten von Jahren,
als wir noch nicht geboren waren.
Denn damals in der heil'gen Nacht
da haben Hirten wohl gewacht,
und ihnen ward zuerst gesagt
was heut' fast keiner glauben mag:
dass dieses Kind der Heiland ist,
der Herr, der Helfer Jesus Christ.
Das Kind in Armut war geborn,
Gott hatte es sich auserkorn.
Drum sollen wir daran nun denken,
wenn wir uns wieder mal beschenken.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt,
damit ein jeder Mensch erkennt,
dass Gott für uns den Frieden will,
dass es mal werde richtig still,
dass niemand mehr in Ängsten lebe,
dass jeder nur nach Frieden strebe,
dass wir vertrauend uns begegnen,
damit es Segen möge regnen
auf diese uns're arme Welt,
in der, wie's scheint, nur zählt das Geld.

Advent, Advent, lasst uns das Licht
das heut' erstrahlt, vergessen nicht.
Lasst es uns in die Welt reintragen,
heut' und an allen andern Tagen,
Damit es werde hell im Herzen
und niemand leide große Schmerzen,
damit sich freu'n kann alle Welt,
weil ihr das Heil ist schon bestellt.
Amen, das sagen wir zur Stund,
Amen, wir tun der Welt es kund.

Amen


Liedvorschläge:

*Macht hoch die Tür (EG 1)
*Nun komm der Heiden Heiland (EG 4)
*O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7)
Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9)
Wie soll ich dich empfangen (EG 11, 1-3)
*Tochter Zion (EG 13)
Dein König kommt in niedern Hüllen (EG 14, 1-3.5)

Predigtvorschläge zu Offb 5, 1-5(6-14)
Rev. 2014: Jer 23, 5-8 (IV)

Liebe Gemeinde!
Es geht um ein Buch. Nein, es geht um das Buch: das Buch mit sieben Siegeln.
Sprichwörtlich ist es geworden. Wann immer man etwas nicht versteht, kann man das mit einem Hinweis auf dieses Buch zum Ausdruck bringen: das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Mit anderen Worten: ich habe keine Ahnung.
Wir bewegen uns in der phantastisch anmutenden Welt der Offenbarung des Johannes. Es ist eine Welt der Visionen und der Symbole, die wir heute, 2000 Jahre später, nur noch mit Mühe deuten können.
Da tauchen verschiedene Zahlen auf:
Die Vier: Symbol für die Welt: die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten, die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.
Die Sieben: Als Summe der Drei und der Vier stellt diese Zahl die Gemeinschaft von Gott und Welt dar, denn die Drei ist Symbol für das Göttliche. Die Sieben schlägt die Brücke zwischen dem Himmel (im Sinne von Gottesreich) und der Erde. Wir finden die Sieben an verschiedenen Stellen in unserem Predigttext, auch hier: Das Lamm ist würdig zu nehmen (1) Kraft und (2) Reichtum und (3) Weisheit und (4) Stärke und (5) Ehre und (6) Preis und (7) Lob. Die Sieben ist die Zahl der Vollendung.
Die Vierundzwanzig: Damit wird die zwölf bekräftigt, indem sie verdoppelt wird. Die Zwölf steht für die Zwölf Stämme Israels bzw. die zwölf Apostel, und meint damit die Gesamtheit des Gottesvolkes. Das himmlische Jerusalem hat zwölf Tore: in ihr hat das Gottesvolk seine Heimat.
Das sind nur die Zahlen aus unserem Predigttext. Doch es geht weiter:
Da ist zunächst das Buch mit den sieben Siegeln.
Von innen und außen ganz beschrieben ist es ein Buch, zu dem nichts mehr hinzugefügt werden kann. Alle Seiten sind beschrieben, wobei wir es uns wohl eher als eine Schriftrolle vorstellen dürfen, die tatsächlich auf der Außenseite genauso viel Platz bot wie auf der Innenseite. Bei einem Buch, so wie wir es heute kennen, wäre das außen ja nur der Einband, und da lässt sich so viel auch nicht unterbringen.
Das Buch birgt Geheimnisse, die sich erst durch das Brechen der Siegel erschließen. Und dazu bedarf es eines "würdigen" Menschen. Das ist das, worum sich dieses ganze Kapitel der Offenbarung dreht: "Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen?" (Offb 5, 2)
Das Buch macht neugierig. Was für Geheimnisse birgt es?
In den folgenden drei Kapiteln wird dargestellt, was geschieht, wenn die sieben Siegel gebrochen werden. Es kommen die vier apokalyptischen Reiter, dann das Gebet der Märtyrer, weiter die Katastrophen in der Welt, die auch als Strafe Gottes interpretiert werden, sowie die Offenbarung des Gottesvolkes aus allen Völkern, und schließlich das jüngste Gericht. Das ist die Bilderwelt, die zu vielen Spekulationen und Interpretationen geschichtlicher Ereignisse geführt hat, die aber alle das Ziel verfehlt haben.
Gewiss geht es wohl in dem Buch mit den sieben Siegeln um die Geschichte des Menschen bzw. der ganzen Menschheit, die sowohl äußerlich als auch innerlich betrachtet werden kann.
Äußerlich, das wäre das bloße Betrachten der menschlichen Geschichte als der Abfolge von Ereignissen, die sicherlich auch einander bedingen, aber völlig losgelöst sind von Gott.
Innerlich, das ist die Geschichte im Kontext des Willens Gottes, der jedem Ereignis seinen Sinn gibt.
Ich neige dazu, mir diese innerliche Geschichte der Menschheit wie ein gewaltiges Mosaik vorzustellen. Jedes Ereignis ist nur ein einzelnes Steinchen in diesem Mosaik. Wir selbst sind mit unserer Lebensgeschichte Teil dieses Mosaiks, irgendwo eingesetzt, und sind so natürlich nicht in der Lage, das Ganze zu sehen.
Doch von außen betrachtet - und diesen Blickwinkel kann wohl nur Gott selbst einnehmen - ergibt dieses Mosaik, dieses Sammelsurium von unzähligen verschieden gefärbten Steinchen. ein wunderbares Bild, und man erkennt dann, wie jedes Steinchen seinen Sinn und Platz bekommt.
Dieses Gesamtbild wird offenbar, wenn die Geschichte der Menschheit von innen betrachtet wird, wenn dieses Buch mit sieben Siegeln aufgetan und von innen her gelesen wird. Dann erkennen wir, dass in allem der Wille Gottes wirksam wurde und wird.
Es ist klar, dass, wenn die Siegel erbrochen werden, auch die Kräfte, die die Geschichte der Menschheit beeinflusst haben, offenbar werden müssen.
Und so ist es auch klar, dass nicht jeder x-beliebige dieses Buch auftun kann, sondern nur einer, nämlich der, der den Willen Gottes bis zum Letzten erfüllt hat, der in vollkommenem Gehorsam dem Willen Gottes gefolgt ist.
Und damit kommen wir zurück zum Kern unseres Predigttextes, zur Frage, wer würdig ist, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen.
"Würdig sein" bedeutet dabei natürlich nicht, möglichst würdevoll dazustehen. Es geht um die schlichte Frage, wer in der Lage ist, die Verantwortung zu übernehmen für das, was sich durch das Öffnen dieses Buches ereignen wird.
Kein Wunder, dass sich niemand findet, um dieses Buch aufzutun. Niemand will sich dieser Verantwortung stellen.
Doch ist die Frage, die so wichtig zu sein scheint und Johannes die Tränen in die Augen treibt, wohl eher rhetorischer Natur, denn einer von den Ältesten beruhigt den Seher. Denn er weiß schon, dass es doch einen gibt, der die Siegel brechen und das Buch aufschlagen kann. Es ist der Löwe aus Juda, die Wurzel Davids.
Mit diesen Symbolen kennen wir uns nun einigermaßen aus. Vom Löwen in Bezug auf Juda ist in der Segnung Jakobs die Rede am Ende des Buches Genesis: "Juda ist ein junger Löwe! ? Wie ein Löwe hat er sich hingestreckt und wie eine Löwin sich gelagert." (Gen 49, 9) Der Löwe ist Zeichen der Majestät, wie in der Segnung dann auch weiter festgestellt wird: "Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen." (Gen 49, 10)
Die Worte "Wurzel Davids" spielen an auf den Text aus dem Buch des Propheten Jesaja im 11. Kapitel, wo es heißt: "Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen." (Jes 11, 1)
Die Christenheit hat hier immer den Hinweis auf Christus gesehen, wie auch in den bekannten Liedern "Es ist ein Ros entsprungen" (EG 30) und "Wie schön leuchtet der Morgenstern" (EG 70) erkennbar wird. In beiden ist von einer Wurzel die Rede, aus der der Nachkomme Davids, Jesus, hervorgeht.
Und so gelingt dann auch der Übergang vom Löwen zum Lamm, denn etwas merkwürdig erscheint es ja schon, wenn zuerst vom Löwen die Rede ist, dann aber ein Lamm, wie geschlachtet, auftaucht.
Wir beten im Abendmahl Jesus an als das Lamm Gottes, so wie Johannes der Täufer auf Jesus hinweist: "Siehe, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt." (Joh 1, 29)
Dieses Lamm, das sich ganz dem Willen Gottes hingegeben hat, ist allein würdig, das Buch zu nehmen und die Siegel zu brechen. Denn trotz seiner scheinbaren Schwachheit ist dieses Lamm einzig in der Lage, die Geheimnisse der menschlichen Geschichte zu offenbaren. Denn das Urteil Gottes, das über die ganze Menschheit gefällt werden müsste, wurde von diesem Lamm aufgenommen, gewissermaßen aufgehoben im doppelten Sinn des Wortes. Es wurde auf Jesus gelegt und verliert somit seinen Schrecken für die Menschheit.
In unserem Urlaub waren wir in der Bretagne, ganz am westlichen Ende Frankreichs. Eine Menge der Kirchen dort haben wir uns angeschaut.
Wenn man die Kirchengebäude von außen betrachtet, bekommt man den Eindruck, dass sie aus der Erde gewachsen oder zumindest mit der Erde verwachsen sind. Dieser Eindruck entsteht durch die Flechten, die sich auf dem Gemäuer der meisten Kirchen ausgebreitet haben. Die Landschaft hat sich gewissermaßen die Kirchen einverleibt, ist mit ihnen eine Symbiose eingegangen. Das alleine hat mich schon tief beeindruckt, und man könnte es als Symbol dafür nehmen, wie eng die irdische Geschichte der Menschen mit dem Willen Gottes verwoben ist.
Anders scheint es beim Gottesdienstbesuch zu sein: die Gemeinde, die sich da versammelt, ist klein, nur wenige finden Sonntags den Weg in die Kirche. In vielen der meist katholischen Kirchen findet der Gottesdienst auch nur einmal in der Woche oder sogar seltener statt, im Gegensatz zu früher, wo es in jeder Kirche auch Gottesdienste in der Woche gab.
Unter den Kirchen, die wir besuchten, war eine in Locronan, an deren Altar das Buch mit den sieben Siegeln abgebildet ist. Auf diesem Buch liegt ein Kreuz, und auf dem Kreuz wiederum liegt ein Lamm. Darüber schweben zwei kleine Putten.
An dieses Bild musste ich denken, als ich mir den Predigttext vornahm, und habe versucht, in dem Bild wieder zu erkennen, was wir eben gehört haben.
Aber so richtig will mir das nicht gelingen. Denn das Lamm ruht förmlich auf dem Buch, es sieht aus, als ob es schlafe, obwohl seine Augen geöffnet sind.
Es wird nicht aktiv, sondern es erweckt eher den Eindruck, als wolle es das Buch bewachen. Kein Siegel ist gebrochen. Zwar hat das Lamm das Buch an sich genommen, aber mehr eben auch nicht.
Nun sind Kirchen ja keine Touristenziele, sondern Orte des Gebetes und des Gottesdienstes.
Und in diesem Zusammenhang hat dieses Bild eine klare Funktion: es bringt den Himmel, genauer: es bringt diese Himmelsvision des Johannes zu den im Gottesdienst versammelten Menschen.
Wir erinnern uns, dass, als das Lamm das Buch nahm, die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten niederfielen und ein neues Lied sangen: "Du bist würdig zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht." (Offb 5, 9.10)
Und dazu stimmt der Chor der Engel ein, viel tausendmal tausend: "Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob." (Offb 5, 12)
In diesen Lobgesang des Lammes stimmt die Gemeinde mit ein, jedesmal, wenn sie Gottesdienst feiert. Deswegen ist der Gottesdienst so wichtig, so zentral im Leben einer Gemeinde: er nimmt vorweg, was kommen wird, er stellt die Verbindung her zwischen Himmel und Erde.
Der Gottesdienst ist Symbol für das "Schon Jetzt" und das "Noch Nicht", in dem sich die christliche Gemeinde befindet. Wir sind noch fest verwurzelt in der menschlichen Geschichte und können das Ganze nicht erkennen, und doch haben wir schon Teil an der Herrlichkeit Gottes, indem wir einstimmen in den himmlischen Lobgesang.
So führt uns der Predigttext letztlich zu dem, was wir heute feiern: dem Beginn des Kirchenjahres, dem Advent, der Erwartung des Kommens unseres Herrn.
Und so bitten wir mit den Worten, mit denen das Buch der Offenbarung und damit die gesamte Bibel abschließt:
"Ja, komm, Herr Jesus!" (Offb 22, 20) Amen
Im Anschluss an diese Predigt wird das Lied "O Heiland, reiß die Himmel auf" gesungen.


Liedvorschläge zur Predigt:


Er ist die rechte Freudensonn (EG 2)
Ihr lieben Christen, freut euch nun (EG 6)
O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7)
Gott sei Dank durch alle Welt (EG 12)
O mächt'ger Herrscher ohne Heere (EG 14, 2-5)
Brich an, du schönes Morgenlicht (EG 33, 2-3)
Allein Gott in der Höh sei Ehr (EG 179)

Predigtvorschläge zu Lk 1, 67-79
Rev. 2014: Offb 5, 1-5(6-10)11-14 (V)

Liebe Gemeinde!
Es ist zehn vor sieben am Morgen. Eine Glocke läutet, ihr heller Klang ruft rund 60 Studenten aus ihren Zimmern zur Andacht. Auch ich mache mich auf den Weg, quer über den Campus, hin zur Kapelle, die am anderen Ende des weitläufigen Grundstücks liegt.
Die Andacht beginnt um Punkt sieben, wer zu spät kommt, fällt auf. Aber das ist kein Problem, denn alle sind pünktlich.
Tag für Tag, sieben Jahre lang, nur die Ferien sind ausgenommen – und Samstag und Sonntag ist die Morgenandacht um 8 Uhr, ein Zugeständnis an die Langschläfer.
Die Andacht folgt einer Ordnung, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat und nur wenig geändert wurde. Sie findet sich übrigens auch in unserem Gesangbuch, unter der Nummer 783. Vielen ist diese Ordnung fremd geworden. Für mich atmet sie Geschichte, und noch mehr: sie atmet Leben.
Der Tag beginnt, für die meisten sind die Wechselgesänge die ersten Worte, die über ihre Lippen gehen. „Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige”: mit dieser Bitte beginnt der Tag. Diese Bitte prägt den ganzen Tag: Nur Ruhm Gottes soll über meine Lippen gehen.
Das Psalmgebet wechselt jede Woche abhängig von der Zeit im Kirchenjahr, ebenso passt sich die Lesung dem Kirchenjahr an.
Auf das Responsorium, den Antwortgesang, folgt der Hymnus – ein Morgenlied. Und dann wird im Wechsel das Benedictus gesungen – die Worte des Zacharias, die wir gerade als Predigttext gehört haben.
Damals waren die Worte noch etwas anders, altmodisch, würden manche heute sagen, näher am Original wäre aber wohl richtiger:
„Gelobet sei der Herr, der Gott Israels. Denn er hat besucht und erlöset sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heiles in dem Hause seines Dieners David.”
Das Lob Gottes steht am Anfang des Tages. Es steht am Anfang des Lebens, denn Zacharias sagt diese Worte, nachdem sein Sohn Johannes, der später dann der Täufer genannt wird, geboren war. Zacharias hat da auch seine eigene Geschichte: weil er der Verheißung Gottes nicht glauben konnte, weil er zweifelte, wurde er stumm. Ihm war damals gesagt worden, dass Elisabeth und er das Kind, das sie sich so lange vergeblich gewünscht hatten und das nun doch noch geboren werden sollte, Johannes genannt werden solle.
Zacharias konnte es nicht glauben, weil sie beide, seine Frau Elisabeth und er, schon alt geworden waren. Er hatte nicht erlebt, dass so alte Menschen noch Kinder bekommen können, zumal Elisabeth ja offensichtlich unfruchtbar war. Wie sollte das jetzt möglich sein?
Die ganze Zeit der Schwangerschaft war er darum stumm geblieben, sein Mund verschlossen, gewissermaßen als Zeichen dafür, dass Gott zu seinem Wort steht. Kein Wort des Zweifels kann über seine Lippen kommen.
Zacharias weiß, dass dieses Kind ein besonderes Kind ist, denn es wurde ihm ja gesagt. Aber er kann es nicht weitersagen.
Um so voller ist sein Mund vom Lob Gottes, als seine Stimme endlich wieder erklingt. Jetzt beginnt Gott sein Werk, die Erlösung naht!
Was Zacharias wohl erwartet hat? Er wusste, dass Johannes nicht der Messias sein würde. Aber sein Wegbereiter würde er sein, so hatte es der Engel Gabriel zu ihm im Tempel gesagt. Und so beschreibt er es auch im Benediktus: „Du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen, du wirst vor dem Herrn hergehen, dass du seinen Weg bereitest.”
Das Volk wird durch ihn vorbereitet auf das Kommen des Herrn.
Das alles liegt in der Zukunft, doch Zacharias spricht – oder singt – davon so, als sei es schon geschehen: Gott hat besucht und erlöst sein Volk.
Immer noch sind die Besatzer da. Immer noch klagen die Menschen über hohe Steuern, die nicht dem Volk, sondern dem römischen Kaiser zugute kommen. Immer noch leiden sie unter den Übergriffen durch die Soldaten, immer noch fühlen sie sich wie Gefangene.
Aber: Gott hat besucht und erlöst sein Volk, er hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils.
Übrigens symbolisiert das Horn tatsächlich die Macht Gottes, so wie es in der neueren Fassung der Lutherbibel dann auch heißt. Aber Zacharias hat vielleicht doch an etwas anderes gedacht, etwa an die Hörner am Altar – er war ja schließlich Priester und hatte regelmäßig am Altar im Tempel Dienst zu tun. Das Heil Gottes findet Ausdruck in diesem Dienst am Altar Gottes, im Gottesdienst.
Diese Hörner am Altar im Tempel symbolisieren natürlich auch die Macht Gottes, aber wenn Zacharias davon spricht, dass Gott ein Horn seiner Erlösung im Hause seines Dieners David, d.h. unter dem Volk, aufrichtet, dann bedeutet das doch, dass Gott selbst inmitten seines Volkes gegenwärtig ist. Dieses Heil Gottes setzt sich durch, es wird für alle sicht- und spürbar.
Jetzt ist es geschehen, jetzt, da das Baby noch in den Windeln liegt, noch unfähig, überhaupt ein Wort zu sagen. Jetzt, da es gerade erst beschnitten wurde und seinen Namen bekommen hat, ist das Heil Gottes da; seine Erlösung ist greifbar.
Wenn die Sonne morgens aufgeht, ist es wie eine Vergewisserung: das Leben lebt. Das Licht siegt über die Finsternis. Und wenn es nur ein einzelner Lichtstrahl ist: die Finsternis kann nicht bleiben. Die Wärme der Sonne kann als Symbol der Liebe Gottes gedeutet werden, die uns wärmend umgibt.
Das ist eine der Erfahrungen, die man in der Morgenandacht machen kann. Das Heil Gottes, es wird spürbar.
Gott ist da. Und Zacharias hat überhaupt kein Problem, dies schon für sein hier und jetzt in Anspruch zu nehmen, obwohl er doch nur ahnen kann, was da noch alles geschehen wird. Wir wissen ja auch nicht, ob er es dann selbst erlebt hat und ob er mit dem, was sich dann ereignet, zufrieden sein würde. Sein Sohn, kaum 30 Jahre alt, enthauptet, der Messias gekreuzigt... ist das das Heil, das er erwartet hat?
Aber das ist nicht die Frage des Zacharias. Er hat sein Leben lang auf ein Zeichen gewartet, und als er selbst dann Träger dieses Zeichens wird, kann er es zuerst nicht glauben. Doch der Zweifel ist schnell fortgenommen, schließlich wird seine Frau schwanger. Zacharias fängt nicht an, daran herumzudeuteln, das sei dann doch nur Zufall, dass sich das gerade gleichzeitig ereignete, usw. Seine plötzliche Stummheit ist ja auch noch ein Beweis dafür, dass Gott am Werk ist. Aber heute hätte man auch dafür sicher eine gute medizinische Erklärung parat.
Zacharias hat immer auf Gott vertraut. Das „wann” war seine Frage: Wann kommt die Erlösung?
Und nun hält er sie in seinen Händen. Im Machtlosen erweist sich die Macht Gottes – das erfahren wir ja auch in der Christnacht.
Aber das Besondere an Zacharias ist: er glaubt an die Macht Gottes, obwohl er noch nicht viel von ihr gesehen hat.
Uns hingegen fällt das schwer.

Wir beginnen heute ein neues Kirchenjahr, wieder einmal. Seit Jahrhunderten beginnt es am 1. Adventssonntag, ein ewiger Kreis. So wird es dargestellt, das Kirchenjahr: als Kreis. Ich habe mich immer gegen diese Art der Darstellung gewehrt, denn eigentlich ist das Kirchenjahr eher mit einer Spirale zu vergleichen. Neben der Wiederholung steckt im Kirchenjahr auch eine Bewegung, die über das kreisförmige, flache hinausgeht.
Das Kirchenjahr ist nicht nur Erinnerung an vergangene Ereignisse.
Es führt uns heran an die Geheimnisse der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Und es führt uns zugleich auch zu Gott hin. Jedes Jahr erleben wir das Kirchenjahr auf etwas andere Weise als im Jahr zuvor. Jedes Jahr kommen die Erfahrungen des Vorjahres dazu. Jedes Jahr kommen wir der Gegenwart Gottes ein Stück näher.
Dieses Prinzip, wenn man es so nennen will, war Zacharias vertraut. Er tat regelmäßig Dienst im Tempel, brachte die vorgeschriebenen Opfer dar. Es hätte zu einer Monotonie werden können, immer das Gleiche, immer langweiliger, immer mehr Routine und nicht wirkliches Erleben. Aber Zacharias sah sich auf dem Weg – und er sah Gott auf dem Weg.
Es ist ein Weg, der zueinander führt. Gott bewegt sich auf uns Menschen zu, und wir bewegen uns auf ihn zu. Zacharias betete. Er bat um das Kommen des Messias. Würden seine Augen das noch sehen dürfen?
Auch wenn wir es nicht sicher sagen können: er erlebte es vermutlich nicht, die Verkündigung Jesu, seine Heilstaten, sein Tod am Kreuz, die Auferstehung. Und dennoch hat er das Kommen des Messias erlebt, dennoch hat er dieses Lob singen können, dass Gott sein Volk besucht und erlöst hat.
Ich kann mir vorstellen, dass viele von uns eine ähnliche Sehnsucht empfinden wie Zacharias damals. Wir warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, wir warten auf das Kommen des Herrn, denn wir leben in einer Welt, die einen mitunter nur traurig machen kann.
Wann wird Gott endlich der Ungerechtigkeit in dieser Welt ein Ende machen?
Wann wird er die Profitgier so vieler Menschen zunichte machen?
Wann wird er Frieden machen in den von Krieg gezeichneten Ländern?
Wann wird er die Mächtigen, die über Leichen gehen, um ihre Macht zu erhalten, von ihren Thronen stürzen?
Und wann wird er die Erniedrigten aus dem Staub erheben und zu Königen machen?

Das sind die Verheißungen, die im Vorfeld der Geburt unseres Herrn, die in dieser Adventszeit, anklingen. Wir dürfen Großes erwarten, obwohl es doch einst nur in einem kleinen Kind zu uns gekommen ist.
Für Zacharias war das kein Problem: das Heil war schon vollkommen, als er erst nur das gerade geborene Kind in seinen Armen hielt. Denn er wusste, dass Gott zu seinem Wort steht; ein Zeichen genügte – das Zeichen, das Gott in seinem Kind setzte.
Die Adventszeit ist eine Zeit, in der wir uns neu dessen bewusst werden, was Gott vorhat. Wir erwarten sein Kommen – nicht nur als kleines Kind in der Krippe, denn das ist ja doch nur ein Zeichen für das Großartige, das noch bevorsteht.
Und während wir auf sein Kommen warten, überlegen wir, in welcher Weise wir das, was da auf uns zu kommt, schon wenigstens zeichenhaft vorweg nehmen können.
Zum Beispiel, indem wir lieben, auch da, wo uns Hass entgegenschlägt;
indem wir verzeihen, wo jemand schuldig an uns geworden ist;
indem wir Streit schlichten und Menschen wieder zueinander führen, die sich auseinander gelebt haben;
indem wir die Wahrheit nicht verschweigen, vor allem da nicht, wo Menschen versuchen, mit Lügen ihre Ziele zu erreichen;
indem wir Zweifelnden helfen, ihren Zweifel zu überwinden;
indem wir Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält;
indem wir ein Licht in der Finsternis anzünden;
indem wir denen Freude machen, die in Kummer gefangen sind;
indem wir uns für den Frieden einsetzen da, wo Krieg herrscht.

Es mag ein langer Weg sein. Zweitausend Jahre hat es schon gedauert, es mag noch weitere zweitausend Jahre dauern oder noch viel länger. Oder es geschieht schon morgen: wir wissen es nicht.
Mit Zacharias wissen wir aber, dass Gott zu seinem Wort steht. Wir wissen, dass er kommt, und dass es für ihn nur eine kleine Weile ist, bis er wahr macht, was er schon unseren Vätern zugesagt hat:
dass uns durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes das aufgehende Licht aus der Höhe besuchen wird, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes.

Amen


Liedvorschläge zur Predigt:

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt (EG 7, 4-7)
Gott sei Dank durch alle Welt (EG 12)
Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16)
Seht, die gute Zeit ist nah (EG 18)
Freuet euch, ihr Christen alle (EG 34)
Singet fröhlich im Advent (KHW/HN-EG 536)

Zuletzt überarbeitet: 25 November 2016
© Copyright 1998-2016 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten.
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