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11. Sonntag nach Trinitatis
Pharisäer und Zöllner - Predigtanregungen

Proprium | Predigtanregung | Predigttext | Liedvorschläge | Gebete | Predigten

Der 11. Sonntag nach Trinitatis widmet sich unserer Einstellung zu Gott und zu seinem Gnadenhandeln. Dafür werden im Evangelium die zwei völlig unterschiedlichen Charaktere des Pharisäers und des Zöllners einander gegenüber gestellt. Die übrigen Texte weisen mehr in die Richtung des "Seligwerdens aus Gnade" und nicht aus Werken. Unsere Einstellung zu der Gnade Gottes ist entscheidend dafür, ob wir sie auch empfangen werden.

Zu den Perikopen

  1. Lk 18, 9-14
    Rev. 2014: Lk 7, 36-50 (s. Reihe V)

    Merkwürdig. Dieses Gleichnis fordert regelrecht dazu auf, genau das zu tun, wovor es warnt. Das liegt daran, dass das Gleichnis gewissermaßen eine Bedienungsanleitung mitliefert, wie man sich im Angesicht Gottes zu verhalten hat. Sobald man sich an diese Anleitung hält, macht man es aber gleich wieder falsch. Denn das Gleichnis prangert das Sich-Verlassen auf die eigene Gerechtigkeit, auf die Richtigkeit des eigenen Handelns, an; indem man sich wie der Zöllner verhält, um als gerecht zu gelten, hat man aber genau diese Haltung wieder eingenommen.
    Es ist also längst nicht so einfach, wie es scheint. Mit dem bloßen Schuldbekenntnis und der Bitte um Erbarmen ist es nicht getan. Es geht um die innere Haltung, die niemand einstudieren kann. Der Zöllner ist nur deswegen auf der richtigen Spur, weil er sich selbstkritisch beurteilt und dabei zu dem Schluss kommt: was ich mache, ist falsch, mein Leben kann nur dann wieder auf die richtige Bahn kommen, wenn ich Gottes Hilfe erbitte und in Anspruch nehme.
    Beachtenswert ist immerhin, dass der Zöllner überhaupt in die Synagoge geht, wo er doch so ein sündiger Mensch ist, dem Gott egal zu sein scheint. Aber genau das ist der Punkt: ihm ist Gott nicht egal. Die Selbstkritik, die er übt, führt ihn wieder zu Gott.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist von diesem Evangelium bestimmt. Es geht um den Unterschied zwischen den Beiden: dem Selbstgerechten, der Gott im Grunde nicht braucht, und dem Selbstkritischen, der erkennt, wie nötig er Gott hat.
    In der Predigt kann man versuchen, diesen Kontrast lebendig werden zu lassen, etwa indem man sich bemüht, die Motivation der Gemeindeglieder, warum sie in den Gottesdienst gehen, herauszufinden und dann zu hinterfragen, ohne dabei persönlich zu werden. Es käme darauf an, deutlich zu machen, dass Gott nicht ein kosmetisches Mittel zur Gestaltung des eigenen Lebens ist, sondern ein existenzieller Bestandteil des Lebens, ohne den Leben nicht möglich ist. Mit anderen Worten: Erst wenn es zu einer frontalen Begegnung mit Gott kommt, die einem klar macht, wie bedürftig das eigene Leben doch ist, kommt man zu der Haltung des Zöllners.
    Ein Vorschlag wäre, die erzählung weiter zu spinnen. Wie reagieren die Menschen, die die Worte Jesu hören? Es sind alles Fromme, so wie die Menschen, die den Gottesdienst besuchen und die Predigt hören. In den Reaktionen der Menschen könnte man auch die Elemente aufnehmen, die unsere Frömmigkeit ausmachen, und zugleich das Problem der Selbstgerechtigkeit deutlich machen.

  2. Eph 2, 4-10
    Eph 2, (1-3) 4-10 (W)
    Rev. 2014: Gal 2, 16-21 (s. Reihe IV)

    folgt später

  3. Mt 21, 28-32
    Rev. 2014: Hiob 23

    Es geht ursprünglich um die Frage, aus welcher Vollmacht heraus Jesus die Zeichen und Wunder tut. Johannes der Täufer wird als Maßstab herangezogen, und schließlich verweigert Jesus die Antwort. Die vorliegende Perikope dreht dann den Spieß um: jetzt wird nicht nach der Vollmacht gefragt, sondern nach der Wirkung des Handelns. Offensichtlich will Jesus die Vollmacht aus der Wirkung ableiten, nach dem Motto: "Der Zweck heiligt die Mittel".
    Die zwei "ungleichen" Söhne, die Jesus anführt, sind Vertreter des nach außen hin zuvorkommenden und hilfsbereiten Menschen und des nach außen hin abweisenden. Beide bekommen die gleiche Aufgabe, im Weinberg zu arbeiten. Während der erste zunächst ablehnt, sagt der zweite zu. Der erste geht dann aber doch, weil er spürt, dass es nicht richtig ist, nicht zu gehen. Der zweite aber wendet sich anderen Dingen zu und tut nicht, was er zugesagt hat. Die Fragenden identifizieren sofort den, der den Willen des Vaters getan hat. Es ist der, der zuerst mit dem Mund abgelehnt hat.
    Das Gleichnis wird von Jesus selbst interpretiert, was eine unvoreingenommene Auslegung unmöglich macht. Die Hohenpriester und Ältesten hatten wohl die Rede des Täufers gehört und gesehen, wie die Sünder, die zuvor noch "nein" zu Gott gesagt hatten, sich nun Gott zuwendeten. Aber sie selbst haben schon längst "ja" zu Gott gesagt und meinen deshalb, dass es nicht mehr nötig ist, Buße zu tun. Sie verachten Johannes, weil er auch ihnen die Buße predigte und sie, die Frommen, nicht ausschloß vom Gericht.
    Der kirchenjahreszeitliche Bezug ist eindeutig und muss nicht aus den Tiefen der Perikope ausgegraben werden. Die Predigt wird dennoch etwas schwieriger. In der Kirche sitzen nunmal diejenigen, die sich für fromm halten. Sie sind es wohl vielfach auch. Kann man ihnen vorhalten, dass sie Gottes Wort nicht erfüllen? Man muss an dieser Stelle wohl nochmal zurück zu der ursprünglichen Frage: "Aus was für einer Vollmacht tust du das eigentlich?"
    Das Problem ist der Anstoß, den die Hohenpriester und Ältesten daran nehmen, dass plötzlich auch diese Sünder dazugehören sollen. Deshalb hinterfragen sie die Vollmacht. Kann Gott dies wirklich wollen? Will er solch Gesindel in seiner Gemeinde. Die Antwort Jesu ist ein eindeutiges "Ja". Es steht außer Frage. Für die, die daran Anstoß nehmen, steht die Gnade Gottes allerdings auf dem Spiel. Dieser Gedankengang kann in einer Predigt entfaltet werden, ohne verletzend zu wirken.

  4. Gal 2, 16-21
    Rev. 2014: Lk 18, 9-14 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

    Dies ist ein zentraler Text evangelischen Glaubens, der im ökumenischen Kontext durch die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung an Bedeutung gewinnt. Werke können nicht gerecht machen, sondern allein der Glaube an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Interessant ist jedoch die Formulierung, wie Paulus dies ausdrückt: 'Weil wir es wissen, darum sind wir zum Glauben gekommen...' Es scheint fast, als ob Paulus aus ganz logischen Gründen zum Glaubenden wurde.
    Dass dies so kaum gemeint sein kann, lässt sich vom Kontext ableiten. Es würde ja bedeuten, dass auch hier zunächst einmal die Tat im Vordergrund steht, nämlich das "zum Glauben kommen", aber das macht ja nicht gerecht, sondern der Glaube selbst. Allerdings muss man noch ein bisschen genauer hinschauen: Paulus schließt nur die "Werke des Gesetzes" als Heilsmittel aus, nicht aber die Werke schlechthin. Das kann wichtig sein, denn es würde letztlich bedeuten, dass es durchaus die Möglichkeit gibt, aus eigener Kraft, aus eigenem Antrieb zum Glauben zu kommen (wohlgemerkt, nicht die Erlösung zu bewirken). Somit wäre der Glaube nicht ein Geschenk Gottes (was ja wiederum das Problem aufwerfen würde, warum Gott manchen - vielen - Menschen den Glauben verweigert), wie manches Mal angenommen wird, sondern ein Handeln des Menschen. Dabei muss man Glaube als Antwort des Menschen auf den Ruf Gottes verstehen. In diesem Sinne ist also Glaube das Ergebnis eines Werkes, nämlich der Zuwendung zu Gott.
    Paulus schließt das Gesetz aus seinem Leben aus, wobei er das Gesetz im Sinne von "Heilsweg" meint, wie es also weithin angesehen wurde. Dieses Gesetz ist sinnlos, denn es führt nicht zum Heil. Darum ist es auch sinnlos, dem Gesetz zu folgen. Das führt aber nicht zu einer Anarchie. Vielmehr nimmt Paulus anstelle des Gesetzes den Glauben an und lebt in Zukunft aus ihm. Also stellt sich der Glaubende unter die Herrschaft Christi, indem er Christus 'in sich leben' lässt.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist relativ leicht ersichtlich. Es geht ja um unsere Antwort auf Gottes Handeln an uns, und genau das ist auch mit dem Thema dieses Sonntags angesprochen. Die Predigt sollte versuchen, im Sinne des Predigttextes deutlich zu machen, dass Glaube eine aktive Hinwendung zu Gott bedeutet. Man lässt sich nicht abholen, sondern man geht hin, man bewegt sich auf Gott zu. Dass wir dabei in Bewegung bleiben, sollte nicht vernachlässigt werden. Denn sobald wir versuchen, einen Standort für uns zu "sichern", gewinnt das Gesetz, mit dessen Hilfe die Sicherung erfolgen soll, die Oberhand. Wir würden so eine Mauer zwischen Gott und uns errichten.

  5. Lk 7, 36-50
    Rev. 2014: Eph 2, 4-10 (Epistellesung - s. Reihe II)

    In diese Geschichte von Jesus, der bei dem Pharisäer Simon zum Essen eingeladen ist und dort von einer "Sünderin" (vermutlich einer Prostituierten) die Füße gewaschen und gesalbt bekommt, wird begleitet von einem Gleichnis, das das vorliegende Problem, das in den Augen Simons entstanden ist, beleuchtet.
    Zunächst einmal fällt auf, dass Jesus ganz unbefangen mit Pharisäern zu verkehren scheint (genauso wie mit den Zöllnern und Sündern). Er tut dies nicht, um sie herauszufordern. Er nimmt die ausgesprochene Einladung an ohne irgendwelche Vorbehalte.
    Interessant ist, dass die Sünderin überhaupt den Weg in das Haus finden konnte. Offenbar ist sie stadtbekannt, es wäre also ein leichtes gewesen, sie daran zu hindern, Jesus zu begegnen. Vielleicht ist es nur Zufall, vielleicht aber deutet es auch darauf hin, dass Simons Haushalt so geführt wurde, dass niemandem der Zugang ins Haus verwehrt wurde, also auch nicht einem Sünder oder einer Sünderin. Das würde dem gängigen Bild von einem Pharisäer, wie es meist unter Christen vorgestellt wird, deutlich widersprechen.
    Die Sünderin selbst ist eigentlich die Hauptperson. Sie hört, dass Jesus bei Simon zu Gast ist, und begibt sich mit dem Salböl ausgerechnet dorthin!? Wieder ein Anzeichen dafür, dass selbst unter Sündern der Ruf der Pharisäer so schlecht nicht sein konnte. Dass sie sich von hinten Jesus nähert, um die Füße zu salben, erscheint merkwürdig, es sei denn, Jesus saß auf dem Boden und hatte die Bein seitlich angewinkelt. Als sie dort ist, ist sie aber so überwältigt, dass sie ihr Vorhaben, seine Füße mit Salböl zu salben, zunächst nicht umsetzen kann, sondern sie benetzt Jesu Füße mit ihren Tränen und trocknet sie mit ihren Haaren. Erst dann kann sie die Füße auch salben. Dem zwar niedergeschriebenen, aber nicht laut ausgesprochenen Einwurf Simons begegnet Jesus mit dem Gleichnis von den zwei Schuldnern, denen ihre Schuld erlassen wird. Simon erkennt, dass der, dem mehr Schuld erlassen war, dankbarer ist.
    Etwas merkwürdig ist, was nun folgt: Jesus vergleicht das Handeln der Frau mit dem Handeln Simons und kommt dabei zu dem Schluss, dass Simon wenigt liebt, weil ihm wenig vergeben wird. Schließlich spricht Jesus der Frau die Vergebung ihrer Sünden zu, was einen kleinen Aufruhr unter den Gästen hervorruft (Simon gehört wohl nicht zu denen, die sich verwundern).
    Jesus lässt die Frau in Frieden ziehen, er sagt ihr noch nicht einmal, dass sie hinfort nicht sündigen soll. Vielleicht hat Jesus erkannt, dass diese Aufforderung nicht mehr notwendig nicht?
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang ist recht deutlich. Es geht um die Sünderin, die vor Gott ihre Schuld erkennt und sich ihrer entledigt, indem sie sich dem Urteil Gottes unterwirft. In der Predigt sollte darauf geachtet werden, nicht das übliche Klischee des selbstgerechten Pharisäers zu projizieren, denn Simon zumindest passt überhaupt nicht da rein. Er ist ein fragender und suchender Mensch, der aber schon an der richtigen Stelle sucht. Er hat sich nicht von Gott abgewandt, so wie die Sünderin, sondern hat nach Gott gesucht und findet ihn in der Gestalt Jesu. Jesus führt ihm nun nur vor, was die Realität Gottes für die Menschen bedeutet: Liebe und Vergebung. Dies sollte auch der Grundtenor der Predigt sein.

  6. 2. Sam 12, 1-10.13-15a* (auch in Rev. 2014)

    Diese Geschichte ist wohl vom geschichtlichen Zusammenhang her einzigartig in ihrer Art. Keine andere Gesellschaft hätte es gewagt, den König, der als "Gesalbter Gottes" und Begründer eines großen Reiches und einer Dynastie angesehen wurde, in irgendeiner Form zu kritisieren. Schließlich gilt der König als Souverän, er kann mit seinen Untergebenen machen, was er will - er ist Gott gleich. Nicht so im Volk Israel: Der König dient Gott und damit dem Volk, das das Volk Gottes ist. Dieser Aspekt kommt vielleicht in keiner anderen Geschichte so deutlich zum Tragen wie in dieser.
    Dennoch hat man es später falsch gefunden, den König so zu kritisieren, und darum bei dem zweiten Versuch, die Geschichte Davids niederzuschreiben, diesen Fehler einfach unterschlagen (Chronik). Dass die Geschichte nicht auch aus den früheren Schriften getilgt wurde, zeugt von der Erkenntnis, dass auch Könige nur Menschen sind.
    Da wir in keinem Feudalsystem mehr leben, ist dieser Aspekt allerdings wenig relevant. Wichtiger ist, wie hier mit dem Unrecht, das geschehen ist, umgegangen wird. David hat sich über die Frau eines seiner treuesten Soldaten hergemacht, vielleicht hat er sie sogar vergewaltigt. Das bleibt im Dunkeln. Er hat dem sexuellen Trieb nachgegeben, über den er als König eigentlich erhaben sein sollte. Noch schlimmer ist, dass er sein Vergehen zu verdecken sucht. Er hat also erkannt, dass es falsch war, was er tat. Die Methode, wie er mit diesem eigenen Unrecht umgeht, ist eines Königs unwürdig. Sie zeugt von großer Feigheit. Er sorgt dafür, dass sein Untergebener Uria in einer Schlacht getötet wird, indem er dem Befehlshaber Joab den Auftrag gibt, Uria im Stich zu lassen.
    Nachdem Uria so getötet wurde, kommt Natan und hält die Rede, die den Predigttext einleitet. Natan geht geschickt vor, er lässt den Mächtigen zunächst die Art des Unrechts selbst benennen, bevor er ihn darauf hinweist, dass es der König selbst ist, der das Unrecht beging. David bekennt seine Schuld und erlangt so Vergebung - und doch keine Vergebung. Das Kind, das aus dem Verhältnis mit Bathseba entstand, stirbt als Strafe für dieses Vergehen.
    Diese Strafe kann man auf verschiedene Weise sehen. Oft wird sie gar unterschlagen, und das Erbarmen Gottes bzw. die Vergebung, die David erlangt, steht im Vordergrund. Dabei entgeht David nur dem selbst gefällten Urteil, das er eigentlich doch hätte vollstrecken müssen. Von Gott war gar kein Urteil gefallen. Dass der Sohn Bathsebas und Uria die eigentlichen Opfer sind des Vergehens eines Königs, ist erschütternd und bedrückend. Dass Gott das eine zulässt und das andere sogar fordert, macht ratlos. Wenn das Hin und Her zwischen Schuld und Strafe in der Geschichte Israels nicht so weiter ginge, könnte man allerdings hier einen Anklang des Evangeliums finden: erst der Tod des Sohnes versühnt Gott derart, dass er bereit ist, selbst die größte Sünde zu vergeben. Aber das ist sicher nicht so gemeint, denn es ist eindeutig eine Strafe, die hier vollzogen wird, und zwar an einem unschuldigen Kind, damit die vorher strafbare Handlung legitimiert werden kann.
    Ganz wichtig ist die Rolle des Nathan. Er hat keine Angst, dem König gegenüber zu treten und ihn auf sein Vergehen aufmerksam zu machen. Er riskiert damit sein Leben, denn der König ist souverän und kann machen, was er will. Nur Gott steht über ihm. Aber den vertritt Nathan, und darum wagt er es. In dieser Gestalt gewinnt die Geschichte auch für uns Relevanz. Die Bereitschaft, Gottes Willen klar und deutlich kundzutun, auf eine Art und Weise, die die Angesprochenen betroffen macht. Nathans Vorgehen zeugt von großer Geschicklichkeit auf diesem Gebiet.
    Der kirchenjahreszeitliche Zusammenhang legt aber nahe, das Augenmerk auf David zu legen, der zunächst "pharisäerhaft" das Urteil über den fiktiven Sünder fällt, um dann zu erkennen, dass er selbst der Schuldige ist - eine Erkenntnis übrigens, die er schon längst gewonnen hatte, sonst hätte er ja nicht den gewaltsamen Tod Urias herbeigeführt. Von daher passt die Geschichte nicht so recht in den Zusammenhang hinein. David wusste, dass er Unrecht getan hatte, und hatte gehofft, damit davon zu kommen - als König missbrauchte er seine Macht. Darüber hinaus wird die Sünde ja nur deswegen vergeben, weil das Kind geopfert wird - es ist also keine Schuldvergebung aufgrund des Schuldbekenntnisses.
    Die Predigt kann versuchen, den Aspekt der Schulderkenntnis dennoch hervorzuheben. Aber David hat sich wie ein schuldbewusstes Kind verhalten, das gehofft hat, seine Schuld würde nicht aufgedeckt. Und erst nachdem ihm klar wird, dass das nicht möglich ist, gibt er zu, dass er schuldig ist. Von daher empfehle ich, einmal den kirchenjahrszeitlichen Zusammenhang außer Acht zu lassen. Es würde dem Predigttext nicht gerecht. Anstelle dessen empfehle ich, die Person Nathans in den Vordergrund zu stellen und dabei unsere Verantwortung für die Schwachen zu berücksichtigen, die die Opfer der Mächtigen sind. Denn auch wenn wir in keinem Feudalsystem mehr leben, so gibt es doch Arme und Reiche, Schwache und Mächtige.



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Zuletzt überarbeitet: 18 August 2015
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