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Das Unvergängliche* - Predigtbeispiele

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Predigtvorschläge zu Apg 12, 1-11
Rev. 2014: 2. Tim 1, 7-10 (Epistellesung - s. Reihe II) (IV)

Als er die Augen aufschlug, sah er um sich eine fremde Umgebung. Das war nicht sein Schlafzimmer; das war nicht die geblümte Tapete, die er Jahr für Jahr jeden morgen nach dem Aufwachen angesehen hatte, sondern die Wände waren mit Pastellfarben gestrichen, die beruhigend wirkten, und das Bett, in dem er lag, war viel höher als sein eigenes. An dem typischen rollenden Bettschränkchen erkannte er schließlich, dass er in einem Krankenhaus liegen musste. Aber er konnte sich nicht daran erinnern, wie er dorthin gekommen war. Während er noch versuchte, die Erinnerung wieder zu erlangen, trat der Arzt in das Krankenzimmer. "Guten Tag, Herr Schulze!" sagte er. "Gut, dass Sie wieder aufgewacht sind. 4 Tage waren Sie ohne Bewusstsein!"
"Was, 4 Tage? Aber was ist denn passiert?", wollte Herr Schulze jetzt wissen. "Nun," antwortete der Arzt, "Sie sind eine Treppe hinuntergestürzt. Sie wollten wohl gerade den Müll rausbringen, da sind Sie an der obersten Stufe ausgerutscht und die Treppe runtergefallen. Dabei wurde ihre Wirbelsäule verletzt." Herr Schulze horchte auf. Langsam kroch Angst in ihm hoch. Er hatte also einen Unfall gehabt! Und ganz harmlos kann es nicht gewesen sein, sonst würde er sich doch daran erinnern! Schließlich fragte er zaghaft: "Wie schlimm ist es denn, Herr Doktor?"
"Tja, wir haben Ihre Wirbelsäule stabilisiert, aber der Nerv ist verletzt. Sehr wahrscheinlich werden Sie in Zukunft einen Rollstuhl brauchen."
Wie ein Todesurteil polterten die Worte auf ihn herab. Herr Schulze wollte nicht mehr leben. Er war 60 Jahre alt, aber er hatte sich nie richtig alt gefühlt. Er war ein vitaler Mann gewesen, der viele Dinge im Haus selbst repariert hatte und selten von anderen abhängig war. Als seine Frau vor zwei Jahren gestorben war, hatte ihn das schwer getroffen, aber er hatte sich damit getröstet, dass sie bestimmt gewollt hätte, dass er so weiterlebt wie bisher. Das hatte er auch getan. Aber jetzt? Was für einen Sinn hatte sein Leben noch?
Unser heutiger Predigttext erzählt von einer ähnlichen Situation:
Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu mißhandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantwortete ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen. So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam herein, und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir! Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, dass ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ ihn der Engel. Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.
Für Petrus sah es nicht gut aus. Jakobus war einer der Führer gewesen der christlichen Gemeinde in Jerusalem, Petrus war die andere herausragende Person. Offenbar wollte Herodes die Führer umbringen, um so zum einen die Gunst des Volkes zu gewinnen, zum anderen aber sich selbst eine lästige Plage vom Hals zu schaffen. Aus irgendeinem Grunde hielt Herodes den Petrus für eine so wichtige Person, dass er ihm rund um die Uhr 4 Wachen zugesellte, im Ganzen also 16, so dass jede Wache nur 6 Stunden Dienst tun musste - so war gewährleistet, dass sie immer wach und auf der Hut waren. Zudem wurde er mit 2 schweren Ketten festgebunden. Eine aussichtslose Situation für Petrus, und er hat sich wohl auch in sein Schicksal gefügt. Gott hatte Jakobus nicht geholfen, warum sollte er ihm jetzt helfen?
Mit diesem Gedanken schlief Petrus ein, in Ketten gelegt, nahezu unbeweglich, umgeben von zwei Wachen, und weitere zwei Wachen draußen vor der Tür der Gefängniszelle.
Dann taucht plötzlich der Engel Gottes auf, löst die Ketten und fordert ihn auf, die Schuhe und den Mantel anzuziehen, das Leben wieder in Angriff zu nehmen, nicht aufzugeben. Der Engel führt ihn heraus aus der Enge des Gefängnisses durch das Tor der Burg, in der Petrus gefangen lag, in die Stadt hinaus. Sie gingen noch ein Stück, und dann verschwand der Engel. Bis dahin war Petrus nicht bewusst geworden, was ihm widerfuhr. Er hielt es für einen Traum. Nun aber begriff er: er war befreit worden! Sein Tod war doch nicht unvermeidlich gewesen!
Es leuchtet wohl ein, dass wir diese Geschichte nicht einfach auf uns übertragen können. Denn natürlich stehen wir nicht in einer ähnlichen Situation. Wir werden nicht verfolgt, wir sind keine Gefangenen, wir sehen dem Tod nicht derart ins Auge, dass wir wüssten, dass wir am nächsten Tag sterben müssten. Darum habe ich nach Ansatzpunkten gesucht, diese Geschichte auf ähnliche Situationen zu übertragen, und bin dabei auf Schicksale gestoßen wie das von Herrn Schulze. Auch er geriet unversehens in eine ausweglose Situation, der Tod war ihm plötzlich unmittelbar vor Augen gerückt, denn ein Leben im Rollstuhl konnte er sich einfach nicht vorstellen.
Was mich an der Geschichte von der Befreiung des Petrus besonders beeindruckt hat, ist die Liebe zum Detail. Es hätte ja genügt, zu sagen, dass der Engel kam und ihn befreite, vielleicht auch noch, dass er ihn in die Stadt hinausführte. Aber es wird genau beschrieben, was geschah: der Engel weckt Petrus, indem er ihn in die Seite stößt, die Ketten fallen von ihm ab, der Engel fordert Petrus auf, zuerst die Schuhe und dann den Mantel anzuziehen, und dann gehen sie an den Wachen vorbei hinaus.
Es ist eine Geschichte der Befreiung, aber nicht nur: es ist auch eine Geschichte der Fürsorge Gottes. Gott ruft uns heraus aus der Enge, die uns gefangen hält, aber er tut es nicht, ohne uns auch auszurüsten mit den Dingen, die wir brauchen, um hinauszugehen. Die Befreiung ist trotz allem ein schrittweiser Prozess.
Gefangene sind wir im Grunde schon alle: Angst veranlasst uns, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht tun wollen. Körperliche Beschwerden zwingen uns, unsere Aktivitäten zu reduzieren - wir werden Gefangene unserer eigenen Schwachheit. Misstrauen verkleinert den Kreis derer, die unser Vertrauen genießen, und damit unserer Freunde. Wir werden zu Gefangenen unserer eigenen Ängste.
Und nun taucht der Engel Gottes auf. Er löst die Ketten, fordert uns auf, uns anzuziehen, zuzurüsten für das, was vor uns liegt. Wie kann das konkret aussehen? Wenn wir Angst haben, bedeutet dies ja, die Angst zu überwinden, Mut zu fassen und vorwärts zu schreiten, dem ins Gesicht zu sehen, was uns Angst macht. Der Engel Gottes ist bei uns, er führt uns hindurch.
Am schwersten aber ist es sicher für viele von uns, mit den zunehmenden körperlichen Gebrechen fertig zu werden. Ungerne nehmen wir die Hilfe anderer in Anspruch. Immer wieder erfahre ich das, wenn ich Glieder unserer Gemeinde besuche, die eigentlich gerne aktiver am Gemeindeleben teilnehmen möchten, aber aus eigener Kraft nicht mehr können und sich nicht trauen, um Hilfe zu bitten. Der Engel Gottes fordert uns auf, die Gemeinde in Anspruch zu nehmen. Darum versammeln wir uns ja als Gemeinde, weil wir bereit sind, füreinander da zu sein und füreinander einzustehen. Diese Bereitschaft, einander zu helfen, müssen wir aber auch immer wieder deutlich machen, sonst weiß niemand, wen er in Anspruch nehmen kann.
Dadurch dass unser Vertrauen oft missbraucht wurde, wächst das Misstrauen. Man möchte sich ungerne anderen Menschen anvertrauen, weil man fürchten muss, dass das Anvertraute weitergetragen wird. Am Ende kommt es dadurch zu Missverständnissen, vielleicht sogar zu handfestem Krach. Das möchten wir vermeiden. Der Engel Gottes fordert uns auf, einander zu vertrauen. Dadurch können wir andere Menschen gewinnen, mit uns und für uns zu beten. Es tut gut, sich anderen Menschen anvertrauen zu können. Es ist wichtig, dass wir immer wieder beweisen, dass man uns vertrauen kann. Das Anvertraute vor Gott bringen: Ja, aber vor andere Menschen: Nein. Nur so können wir zu einer tragfähigen Gemeinschaft werden.
Viele Ketten binden uns. Wenn der Engel Gottes herantritt und die Fesseln löst: stehen wir dann auf, gehen wir mit ihm aus unserer Gefangenschaft heraus, oder sagen wir lieber: ich will hier bleiben, denn ich fürchte mich vor dem, was da draußen ist?
Herr Schulzes Leben ist noch nicht zu Ende. Er hat noch viele Jahre vor sich, in denen er trotz seiner Behinderung sehr aktiv sein kann. Das hat er erkannt, als der Engel Gottes ihn in die Seite stieß und zu ihm sagte: Zieh dich an und folge mir!


Liedvorschläge zur Predigt:


Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)
In dir ist Freude (EG 398)
Welcher Engel wird uns sagen (EG 559)
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe (EG 638;EG-NB 585)
*Fürchte dich nicht (EG-NB 595)

Predigtvorschläge zu den Marginaltexten:
Jes 38, 9-20 (nicht in Rev. 2014)
Rev. 2014: Apg 12, 1-11
Röm 4, 18-25

Jesaja 38, 9-20:

Die Krankheit des Königs Hiskia war keine Strafe. Hiskia war vielmehr ein König, der auf die Worte Gottes hörte und der darum von Gott reich belohnt werden müsste.
Andererseits war er natürlich auch Politiker, der in einer unruhigen Zeit lebte und darum immer wieder politisch kluge Entscheidungen treffen musste – meist waren es Kompromisse, denn das kleine Volk Juda war nicht mehr stark genug, um sich gegen die großen Mächte der Umgebung durchzusetzen. Aber es blieb das Volk Gottes, und daran hielt dieser König fest.
Die Assyrer hatten weite Teile des Nahen Ostens erobert, manche ehemals unabhängige Staaten waren Vasallen geworden, andere erkannten die Macht der Assyrer durch die Zahlung von Tributen an. Dazu gehörte auch das Volk Juda, das sich anfangs nicht an dem Aufstand der umliegenden Völker gegen die Assyrer beteiligt hatte. Es war aber zu erwarten, dass Sanherhib, der König der Assyrer, sich das ganze Gebiet unterwerfen würde, sollte es zu weiteren Aufständen kommen. Im Jahre 701 machte sich Sanherib zu einem Feldzug auf, in dem er die Stadt Jerusalem lange belagerte. Wie einen Vogel in einen Käfig habe man den König Hiskia eingeschlossen, so berichten die Geschichtsschreiber der Assyrer und beschreiben damit die lange Belagerung der Königsstadt Jerusalem.
Der Rabschake, der der Feldherr der Assyrer war, verhöhnte den Gott Israels. Hiskia wandte sich an den Propheten Jesaja und zu Gott. Er betete:
„Herr, neige deine Ohren und höre doch, Herr, tu deine Augen auf und sieh doch! Höre doch alle die Worte Sanheribs, die er gesandt hat, um den lebendigen Gott zu schmähen.”
Gott verheißt daraufhin die Errettung Judas und verspricht durch den Propheten Jesaja, dass die Assyrer die Stadt Jerusalem nicht erobern werden.
Als die Bedrohung dann tatsächlich vorüber ist, wird Hiskia todkrank (Jes 38,1). Jesaja sagt ihm dazu noch: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben.” Wenn der Prophet Gottes so überzeugt ist vom kommenden Ende, was bleibt dann noch zu tun als sein Haus zu bestellen?
Aber Hiskia wollte dieses Schicksal nicht einfach so hinnehmen. Er betete weinend auf seinem Lager: „Gedenke doch, Herr, wie ich vor dir in Treue und ungeteilten Herzens gewandelt bin und habe getan, was dir gefallen hat.”
Daraufhin sagt Gott ihm durch den Propheten Jesaja noch fünfzehn weitere Lebensjahre zu.
Hiskia wird wieder gesund und singt das Lied, das wir eben gehört haben.
Er stellt in diesem Gebet dar, was er erfahren hatte. In der Mitte seines Lebens sollte er sterben, und er deutet dies aus der Sicht dessen, der in seinem Leben immer auf Gott vertraut hat:
Ich werde den Herrn nicht schauen im Lande der Lebendigen.
Mit vielen Worten malt er diese Tatsache aus:
„meine Hütte ist abgebrochen” - dabei ist natürlich nicht der königliche Palast gemeint, sondern Hiskias Leben. Es ist schon beachtlich, dass er sein Leben nur als eine Hütte bezeichnet – denn was ist das Werk eines Menschen vor Gott? Was man in seinem Leben geschaffen, ja, gebaut hat – es kann nicht mehr als eine Hütte sein in den Augen des Allmächtigen. Aber er als König: hat er nicht viel erreicht? Demütige dich vor deinem Gott
„Zu Ende gewebt habe ich mein Leben wie ein Weber; er schneidet mich ab wie ein Faden.” So banal, so einfach, so bedeutungslos ist das Ende. Es ist für den Weber ein alltäglicher Handgriff, nichts Außergewöhnliches. Aber: nicht der Faden ist das Leben, sondern das Tuch, das daraus gewebt wurde. Wer weiß, wozu es gut ist?
Doch Hiskia sieht es nicht so – denn er kann nicht auf ein vollendetes Lebenswerk zurückschauen. Er sieht nur Fragmente, Bruchstücke, die letztlich bedeutungslos zu sein scheinen.
„Ich zwitschere wie eine Schwalbe und gurre wie eine Taube”. Diese Töne sind in seinen Ohren ein Lob Gottes. Wozu sollen die Geschöpfe denn sonst Stimmen haben, wenn nicht, um ihren Schöpfer damit zu loben?
So hatte auch Hiskia seine Stimme erhoben – wie das Zwitschern einer Schwalbe oder das Gurren einer Taube. Nichts anderes als das Lob des Schöpfers wollte er damit singen, und nun bettete er darin eine Bitte ein: Herr, ich leide Not, tritt für mich ein! Herr, lass mich wieder genesen und leben!
Zwischen diesen beiden Rufen erklingt das scheinbar Unwiderrufliche: „Er hat's getan!” Gott hat es getan. Wer kann sich dem in den Weg stellen? Ist es nicht doch richtig, sich dem Schicksal zu ergeben?
Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt – diese Worte, die wir aus Hiob's Mund kennen, könnten auch die Worte des Hiskia sein. Es ist die Hingabe zu Gott im tiefen Leid, die hier spürbar wird. Alles aus seiner Hand nehmen, Gutes wie Böses. Denn wir können ja doch nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
Aber etwas anderes klang an, am Anfang, als Hiskia vom Lande der Lebendigen sprach. Können die Toten überhaupt noch Gott loben? Die meisten Menschen glaubten damals, dass die Toten nur von Finsternis umgeben wären.
„Im Tode gedenkt man deiner nicht; wer wird dir bei den Toten danken?”, (Ps 6, 6) heißt es im 6. Psalm. Wie können Tote mit Gott in Verbindung treten?
Konnte Hiskia also eine solche Hoffnung haben, wie wir sie haben können durch die Auferstehung Jesu Christi?
Wohl kaum. Wenig später wird er selbst ganz ähnliche Gedanken äußern: „die Toten loben dich nicht.”
Und darum nimmt er sein Schicksal ja auch nicht widerstandslos hin. Er akzeptiert nicht die Endgültigkeit der Worte des Propheten. Und so wie wir daran glauben, dass wir auch im Tode noch in den Händen Gottes geborgen sind, so glaubte Hiskia, dass die Hand Gottes ihn vom Tod erretten könnte.
Und dennoch hören wir noch die verzweifelte Feststellung:
„Siehe, um Trost war mir sehr bange.”
Kein Wunder eigentlich, nachdem der Prophet Jesaja so kühl und distanziert den Willen Gottes offenbart hatte. „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben.” Daran ist nichts Trostvolles. Und Jesaja scheint auch keinen Trost zu haben. Er ist ja auch nur der Überbringer, er ist der Prophet, der Bote Gottes – er ist kein Seelsorger.
In dieser Situation, da es dem Hiskia um Trost so sehr bange war, da wendete er sich Gott zu. Denn woher sonst konnte er Trost erwarten, wo selbst der Prophet Gottes kein Wort des Trostes mehr für ihn hatte? Von Gott erhoffte und erbat er nun Barmherzigkeit. Und er bekam sie.
Das Lied wendet sich:
„Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen” - herzlich angenommen. Da spürt man plötzlich eine Nähe und Wärme, die so ganz anders ist als das „Bestelle dein Haus.”
„Herzlich”, das heißt von Herzen, und man könnte auch sagen: aus Liebe, zumindest aber: in liebevoller Hinwendung hat sich Gott seiner Seele angenommen.
So wenig wie die Krankheit als Strafe verstanden wurde, so wenig wurde die Genesung als Belohnung empfunden – denn wofür?
Hiskia sieht sich als einen Menschen, der vor Gott nicht bestehen kann, und stellt fest: „du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.” Das hätte er selbst nie schaffen können.
Gott macht uns rein, er lässt uns in seinem Licht stehen. Hiskia ist sich bewusst, dass er ein sündiger Mensch ist, auch wenn er sich stets zu Gott gehalten hat. Kein Mensch kann „nur gut” sein. Und selbst wenn er es zu sein scheint, dann kann auch in diesem Gutsein noch Falsches liegen, das wir nur im Moment nicht erkennen.
Wir brauchen nur ein wenig nachforschen, unter welchen Bedingungen viele der Dinge, die wir kaufen und täglich benutzen, hergestellt wurden, dann werden wir erkennen, dass wir schon im Alltäglichen schuldig werden an unseren Mitmenschen, seien sie nun nah oder fern. Niemand ist ohne Schuld.
Noch einmal erinnert Hiskia an das, was er vielleicht doch im Geheimen als ein gutes Argument gebraucht hat: „Die Toten loben dich nicht, der Tod rühmt dich nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Treue; sondern allein, die da leben, loben dich so wie ich heute.” (Jes 38, 18)
Wir sehen das etwas anders. Im 1. Petrusbrief heißt es: Christus „ist hingegangen, zu predigen den Geistern im Gefängnis” (1. Petr 3, 19), und etwas weiter lesen wir: „Dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist.” (1. Petr 4, 6)
Die Toten haben das Leben im Geist und können darum auch Gott loben. Sie bleiben nicht stumm, sondern wenden sich Gott zu und bitten, dass er komme, um sein Reich zu vollenden.
Hiskia lebt, und so bleibt für ihn nur, alle Menschen aufzufordern, mit ihm zu singen und zu spielen im Hause des Herrn!
Wie schnell neigt der Mensch dazu, die Güte Gottes zu vergessen. Für Hiskia war die Genesung ein Wunder. Denn am Anfang stand das Wort des Propheten: bestelle dein Haus, du wirst sterben. Und am Ende stand das Wort: du wirst noch fünfzehn Jahre leben.
Abgesehen davon, dass wohl niemand gerne so genau wissen möchte, wann sein Tod kommt, war diese Botschaft Grund zur Freude, und diese Freude wollte Hiskia Gott gegenüber zum Ausdruck bringen. Denn die Ursache der Freude kam von Gott her.
Wir leben unser Leben nicht nur für uns. In allem, was wir tun, haben wir ein Gegenüber, und das ist der lebendige Gott. Auf seine Gnade dürfen wir vertrauen.
Amen


Liedvorschläge zur Predigt:

zu Jes 38, 9-20:
Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)
Morgenglanz der Ewigkeit (EG 450)
Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen (EG 518)
Ach wie flüchtig, ach wie nichtig (EG 528)
Wer weiß, wie nahe mir mein Ende (EG 530)

Zuletzt überarbeitet: 20 September 2015
© Copyright 1998-2015 by Martin Senftleben

Bibeltexte: © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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